Social Engineering: Vishing-Angriffe haben sich 2026 binnen sechs Monaten verdoppelt

Deepfakes und Vishing nehmen zu; Behörden empfehlen technische Schutzvorkehrungen und klare Prüfprozesse für sensible Vorgänge.

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Aktuelle Leitfäden von Sicherheitsbehörden und Branchenexperten skizzieren verschärfte Abwehrstrategien gegen Social-Engineering-Bedrohungen wie Tailgating, Spear-Phishing und manipulierte Audio- oder Videoinhalte.

Neben präventiven Maßnahmen rücken vor allem strukturierte Sofortmaßnahmen bei Sicherheitsverletzungen in den Fokus. Die Handlungsempfehlungen reagieren auf hochentwickelte Angriffsmuster, bei denen Kriminelle psychologische Hebel mit modernen Technologien verknüpfen.

Psychologische Hebel und methodisches Vorgehen der Angreifer

Social Engineering zielt darauf ab, Personen zur Preisgabe sensibler Informationen, zur Autorisierung von Transaktionen oder zur Umgehung interner Kontrollmechanismen zu bewegen. Täter setzen dabei gezielt auf emotionale und situative Faktoren wie Vertrauen, Dringlichkeit, Autorität und furcht. Durch künstlich erzeugten Zeitdruck oder das Vortäuschen einer leitenden Funktion versuchen Kriminelle, etablierte Standardprozesse auszuhebeln.

Angriffe laufen üblicherweise in vier aufeinanderfolgenden Phasen ab:
– Ausspähung: In der ersten Phase sammeln Angreifer Daten aus öffentlichen Profilen oder Verzeichnissen.
– Glaubwürdigkeitsaufbau: Über gefälschte E-Mails, lokale Vorwahlen oder erfundene Kontexte wird Vertrauen geschaffen.
– Druckausübung: Mit dringenden Anfragen werden Opfer dazu gedrängt, Sicherheitsvorgaben zu umgehen.
– Ausführung: In der letzten Phase erfolgen der eigentliche Datenabfluss, die Übermittlung von Zugangsdaten oder unberechtigte Überweisungen.

Finanzexperten betonen, dass Betrugsfälle über manipulierte Zahlungsanweisungen erhebliche Schäden verursachen. Einer Analyse von Coalition UK zufolge macht Betrug bei Überweisungen 27 Prozent der Cyberschäden aus, wobei die durchschnittliche Schadenshöhe bei rund 106.136 Pfund liegt.

In 52 Prozent dieser Vorfälle ging eine Kompromittierung geschäftlicher E-Mail-Konten voraus. UK Finance verzeichnete für das Jahr 2025 Schäden durch autorisierte Push-Payment-Betrugsfälle in Höhe von 576,4 Millionen Pfund bei insgesamt 248.070 Vorfällen. Zwei Drittel dieser Fälle nahmen ihren Anfang online, während 17 Prozent über Telekommunikationswege eingeleitet wurden.

Eskalation durch KI-gestützte Täuschung und Vishing

Kriminelle nutzen verstärkt generative künstliche Intelligenz für Deepfakes und Stimmklone. Einer Untersuchung von Experian zufolge registrierte mehr als ein Drittel der Unternehmen im Vereinigten Königreich Anfang 2025 wissentlich Betrugsversuche mit generativer KI.

Nach Zahlen von Regula stieg der Anteil von Unternehmen, die von Video-Deepfake-Betrug betroffen waren, von 29 Prozent im Jahr 2022 auf 49 Prozent im Jahr 2024; bei Audio-Deepfakes kletterte der Wert von 37 auf 49 Prozent. Laut Gartner verzeichneten 62 Prozent der befragten Organisationen im Zeitraum von September 2024 bis September 2025 Angriffe, die Deepfakes mit Social Engineering kombinierten.

