Snapdragon Sound Elite Gen 2: Qualcomm integriert Wi-Fi 6E in Kopfhörer

Qualcomm kombiniert kompaktere Hardware mit geringerem Strombedarf und stärkerer KI-Leistung; erste Geräte werden frühestens 2027 erwartet.

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Im Rahmen des Snapdragon Summit auf Maui hat der US-Halbleiterhersteller Qualcomm die Snapdragon Sound Elite Gen 2 vorgestellt. Die neue Premium-Audioplattform markiert einen technologischen Wendepunkt für kabellose Kopfhörer, da erstmals ein Micro-Power Wi-Fi 6E-Modul (2,4/5/6 GHz) direkt in den Hauptchip integriert wurde. Damit entfällt die Notwendigkeit für einen separaten Wi-Fi-Chip, was die Komplexität und den Platzbedarf in Wearables deutlich reduziert.

Technischer Sprung bei Leistung und Effizienz

Der integrierte Ansatz führt laut Qualcomm zu einer signifikanten Verkleinerung der Hardware. Die Chipfläche beträgt nun 31,18 mm², was einer Reduktion von bis zu 30 Prozent gegenüber den bisherigen 44,22 mm² entspricht.

Gleichzeitig sank der Stromverbrauch im Vergleich zu Vorgängermodellen um bis zu 40 Prozent. Besonders im Wi-Fi-Idle-Modus zeigt sich die Effizienzsteigerung mit einem Wert von 0,6 mA gegenüber zuvor 1,0 mA. Diese Angaben basieren nach Unternehmensangaben auf Design-Simulationen.

Die Architektur mit dem Codenamen Kymera setzt auf ein leistungsstarkes Multi-Core-System. Dieses umfasst zwei Arm Cortex-M55-Prozessoren, zwei Hi-Fi-5-DSPs inklusive einer eNPU (Embedded Neural Processing Unit) sowie einen zusätzlichen Hi-Fi-3-DSP.

Die KI-Rechenleistung wurde im Vergleich zum Snapdragon S7 Gen 1 von 64 GOPS auf 128 GOPS verdoppelt. Zudem erreicht die Plattform 256 MACs (Multiply-Accumulate Operations) pro Zyklus bei einer Taktfrequenz von 250 MHz.

Verlustfreies Audio und Cloud-KI ohne Smartphone

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Ein zentrales Merkmal der neuen Generation ist die XPAN-Technologie. Diese ermöglicht die Übertragung von verlustfreiem Audio in einer Qualität von 24-Bit/96-kHz, wobei einzelne Spezifikationen sogar bis zu 24-Bit/192-kHz über Wi-Fi vorsehen.

Das System kann dabei nahtlos zwischen Bluetooth- und Wi-Fi-Verbindungen wechseln, wobei der PHY-Durchsatz Spitzenwerte von bis zu 86 Mbps erreicht. Zur weiteren Ausstattung gehören aptX Lossless, eine adaptive aktive Geräuschunterdrückung (ANC) der fünften Generation sowie die cVc-Echounterdrückung.

Mit dem neuen Dienst „Snapdragon Sound Apps & Agents“ verfolgt Qualcomm das Ziel, Audio-Wearables unabhängiger vom Smartphone zu machen. Earbuds sollen direkt mit KI-Assistenten und Streaming-Diensten in der Cloud kommunizieren können. Mögliche Anwendungsfelder sind Echtzeitübersetzungen, kontextbezogene Unterstützung und eine verbesserte Schallverstärkung für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen.

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Ziad Asghar, Senior Vice President für die Bereiche XR und Wearables bei Qualcomm, betonte im Rahmen der Präsentation, dass die Interaktion künftig verstärkt über natürliche Sprache statt über Bildschirme erfolgen werde. Eigene Marktuntersuchungen des Unternehmens deuten darauf hin, dass rund 70 Prozent der Nutzer fortgeschrittene KI-Funktionen in ihren Wearables wünschen.

Marktkontext und Ausblick

Der technologische Fortschritt wird deutlich im Vergleich zum Vorgängermodell S7 Pro aus dem Jahr 2023. Jenes System benötigte für die Wi-Fi-Funktionalität noch einen zweiten chip. Eines der wenigen kommerziellen Produkte auf dieser Basis waren die Xiaomi Buds 5 Pro im Jahr 2025, die jedoch keine globale Markteinführung erfuhren. Mit der neuen integrierten Lösung positioniert sich Qualcomm nun gegen Konkurrenzprodukte wie den H2-Chip von Apple.

Als Partner für künftige Produkte wurden bereits Bose, HP und Cleer genannt. Cleer demonstrierte auf dem Summit bereits Konzepte für smarte Audio-Wearables, die neben Audio- auch visuelle Funktionen und integrierte Kameras nutzen. Die Plattform ist für eine breite Palette an Formfaktoren ausgelegt, von klassischen In-Ear- und Over-Ear-Kopfhörern über Audio-Brillen bis hin zu medizinischen Hörgeräten.

Während Qualcomm Referenzdesigns bereitstellt, um Herstellern die Validierung und Markteinführung zu erleichtern, wurden noch keine konkreten Termine für Endkundenprodukte genannt. Branchenexperten gehen davon aus, dass erste kommerzielle Geräte frühestens im ersten Quartal 2027 im Handel erscheinen werden.

Ungeklärt bleiben derzeit noch regulatorische Fragen bezüglich des Datenschutzes und des EU-KI-Gesetzes bei einer direkten Cloud-Anbindung der Wearables; hierzu gab es seitens des Herstellers bislang keine öffentlichen Stellungnahmen.