Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am Mittwoch umfassende Sicherheitsempfehlungen für die Sommerreisezeit veröffentlicht. Die Behörde reagiert damit auf eine steigende Zahl digitaler Risiken – von gefälschten Buchungsbestätigungen über Phishing-Versuche bis hin zu Sicherheitslücken in der öffentlichen Infrastruktur.
Zwei-Faktor-Authentifizierung als oberstes Gebot
Im Kern der Empfehlungen steht der Schutz von Reise- und Finanzkonten. Das BSI rät dringend zur Nutzung der Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA). Reisende sollten zudem auf starke, einmalige Passwörter setzen, die über einen speziellen Passwort-Manager verwaltet werden.
Besonders tückisch: öffentliche USB-Ladestationen an Flughäfen und Bahnhöfen. Die Experten warnen vor Sicherheitslücken, die Datendiebstahl oder das Einschleusen von Schadsoftware ermöglichen. Die Lösung ist simpel – Reisende sollten ihre eigenen Ladekabel mitbringen. Auch öffentliche Computer in Hotels oder Internetcafés sind tabu für sensible Transaktionen. Wer unterwegs auf öffentliches WLAN angewiesen ist, sollte zwingend ein VPN nutzen.
Und noch ein Tipp für Daheimgebliebene: Das heimische WLAN während der Abwesenheit deaktivieren. Das verkleinert die Angriffsfläche für potenzielle Eindringlinge erheblich.
Rekord-Reiseintensität befeuert die Gefahr
Die Warnungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Reiselust der Deutschen neue Höhen erreicht. Laut Daten der Union Reiseversicherung (URV) liegt die Reiseintensität bei einem Rekordwert von 80,5 Prozent der Bevölkerung. Die Gesamtausgaben für Urlaubsreisen stiegen im vergangenen Reisejahr auf 87,9 Milliarden Euro – ein Plus von 5,4 Prozent.
Diese Entwicklung fällt mit einer besorgniserregenden Bedrohungslage zusammen. Ein aktueller Bericht von Malwarebytes vom 25. Juni 2026 identifiziert 24 Milliarden gestohlene Datensätze, die derzeit im Netz kursieren. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind gefährdet: Geschäftliche E-Mail-Kompromittierung und Lieferkettenrisiken nehmen zu – und das oft dann, wenn in der Ferienzeit die personellen Kapazitäten schrumpfen.
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Digitale Grenzkontrollen: Fortschritt mit Nebenwirkungen
Die Digitalisierung macht auch vor den Grenzen nicht halt. Das EU-Einreise-/Ausreisesystem (EES) ist seit April 2026 in Betrieb und verlangt von Reisenden Fingerabdrücke und biometrische Gesichtsdaten. Die Praxis sieht allerdings anders aus: Immer wieder kommt es zu massiven Verzögerungen, berichten Reisende von bis zu sechs Stunden Wartezeit an europäischen Flughäfen.
Mehrere Länder haben zudem Anfang des Jahres digitale Einreisegenehmigungen eingeführt oder aktualisiert:
- Südkorea: Digitale Ankunftskarten seit dem 1. Januar 2026
- Vereinigtes Königreich: Elektronische Reisegenehmigung (ETA) seit dem 25. Februar 2026
- Grenada: Digitale Ankunftskarten seit dem 2. März 2026
- Trinidad und Tobago: Digitale Systeme seit dem 17. März 2026
- Indien: Digitale Ankunftskarten seit dem 1. April 2026
KI-gesteuerte Angriffe: Die neue Dimension der Bedrohung
Das Canadian Centre for Cyber Security schlug am 24. Juni 2026 Alarm: Die Entwicklung sogenannter „Frontier-KI“ verändert die Cyberkriegsführung grundlegend. KI-gestützte Werkzeuge verkürzen die Reaktionszeit für Angreifer drastisch – von Wochen auf Stunden.
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Das bedeutet: Sozialtechnische Angriffe werden immer ausgefeilter, und die Kombination mehrerer Sicherheitslücken in einer Angriffskette („Vulnerability Chaining“) wird durch KI massiv erleichtert. Die Sicherheitsbehörden empfehlen daher nicht nur schnelles Patchen und die Reduzierung digitaler Angriffsflächen, sondern auch robuste Tests der Notfallpläne und eine klare KI-Governance.
Die Botschaft ist eindeutig: Wer diesen Sommer verreist, sollte nicht nur an Sonnencreme und Reisedokumente denken – sondern auch an die digitale Sicherheit.