Die Bedrohungslage verdeutlichen schwere Vorfälle: Anfang 2024 veranlasste eine gefälschte Videokonferenz mit einem Deepfake-Finanzchef bei Arup Zahlungen von 25,6 Millionen US-Dollar. Im September 2026 berichtete Reuters, dass Betrüger Führungskräfte von Fideuram mittels Stimmklonierung zu Überweisungen in Höhe von 95 Millionen Euro beziehungsweise 108 Millionen US-Dollar verleiteten.

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Auch Voice-Phishing gewinnt rasant an Bedeutung. Der CrowdStrike 2026 Threat Hunting Report dokumentiert, dass sich Vishing-Angriffe im ersten Halbjahr 2026 gegenüber den vorangegangenen sechs Monaten verdoppelt haben, nachdem im Vorjahresbericht für 2024 bereits ein Anstieg von 442 Prozent festgestellt worden war.

Über Ostern 2025 trafen Angriffe unter anderem M&S, Co-op und Harrods, wobei M&S die Schadenssumme auf 300 Millionen Pfund und Co-op auf rund 207 Millionen Pfund bezifferte.

Am 15. September 2026 warnten das britische NCSC, das FBI und der niederländische AIVD in einer gemeinsamen Erklärung vor Angriffen auf Aktivisten, Journalisten und Dissidenten über Messaging-Plattformen. Angreifer geben sich dort als Vertrauenspersonen aus, um Schadsoftware zu verbreiten oder Zugangsdaten zu erbeuten.

Technische Schutzmaßnahmen und Grenzen reiner Schulungen

Angesichts der Professionalisierung fordern Experten ein Umdenken bei den Schutzkonzepten. Mitarbeitertrainings dürfen nicht die primäre Kontrollinstanz sein.

Eine Studie von Rozema und Davis aus dem Jahr 2026 an 12.511 Mitarbeitern zeigte, dass Schulungen keinen signifikanten Effekt auf Klickraten oder Meldungen hatten; bei einfachen Simulationen klickten rund 7 Prozent, bei schwierigen etwa 15 Prozent der Probanden.

Strafen bei Fehlklicks seien kontraproduktiv, da sie das Verschweigen von Vorfällen begünstigen. Eine Untersuchung von Lain und Koautoren aus dem Jahr 2022 an über 14.000 Mitarbeitern belegte hingegen, dass Meldungen aus der Belegschaft als wirksames Frühwarnsystem dienen: In 36 bis 55 Prozent der Tests ging eine Meldung dem ersten Fehlklick voraus.

Sicherheitsbehörden raten Organisationen dazu, ihre Systeme so aufzubauen, dass ein menschliches Versehen nicht zur vollständigen Kompromittierung führt. Zu den Kernanforderungen zählen:
– Phishing-resistente Authentifizierung: Der Einsatz von Hardware-Sicherheitsschlüsseln oder FIDO-Standards verhindert das Abfangen von Einmalcodes.

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Mitte 2026 entdeckte Baukästen zeigten bereits, dass herkömmliche Anmeldeverfahren über Live-WebSocket-Verbindungen in Echtzeit ausgehebelt werden können.
– Prinzip der geringsten Rechte: Zugriffsbeschränkungen, Funktionstrennungen für Administratorkonten und zeitlich begrenzte Rechtevergaben minimieren das Schadenspotenzial.
– Unabhängige Verifikationskanäle: Bei Zahlungsanweisungen oder Kontoänderungen sind Vier-Augen-Freigaben und Rückrufe über verifizierte Telefonnummern zwingend erforderlich. Kontaktdaten aus verdächtigen Nachrichten dürfen nicht genutzt werden.

Für Sicherheitszentralen definieren Rahmenwerke wie NIST CSF 2.0, NIST SP 800-53 und CIS Controls klare Handlungsvorgaben. Bei Identitätsabweichungen zwischen Absender und Sendepfad muss eine Eskalation erfolgen, um missbräuchlich genutzte Workflows oder kompromittierte Konten frühzeitig zu stoppen.