Auf dem Snapdragon Summit auf Maui hat der Halbleiterhersteller Qualcomm mit dem Snapdragon Sound Elite Gen 2 den Nachfolger seiner bisherigen Audio-Plattform präsentiert. Die neue Generation des Chipsatzes zielt darauf ab, Wearables wie Kopfhörer und Audio-Brillen durch eine deutlich gesteigerte Rechenleistung für künstliche Intelligenz sowie eine integrierte Wi-Fi-Anbindung unabhängiger vom Smartphone zu machen.
Massive Steigerung der KI-Leistung und effizientere Bauweise
Die technische Basis der neuen Plattform bildet ein ARM M55 Prozessor mit einer Taktung von 300 MHz, ergänzt durch eine dedizierte eNPU der sechsten Generation sowie mehrere digitale Signalprozessoren (DSPs).
Im Vergleich zum Vorgängermodell, der Snapdragon S7 Gen 1 Sound Platform, hat Qualcomm die KI-Leistung von 64 GOPS auf 128 GOPS verdoppelt. Dies wird unter anderem durch eine Erhöhung der MAC-Operationen pro Zyklus von 128 auf 256 erreicht.
Trotz der Leistungssteigerung konnte die physische Chipfläche deutlich reduziert werden. Mit 31,185 mm² fällt die neue Hardware rund 30 Prozent kleiner aus als das Vorgängermodell, das noch eine Fläche von 44,2225 mm² beanspruchte. Für den Ruhezustand via Wi-Fi gibt Qualcomm basierend auf Simulationen einen um bis zu 40 Prozent reduzierten Stromverbrauch an, wobei finale Messungen am fertigen Silizium noch ausstehen.
Smartphone-unabhängige Funktionen durch Wi-Fi 6E
Ein wesentliches Merkmal des neuen Audio-Chips ist die Integration von Micro-Power Wi-Fi 6E, das die Frequenzbänder 2,4, 5 und 6 GHz unterstützt. Durch die direkte Integration im Audio-Chip entfällt die Notwendigkeit für eine separate Wi-Fi-Komponente im Endgerät.
Die Technologie XPAN ermöglicht dabei den nahtlosen Wechsel zwischen Bluetooth und Wi-Fi. Dies erlaubt nicht nur eine verlustfreie Audioübertragung von bis zu 24-Bit/192 kHz, sondern erweitert auch die Reichweite über die Grenzen herkömmlicher Bluetooth-Verbindungen hinaus.
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Durch die Funkverbindung können Wearables Cloud-KI-Dienste wie ChatGPT oder spezifische Apps direkt ausführen, ohne auf ein verbundenes Smartphone angewiesen zu sein.
Die Anwendungen werden im geräteeigenen Speicher vorgehalten und über Wi-Fi synchronisiert. Dies ermöglicht beispielsweise Sprachbefehle für Online-Käufe oder Kalenderabgleiche direkt über das Wearable. Die integrierte eNPU unterstützt zudem Funktionen wie Echtzeit-Übersetzungen, Transkriptionen und eine kontextbasierte Hörverstärkung.
Energieverbrauch und Marktperspektiven
Trotz der theoretischen Effizienzgewinne im Ruhezustand dämpfte Qualcomm die Erwartungen an die Gesamtlaufzeit bei intensiver Nutzung. Andrew Laister von Qualcomm wies darauf hin, dass ein spürbarer Akkuverbrauch durch die neuen Funktionen möglich sei.
Konkrete Angaben zur Akkulaufzeit unter Realbedingungen machte das Unternehmen bislang nicht. Zudem bleiben Fragen zur Konformität mit der DSGVO und dem EU-KI-Gesetz für die KI-gestützten Funktionen vorerst offen.
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Qualcomm fungiert bei dieser Plattform primär als Lieferant von Referenzdesigns. Zu den Konzeptpartnern gehören Unternehmen wie Bose, HP und Cleer. Letztere demonstrierten auf dem Summit ein Konzept-Wearable, das eine Kamera zur Kontexterfassung nutzt. Branchenexperten rechnen damit, dass erste Verbraucherprodukte auf Basis des Snapdragon Sound Elite Gen 2 frühestens im ersten Quartal 2027 auf den Markt kommen werden.
Parallel zur Plattform-Vorstellung kündigte Google eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit Qualcomm im Bereich intelligenter Brillen an. Erste Modelle, die auf dem Snapdragon AR1 basieren, sollen noch im Jahr 2026 erscheinen.
Marktumfeld für KI-Wearables
Während Qualcomm die technologische Basis liefert, drängen bereits erste spezialisierte Lösungen in den Handel. So bringt der Hersteller Shokz den Kopfhörer OpenFit 2 AI für einen Erstpreis von 1398 Yuan auf den Markt.
Dieses Gerät nutzt eine End-Cloud-Architektur, bei der lokale Prozessoren die Signalverarbeitung übernehmen, während das Qwen-Modell in der Cloud für das Semantikverständnis zuständig ist.
Shokz setzt dabei auf eine Strategie, bei der KI-Funktionen nur bei aktiver Aktivierung Strom verbrauchen, um eine Gesamtlaufzeit von bis zu 48 Stunden zu erreichen. Auch hier steht die Minimierung von Audiodaten und lokales Aufwecken im Fokus des Datenschutzes.

