Snapdragon & Dimensity: Hersteller reduzieren GPU-Kerne gegen Kosten

Chip-Hersteller reduzieren Grafikkerne, um Kosten zu senken. Deutsche Verbraucher könnten von günstigeren High-End-Smartphones profitieren.

MediaTek und Qualcomm reduzieren die Anzahl der GPU-Kerne in ihren kommenden Top-Chipsätzen. Ziel: Die explodierenden Produktionskosten für High-End-Smartphones einzudämmen. Davon könnten auch deutsche Verbraucher profitieren.

Die Zeiten, in denen Flaggschiff-Smartphones Jahr für Jahr teurer wurden, könnten bald vorbei sein. Die beiden großen Chip-Entwickler MediaTek und Qualcomm setzen erstmals auf eine Strategie der abgespeckten Grafikeinheiten, um die Herstellungskosten für Premium-Geräte zu senken. Branchenkreisen zufolge kommen sogenannte Binning-Verfahren zum Einsatz, bei denen Chips mit reduzierter GPU-Leistung gezielt für günstigere Modelle vorgesehen werden.

MediaTek setzt auf abgespeckte Dimensity-Varianten

Beim taiwanesischen Hersteller MediaTek zeigt sich der neue Ansatz bereits in ersten Benchmark-Listen. Ein modifizierter Dimensity 9500 mit nur noch elf statt zwölf GPU-Kernen tauchte kürzlich in Geekbench-Ergebnissen auf. Dieses Modell kommt offenbar im iQOO Neo 11 Extreme Edition zum Einsatz – einem Gerät, das sich preislich im oberen Mittelklasse-Segment positionieren dürfte.

Die Rechnung dahinter ist simpel: Während CPU und KI-Beschleuniger unverändert bleiben, senkt die reduzierte Grafikleistung die Fertigungskosten spürbar. Der Verzicht auf einen einzelnen GPU-Kern macht den Unterschied zwischen einem 1.200-Euro-Flaggschiff und einem Gerät für deutlich unter 1.000 Euro möglich.

Die Strategie zeigt sich auch in der Modellpolitik: Während das kommende Redmi Turbo 5 Max die volle Zwölf-Kern-GPU erhält, setzt der Poco X8 Pro Max auf die abgespeckte „Dimensity 9500s“-Variante. Erste Benchmark-Werte für die Elf-Kern-Version zeigen mit 3.445 Punkten im Single-Core- und 10.517 Punkten im Multi-Core-Test solide Leistungswerte.

Qualcomm zieht nach: Die neue V-Serie

Auch der US-Chipgigant Qualcomm verfolgt einen ähnlichen Kurs. Beim Snapdragon 8 Elite Gen 5 wurde eine eigene „V Series“ (Modell SM8850-1-AB) entwickelt, die ausdrücklich für kostengünstigere Flaggschiffe wie das Redmi K100 Pro gedacht ist. Die Unterschiede zur Standardversion sind deutlich: Die Zahl der GPU-Recheneinheiten sinkt von zwölf auf acht, der Grafikcache schrumpft von 16 auf 12 Megabyte.

Qualcomm differenziert seine SM8850-Plattform damit in gleich mehrere Leistungsklassen:

  • SM8850-AC: Die Standard-Flaggschiff-Version
  • SM8850-1-AD: Eine Hochleistungsvariante für das Samsung Galaxy S26 und das Red Magic 11S Pro
  • SM8850-5-AC: Eine Version mit einem CPU-Kern weniger, offenbar für das OPPO Find N6 vorgesehen

Explodierende Kosten: 30.000 Dollar pro Wafer

Der Hintergrund dieser Entwicklung ist die rasant steigende Kostenkurve bei der Chipherstellung. Der Umstieg auf den 2-Nanometer-Prozess (N2P) von TSMC treibt die Preise in neue Höhen: Ein einzelner Wafer kostet Schätzungen zufolge rund 30.000 Dollar. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren lag der Preis für High-End-Wafer bei einem Bruchteil dieser Summe.

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Die aktuellen Flaggschiff-Chips von Qualcomm kosten den Herstellern zwischen 190 und 250 Dollar pro Stück. Für die nächste Generation, den Snapdragon 8 Elite Gen 6 Pro, werden sogar Preise von über 300 Dollar erwartet – in Einzelfällen könnte die Marke von 330 Dollar überschritten werden. Eine Entwicklung, die Smartphone-Hersteller vor enorme Herausforderungen stellt.

Besonders deutlich wird der Kostenunterschied im Vergleich zu Googles Tensor G6, der Berichten zufolge nur etwa 65 Dollar kostet. Zwar bieten die Qualcomm-Chips deutlich bessere Grafikleistungen, darunter 8K-Video und 4K bei 120 Bildern pro Sekunde, doch der Preisunterschied zwingt die Hersteller zum Umdenken.

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Kommende Marktstarts: Erste Geräte mit neuer Strategie

Die ersten Smartphones mit den neuen Chip-Konfigurationen stehen bereits in den Startlöchern. Das iQOO Neo 11 Ultra soll am 10. August 2026 in China auf den Markt kommen – ausgestattet mit dem Dimensity 9500 und einem üppigen 9.000-mAh-Akku. Einen Tag später folgt das Redmi K100 Pro Max mit 9.070-mAh-Akku, 185-Hertz-OLED-Display und Snapdragon 8 Elite Gen 5.

Für die Zukunft zeichnet sich jedoch eine Zweiklassengesellschaft ab: Beim Snapdragon 8 Elite Gen 6 Pro deutet sich eine Rückkehr zur klaren Leistungsdifferenzierung an. Mit sechs GPU-Slices, einer Adreno-850-Grafikeinheit und Unterstützung für LPDDR6-Speicher soll dieser chip ausschließlich Ultra- und Gaming-Modellen vorbehalten bleiben – schließlich kostet er über 300 Dollar. Die Masse der Flaggschiffe dürfte künftig mit den günstigeren Varianten auskommen müssen.