SoftBank investiert 75 Milliarden Euro in europäische KI-Datenzentren

SoftBank baut mit 75 Milliarden Euro eine der größten KI-Datenzentren-Landschaften Europas in Nordfrankreich auf.

Mit einer Investition von bis zu 75 Milliarden Euro entsteht in Nordfrankreich eine der größten KI-Datenzentren-Landschaften der Welt. Das gab das Unternehmen beim „Choose France“-Gipfel am 30. Mai bekannt. Es handelt sich um die größte Einzelinvestition in europäische KI-Infrastruktur, die je angekündigt wurde.

Ausbau in mehreren Phasen

Die Investition erfolgt schrittweise. In einer ersten Phase fließen 45 Milliarden Euro in den Aufbau von 3,1 Gigawatt (GW) Rechenkapazität in der Region Hauts-de-France. Bis 2031 sollen die Standorte Dünkirchen, Bosquel und Bouchain erschlossen sein. Für die Umsetzung hat SoftBank mehrere Industriepartnerschaften geschlossen – unter anderem mit Schneider Electric, das im Hafen von Dünkirchen ein neues Werk zur Fertigung von Serverracks und Elektroausrüstung errichtet.

Anzeige: Wer die SoftBank-Investition als Weckruf für die eigene Energie- und Standortstrategie nutzt, findet in diesem Report konkrete Hebel – von Brennstoffzellen bis zu schwimmenden Datenzentren. Bevor lokale Widerstände und Netzengpässe Ihre Pläne stoppen. Jetzt kostenlosen Infrastruktur-Report anfordern

In Bosquel entsteht ein Gemeinschaftsprojekt von SoftBank und Sesterce: ein Campus mit 1 GW Kapazität, der Hunderte dauerhafte Arbeitsplätze schaffen soll. Zusätzlich ist eine Stiftung mit zehn Millionen Euro für die regionale KI-Entwicklung geplant.

SoftBank-Gründer Masayoshi Son begründete die Standortwahl mit Frankreichs Rolle als Nettoexporteur von Atomstrom. Dem vorausgegangen waren Gespräche auf höchster politischer Ebene im Frühjahr.

Energiehunger der KI wird zum Problem

Der Ausbau kommt nicht von ungefähr. Der Energiebedarf von KI-Anwendungen steigt rasant. So verbraucht allein ChatGPT mit seinen rund 900 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern pro Abfrage etwa 18,9 Watt. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr sind das global mehr als 22 Milliarden Kilowattstunden. Allein in Großbritannien benötigen KI-Abfragen schätzungsweise über 550 Gigawattstunden pro Jahr.

Die Stromnetze geraten zunehmend an ihre Grenzen. In den USA bereitet die Federal Energy Regulatory Commission (FERC) für Juni 2026 einen Vorschlag vor, um den Anschluss von Datenzentren an die regionalen Netze zu beschleunigen. Hintergrund sind extreme Preisschwankungen bei Kapazitätsauktionen, bei denen die Preise die regulatorischen Höchstgrenzen von umgerechnet rund 300 Euro pro Megawatt-Tag erreichten.

Verschärft wird die Lage durch die geplante Stilllegung von Kohlekraftwerken. Allein im Netzgebiet des Betreibers MISO stehen rund 25 GW Kapazität zur Abschaltung an – während Versorger wie DTE Energy Milliardenumsätze durch neue Datenzentren-Projekte melden.

Widerstand in der Bevölkerung wächst

Die rasche Expansion der Branche stößt vielerorts auf Ablehnung. Laut landesweiten Umfragen in den USA lehnen 71 Prozent der Bürger den Bau von KI-Datenzentren in ihrer Nachbarschaft ab. Die Folgen sind handfest: Seit 2024 wurden Projekte im Wert von über 64 Milliarden US-Dollar blockiert oder auf Eis gelegt. Allein in den ersten fünf Monaten 2026 verzeichneten lokale Behörden 89 Ablehnungen von Datenzentren-Anträgen. Einige Bundesstaaten haben bereits Moratorien verhängt.

Alternative Wege aus der Krise

Anzeige: 71 % der Bürger lehnen Datenzentren in ihrer Nachbarschaft ab – Projekte im Wert von 64 Milliarden US-Dollar wurden bereits blockiert. Dieser Report zeigt, wie Sie mit Bürgerbeteiligung und dezentraler Energieversorgung solche Blockaden vermeiden. Standort- und Energie-Report jetzt sichern

Um Netzengpässe und lokale Widerstände zu umgehen, setzen Entwickler zunehmend auf kreative Lösungen:

  • Eigenerzeugung vor Ort: Das „Project Jupiter“-Datenzentrum in New Mexico stellte nach Protesten von Gasturbinen auf Brennstoffzellen um – mit deutlich geringerem Wasserverbrauch und weniger Emissionen.
  • Kernkraft im Kleinformat: Das Startup Oklo arbeitet mit Vertiv an kombinierten Small Modular Reactor (SMR)- und Kühlsystemen. Die ersten Einheiten sollen Ende 2027 ans Netz gehen.
  • Datenzentren auf dem Wasser: Samsung Heavy Industries präsentierte im April auf einer Branchenkonferenz ein schwimmendes Offshore-Datenzentrum mit 50 MW Leistung. Die barge-gestützten Anlagen nutzen Meerwasser zur Kühlung und sind deutlich schneller realisierbar als landgestützte Projekte.
  • Batteriespeicher als Puffer: Ford gründete kürzlich eine Energietochter mit einem Budget von zwei Milliarden Euro. Das Unternehmen will Lithium-Eisenphosphat-Batteriespeicher (LFP) mit einer Jahreskapazität von 20 GWh produzieren, um die Netzstabilität zu sichern.

Doch trotz aller technologischen Fortschritte bleibt ein Problem bestehen: Die Lieferzeiten für kritische Industrieausrüstung betragen weiterhin zwei bis drei Jahre, warnten Analysten auf dem Data Centre LIVE-Gipfel Anfang Mai in London.