Sonos beendet iOS-17-Support: App-Update als Wendepunkt

Sonos stellt Support für iOS 17 ein und treibt die Stabilisierung nach der verpatzten App-Neugestaltung von 2024 voran.

Mit Version 85.00.31 der Sonos-App, veröffentlicht am 12. Mai 2026, endet der Support für iOS 17 und iPadOS 17. Der Schritt ist Teil eines mehrjährigen Stabilisierungsprozesses, nachdem eine verpatzte Software-Neugestaltung im Frühjahr 2024 das Unternehmen in eine tiefe Krise gestürzt hatte.

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Der radikale Schnitt bei den Betriebssystemen

Die Entscheidung, iOS 17 nicht länger zu unterstützen, ist strategisch kalkuliert. Nutzer älterer Betriebssysteme können die App zwar weiterhin nutzen – allerdings nur noch im „unsupported mode“. Das bedeutet: Beschränkung auf grundlegende Wiedergabefunktionen, ohne Zugriff auf Systemkonfiguration oder erweiterte Einstellungen. Wer die volle Funktionalität behalten möchte, muss auf iOS 18 oder höher umsteigen.

Bereits im April 2026 hatte Sonos mit Version 84.01.6 ähnliche Anforderungen für die System-Firmware eingeführt. Branchenbeobachter sehen darin einen typischen Schritt von Premium-Hardware-Herstellern, die sich von Altlasten befreien wollen. Für Sonos ist der Zeitpunkt jedoch besonders heikel: Das Unternehmen arbeitet sich noch immer an den Folgen der verpatzten App-Neugestaltung vom Mai 2024 ab.

Die Lehren aus der Software-Katastrophe

Am 7. Mai 2024 veröffentlichte Sonos ein komplett neu gestaltetes App-Interface – pünktlich zum Launch der Sonos Ace Kopfhörer. Das Desaster war vorprogrammiert. Kernfunktionen wie Wecker, Sleep-Timer und lokale Musikbibliothek-Verwaltung fehlten oder funktionierten nicht. Die Nutzer reagierten empört.

Die finanziellen Folgen waren massiv: Der Börsenwert des Unternehmens schrumpfte zwischen Mai und August 2024 um rund 500 Millionen Euro. Im vierten Geschäftsquartal 2024 brach der Umsatz um 16 Prozent ein. Zwei für die Weihnachtssaison geplante Produktlaunches mussten verschoben werden. Im August 2024 folgten Entlassungen von rund 100 Mitarbeitern.

Der damalige CEO Patrick Spence entschuldigte sich im Juli 2024 öffentlich und versprach Besserung. Doch der Schaden war angerichtet. Interne Berichte sprachen von einem „hochriskanten Neuanfang“, der tiefsitzende technische Schulden im jahrzehntealten System offengelegt hatte.

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Führungswechsel und neue Strategie

Am 13. Januar 2025 zog Spence die Konsequenzen und trat nach acht Jahren als CEO zurück. Der Verwaltungsrat berief Tom Conrad, ehemaliger Führungskraft bei Pandora und Snap, als Interims-CEO. Unter seiner Leitung änderte sich die Philosophie grundlegend: Statt „schnell voranzukommen und Dinge zu zerstören“ setzt das Unternehmen nun auf einen messbaren, feedbackgesteuerten Entwicklungsprozess.

Conrads Ziel für 2026: „Präzision“ zurückgewinnen. Im Februar 2026 kündigte er an, dass künftige UI-Änderungen „opt-in“ sein würden – also freiwillig. Der Nutzer entscheidet, ob er neue Funktionen aktivieren möchte.

Was für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant ist

Die Roadmap für die kommenden Monate ist ambitioniert:

  • Vereinfachte Navigation: Der Home-Bildschirm soll entrümpelt werden, um schnelleren Zugriff auf Systemsteuerung und Raumverwaltung zu ermöglichen.
  • Live Activities Integration: Die heiß ersehnte Sperrbildschirm-Steuerung für iOS-Geräte über Apples Live-Activities-Framework soll endlich kommen. Seit der Entfernung 2024 war dies der am häufigsten nachgefragte Feature-Wunsch.
  • Infrastruktur-Zuverlässigkeit: Die Lautsprechererkennung im lokalen Netzwerk – bis Ende 2025 ein Dauerproblem – soll endlich stabil laufen.

Bereits im April 2026 zeigte ein Community-Update Verbesserungen bei Podcast-Steuerung und der „Update Network“-Funktion für ältere Lautsprecher ohne Bluetooth-Low-Energy-Unterstützung.

Eine Lehre für die gesamte Branche

Der Sonos-Fall ist ein Lehrstück für die Risiken von „Big Bang“-Software-Updates. Die Kopplung eines großen Hardware-Launches – der Sonos Ace Kopfhörer – mit einer kompletten Software-Neuschreibung schuf einen einzigen Fehlerpunkt, der das gesamte Produktportfolio lahmlegte.

Die Folgen sind bis heute spürbar. Die App-Store-Bewertungen der Sonos-App, die einst bei über 4 Sternen lagen, fielen auf bis zu 2,8 Sterne im Krisenherbst 2024. Trotz über 20 Updates im Jahr 2025 erholen sich die Bewertungen nur langsam.

Analysten betonen, dass die neue Architektur zwar modularer und zukunftsfähiger sei – der Reputationsschaden wiege jedoch schwer. Mit der Entscheidung, iOS 17 nicht mehr zu unterstützen, zwingt Sonos seine Nutzer zu einem moderneren Betriebssystem. Das ermöglicht dem Entwicklungsteam, effektiver mit Frameworks wie SwiftUI zu arbeiten und den „Gordischen Knoten“ aus Altlasten-Code zu durchtrennen, der für die Pannen von 2024 verantwortlich gemacht wird.

Ausblick: Auf dem Weg zurück zur alten Stärke?

Das Mai-Update brachte nicht nur den iOS-17-Abschied, sondern auch eine Überarbeitung der „Über Ihr System“-Seite und neue Sortieroptionen für Musikbibliotheken. Das Team hat die reine Krisenbewältigung offenbar hinter sich gelassen und arbeitet wieder an neuen Funktionen.

Doch für Nutzer älterer Hardware bleibt die Lage schwierig. Wer kein iOS 18 nutzen kann, besitzt im Grunde ein statisches Werkzeug mit begrenzter Lebensdauer. Sonos rät diesen Kunden, auf neuere Geräte umzusteigen, um weiterhin vom „Recovery-Roadmap“ zu profitieren.

Ob Interims-CEO Tom Conrads Führung als Erfolg gewertet wird, hängt von der termingerechten Auslieferung der versprochenen Features ab. Gelingt dies ohne neue Stabilitätsprobleme, könnte Sonos die Krise von 2024 endgültig hinter sich lassen und zu dem Ruf zurückfinden, der die Marke fast zwei Jahrzehnte prägte: „It just works.“