Das Raumfahrt- und Technologieunternehmen SpaceX führt Medienberichten der Financial Times und von Bloomberg zufolge Verhandlungen über die Aufnahme von Fremdkapital in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar. Das geplante Kapital soll dem Erwerb von Hochleistungschips des Halbleiterherstellers Nvidia dienen. Die Gespräche befinden sich derzeit in einem frühen Stadium und könnten dem Vernehmen nach noch scheitern.
Geplante Finanzierungsstruktur und Beteiligung großer Vermögensverwalter
Die angestrebte Struktur umfasst nach aktuellen Berichten rund 10 Milliarden US-Dollar an Bankkrediten sowie 30 Milliarden US-Dollar an Investment-Grade-Anleihen.
Das Geschäft wird von Apollo Global Management angeführt; zudem ist der Vermögensverwalter Pimco an den Verhandlungen beteiligt. Ein formaler Abschluss der Transaktion wird für das Jahr 2027 erwartet. Interessierten Investoren liegt bislang lediglich ein zweiseitiges Vermerkdokument vor.
Ermöglicht wird die Platzierung von Anleihen durch die Bonitätsnote von SpaceX: Das Unternehmen wird mit einem BBB-Rating bewertet, der zweitniedrigsten Stufe im Investment-Grade-Bereich. Dieser Status erlaubt es regulierten Instituten wie Pensionsfonds und Versicherern, die Papiere in ihre Portfolios aufzunehmen.
Bereits zuvor trat Apollo Global Management im Technologiesektor als Finanzierungspartner auf, unter anderem bei Transaktionen für Halbleiter von Broadcom sowie für xAI zur Beschaffung von Nvidia-Chips. Nvidia wiederum hatte im August Plattformen mit mehreren Finanzhäusern für KI-Infrastrukturprojekte initiiert und könnte bis zu 25 Prozent des Chipwerts absichern.
Technische Ausrichtung und Ausbau der Rechenkapazitäten
Hintergrund des Finanzierungsvorhabens ist der massive Ausbau der konzerneigenen Rechenzentren. Elon Musk hatte am 4. August angekündigt, bei der Rechenarchitektur exklusiv auf Nvidia und die sogenannte Vera-Rubin-Architektur zu setzen, die er während einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen im selben Monat als führendes System einstufte.
Im September erklärte Musk zudem, der Rechencluster Colossus 2 von xAI verfüge über 110.000 Nvidia GB200- und 440.000 GB300-Prozessoren. Vorgesehen sei ein schrittweiser Ausbau um weitere Kontingente von jeweils 220.000 Einheiten bis zum Jahresende.
Einen Teil der installierten Kapazitäten vermarktet das Unternehmen extern: Colossus-Ressourcen werden unter anderem an Anthropic für rund 1,25 Milliarden US-Dollar pro Monat bei rund 325.000 GPUs sowie an Google für 920 Millionen US-Dollar monatlich bei circa 110.000 GPUs vermietet. Für diese Vereinbarungen gilt eine Kündigungsfrist von 90 Tagen.
Belastungen der Bilanz und Reaktionen am Kapitalmarkt
Die Pläne spiegeln die enormen Ausgaben wider, die SpaceX für Recheninfrastruktur aufwendet. Im zweiten Quartal 2026 beliefen sich die Investitionsausgaben (Capex) auf 18,4 Milliarden US-Dollar, wovon 15,8 Milliarden US-Dollar auf KI-Infrastruktur entfielen – verglichen mit 0,75 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal.
In der ersten Jahreshälfte 2026 standen Gesamtausgaben von 28,5 Milliarden US-Dollar einem operativen Cashflow von 3,5 Milliarden US-Dollar gegenüber. Neben bestehenden Schulden von 38,4 Milliarden US-Dollar zum 30. Juni belasten unkündbare Kaufverpflichtungen über 28 Milliarden US-Dollar die Bilanz, wovon 22,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027 fällig werden.
An den Märkten sorgten die Berichte für Bewegung: Die Aktie von SpaceX schloss regulär mit einem Minus von 0,49 Prozent bei 171,92 US-Dollar und fiel nachbörslich zeitweise weiter auf rund 172 beziehungsweise 169,94 US-Dollar. Die Aktie von Nvidia verzeichnete nachbörslich ein leichtes Plus von etwa 0,5 Prozent.
Analysten von Morgan Stanley sehen für den Ausbau der gesamten KI-Infrastruktur bis 2028 einen externen Finanzierungsbedarf von 1,5 Billionen US-Dollar, beließen ihre Einstufung für SpaceX jedoch bei Outperform. Goldman Sachs hob das Kursziel für die Aktie von 220 auf 230 US-Dollar an.

