Snap hat die Vorbestellung seiner neuen Augmented-Reality-Brille gestartet. Das Gerät soll als eigenständiger Wearable-Computer eine neue Ära einläuten.
Die unter der Marke Specs angebotene Brille ist mit einem Preis von umgerechnet rund 2.100 Euro klar im High-End-Segment positioniert. Interessenten können eine Anzahlung von knapp 190 Euro leisten, um sich einen Platz in der ersten Lieferwelle zu sichern. Die Auslieferung beginnt im Herbst 2026 – zunächst in den USA, Großbritannien und Frankreich. Ein Deutschland-Start ist noch nicht bestätigt.
Technische Details: Leicht, schnell, farbenfroh
Mit einem Gewicht von 132 bis 136 Gramm gehört die Specs zu den leichteren AR-Brillen am Markt. Das Gehäuse besteht aus TR90-Polymer, einem Material, das auch bei hochwertigen Sportbrillen zum Einsatz kommt. Das Sichtfeld beträgt 51 Grad – genug, um virtuelle Objekte im Raum schweben zu lassen.
Die technische Ausstattung kann sich sehen lassen: Zwei Snapdragon-Prozessoren sorgen für Rechenleistung, die Latenz zwischen Bewegung und Darstellung liegt bei beeindruckenden sieben Millisekunden. Das Display zeigt 16 Millionen Farben und erzeugt den Eindruck eines 115 Zoll großen virtuellen Bildschirms. Die Akkulaufzeit beträgt vier Stunden bei gemischter Nutzung, mit der mitgelieferten Ladehülle verlängert sich die Nutzungsdauer auf 20 Stunden.
Gesteuert wird die Brille per Handtracking und Sprachbefehlen. Auffällig: Auf Eye-Tracking wurde verzichtet – eine bewusste Entscheidung, die wohl auch dem Preis zugutekommt.
Entwickler im Fokus: Strategie mit Weitblick
Snap-CEO Evan Spiegel beschrieb das Gerät bei der Vorstellung auf der AWE-Konferenz am 16. Juni als Versuch, eine völlig neue Computerkategorie zu schaffen. Die Specs unterscheiden sich damit grundlegend von früheren Spectacles-Modellen, die vor allem als Kamera-Zubehör für Snapchat konzipiert waren.
Das Unternehmen setzt bewusst auf eine Entwickler-Strategie. Rund 450.000 Kreative arbeiten bereits im Lens-Studio-Ökosystem – sie sollen die ersten Anwendungen für die Brille entwickeln. Snap hofft, so eine breite Bibliothek an AR-Erlebnissen aufzubauen, bevor die Brille für den Massenmarkt interessant wird.
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Zwei Zukäufe untermauern die Ambitionen: WaveOptics brachte Know-how in der Wellenleiter-Technologie, Illumix ergänzte die Kompetenz im Bereich räumlicher AR.
Finanzielle Entwicklung: Rückenwind für die Hardware-Offensive
Die Vorbestellungs-Phase fällt in eine positive Phase für Snap. Am 1. Juli stieg die Aktie um mehr als 7,5 Prozent – Auslöser war ein Upgrade der Kreditwürdigkeit durch S&P Global Ratings. Die Rating-Agentur hob Snaps Bonität auf BB- mit positivem Ausblick an.
Die Zahlen untermauern den Optimismus: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro. Der freie Cashflow betrug etwa 260 Millionen Euro. Snap hat zudem die Kosten um mehr als 450 Millionen Euro gesenkt.
Die Analysten sind gespalten. Während B. Riley die Aktie mit einem Kursziel von rund neun Euro zum Kauf empfiehlt, bleibt Stifel bei „Halten“. Die Reaktion auf den hohen Preis war zunächst verhalten – die Aktie gab nach der Vorstellung am 16. Juni um 1,6 Prozent nach. Die jüngsten positiven Signale haben die Stimmung jedoch gedreht.
Datenschutz und Verfügbarkeit
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Ein integriertes LED-Licht signalisiert Umstehenden, wenn die Brille in Betrieb ist – eine Reaktion auf anhaltende Datenschutzbedenken bei Wearables mit Kameras. Die Specs werden in zwei Größen angeboten (47 und 52 Millimeter) und unterstützen Korrekturgläser.
Snap hat die Hardware-Aktivitäten in einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft gebündelt. Trotz eines Personalabbaus um rund ein Drittel investiert das Unternehmen weiter kräftig in die AR-Pipeline – durch Eigenentwicklung und strategische Zukäufe. Ob die Specs den Durchbruch schaffen, wird sich im Herbst zeigen, wenn die ersten Geräte ausgeliefert werden.

