OpenAIs Vorstoß in den Konsumentenmarkt ist ins Stocken geraten. Die Downloads der KI-Video-App Sora brachen im Januar 2026 um 45 Prozent ein – ein dramatischer Rückschlag für den einstigen Hoffnungsträger.
Absturz nach dem Hype: Von Nummer 1 in die Bedeutungslosigkeit
Die Zahlen sind alarmierend. Nachdem Sora im Oktober 2025 noch die Spitze des US-App-Stores erklommen hatte, ist die Nutzung eingebrochen. Daten des Marktforschungsunternehmens Appfigures zeigen: Die globalen Installationen sanken im Januar auf nur noch 1,2 Millionen. Das ist ein Minus von 45 Prozent gegenüber dem Vormonat. Bereits im Dezember, typischerweise einer Hochphase für Apps, gab es einen Rückgang um 32 Prozent.
Die finanzielle Performance spiegelt den Trend wider. Die Ausgaben der Nutzer in der App gingen um 32 Prozent auf etwa 367.000 US-Dollar zurück. Seit dem Start Ende September 2025 spielte die App insgesamt rund 1,4 Millionen US-Dollar ein. Von der Spitze der Charts ist Sora weit entfernt: Sie rangiert aktuell nur noch auf Platz 101 im US-App-Store und Platz 181 bei Google Play.
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Analysten deuten dies als Zeichen für ein grundlegendes Problem. Die anfängliche Neugier auf die Text-zu-Video-Funktionen der Sora-2-KI ist verflogen, die Langzeitbindung der Nutzer bleibt aus.
Copyright-Konflikt erstickt die Kreativität
Ein Hauptgrund für die Abwanderung ist die restriktive Urheberrechtspolitik. In der Launch-Phase boomten Videos mit Figuren wie Pokémon oder Mario – was der App viralen Rückenwind bescherte. Doch der Druck der Rechteinhaber aus Hollywood zwang OpenAI zum Kurswechsel.
Das Unternehmen stellte seine Politik von einem lockeren „Opt-out“-Modell auf ein strenges „Opt-in“-System um. Plötzlich waren Videos mit bekannten Marken und Charakteren tabu, sofern nicht spezielle Lizenzvereinbarungen existierten. Selbst eine prominente Partnerschaft mit Disney für Marvel- und Star-Wars-Content konnte den Abwärtstrend nicht stoppen.
Die chaotische, von Memes getriebene Dynamik der ersten Wochen war damit vorbei. Die bereinigte, urheberrechtskonforme Version der App schaffte es nicht, das gleiche Engagement zu wecken.
Deepfake-Angst und der gescheiterte Netzwerkeffekt
Auch das soziale Konzept der App stieß auf Widerstand. Sora sollte Nutzer dazu bringen, sich und ihre Freunde in KI-generierte Szenen zu setzen. Doch genau diese Funktion löste erhebliche Datenschutzbedenken aus.
Viele Nutzer zögern, ihr Gesicht für KI-Videos freizugeben – selbst wenn Freunde sie darum bitten. Die Angst vor Missbrauch durch Deepfakes ist zu groß. Daher verweigerten viele die Nutzung des Kernelements, was die Plattform für andere leer und unattraktiv erscheinen ließ. Der erhoffte Netzwerkeffekt blieb aus.
Google und Meta drängen in die Lücke
Während OpenAI kämpft, nutzen die Konkurrenten die Gunst der Stunde. Googles Gemini-App verzeichnet steigende Nutzung, angetrieben durch das „Nano Banana“-Modell für Bilder und Videos. Der große Vorteil: Die Tools sind nahtlos in die bestehende Google-Ökosysteme integriert.
Auch Meta setzt auf Integration statt auf eine Einzel-App. Die „Vibes“-Video-Funktion in Instagram und Facebook ermöglicht es Nutzern, KI-Inhalte direkt in ihren gewohnten sozialen Netzwerken zu erstellen. Warum also eine extra App herunterladen?
Die Konkurrenz hat den Markt neu definiert. Was Ende 2025 noch wie ein klarer Siegeszug von Sora aussah, ist heute ein erbitterter Kampf um Nutzer, die von restriktiven Tools gelangweilt sind.
Warnsignal für die gesamte KI-Branche
Der Absturz um 45 Prozent ist ein warnendes Beispiel für den gesamten Konsumenten-KI-Sektor. Er zeigt, wie schwer der Schritt von einer technischen Demo zu einer nachhaltigen Plattform ist. Analysten warnen vor dem Eintritt in den „Mobile App Graveyard“ – den Friedhof der kurzlebigen Hype-Apps.
Die Herausforderung für OpenAI ist gewaltig. Das Unternehmen muss neues Interesse wecken, ohne dabei Urheberrechte zu verletzen oder datenschutzbewusste Nutzer zu vergraulen. Experten sind sich einig: Ohne überzeugende neue Funktionen, die über simple Videogenerierung hinausgehen – wie professionelle Editier-Tools oder exklusive Content-Partnerschaften – könnte der Abwärtstrend anhalten.
Die anfängliche Aufregung ist verflogen. Jetzt muss Sora beweisen, dass sie ein nützliches Kreativ-Tool und nicht nur ein kurzlebiges Spielzeug ist. Die Uhr tickt.
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