Der IT-Sicherheitsdienstleister KnowBe4 hat am 29. Oktober 2026 die achte Ausgabe seines Berichts zu Phishing-Trends vorgelegt. Die Untersuchung basiert auf der täglichen Auswertung von rund 1,15 Milliarden Ereignissignalen aus der Sicherheitsplattform des Unternehmens. Das Gesamtaufkommen an Phishing-Aktivitäten legte im Jahresvergleich um 29,8 Prozent zu.
Besonders stark fielen die Zuwächse bei gezielten Spear-Phishing-Attacken aus, die um 41,1 Prozent anstiegen. Zudem verzeichnete das Unternehmen einen Anstieg von 33,7 Prozent bei Ausspähversuchen im Vorfeld von Angriffen sowie ein Plus von 28 Prozent bei der Vortäuschung von Unternehmensidentitäten.
Statistisch gesehen enthielt durchschnittlich eine von 733 analysierten Nachrichten schädliche Inhalte. Dagegen gingen klassische Betrugsformen wie Vorschussbetrug um 31,3 Prozent, Betrugsmaschen über Mobilgeräte um 47,3 Prozent und Köder rund um verpasste Nachrichten um 11,3 Prozent zurück.
Automatisierung und Missbrauch legitimer Infrastruktur
Die Analysen belegen eine zunehmende Professionalisierung der Angriffsmethoden. Phishing über vorgefertigte Software-Bausätze legte um 54 Prozent zu und machte 29,2 Prozent aller eingehenden bösartigen E-Mails aus. Dabei entfielen 90,2 Prozent dieses Volumens auf lediglich drei Werkzeugpakete.
Zugleich verlagern Angreifer ihre Aktivitäten zunehmend auf reguläre Dienste: Im dritten Quartal 2026 registrierte KnowBe4 Angriffe von legitimer Infrastruktur doppelt so häufig wie noch im zweiten Quartal 2026.
Der Einsatz künstlicher Intelligenz beschleunigt diesen Trend erheblich. Aktuelle Nachrichtenereignisse lassen sich demnach 5,4-mal schneller als noch im Jahr 2022 in betrügerische Ködernachrichten umwandeln. Die Angreifer passen sich dabei strikt den Arbeitszeiten ihrer Opfer an: 90,4 Prozent der Phishing-E-Mails wurden an Werktagen von Montag bis Freitag registriert, wobei der Montag mit 20,6 Prozent das höchste Aufkommen verzeichnete.
Wer sich gegen die wachsende Professionalisierung digitaler Angriffe wappnen möchte, findet in diesem Leitfaden eine klare Strategie zur Hacker-Abwehr. Der kostenlose Report zeigt speziell für Organisationen auf, wie sich Phishing-Angriffe in vier Schritten stoppen lassen. Anti-Phishing-Paket für Unternehmen jetzt gratis herunterladen
Dominanz von Betrug im geschäftlichen E-Mail-Verkehr
Die Kompromittierung geschäftlicher E-Mails stellt mit einem Anteil von 51,2 Prozent die am weitesten verbreitete Angriffsform dar. Zu den am stärksten betroffenen Abteilungen gehören Personalwesen, Finanzen und die Unternehmensführung.
Für den deutschen Markt hob Dr. Martin J. Krämer, CISO-Berater für den DACH-Raum bei KnowBe4, hervor, dass Angriffe auf geschäftliche E-Mails mit 79 Prozent aller Vorfälle das Bedrohungsgeschehen dominieren. Die klassische Markenimitation sank hierzulande dagegen auf einen Anteil von 6 Prozent.
Flankierende Branchendaten stützen diese Entwicklung: Laut dem Datenpannenbericht von Verizon aus dem Jahr 2026 wurde gezieltes Vorspiegeln falscher Tatsachen erstmals als eigene Kategorie erfasst und bildete in 6 Prozent der Sicherheitsvorfälle ohne menschliches Fehlverhalten den ersten Zugangsvektor.
Als Beispiel für Identitätsdiebstahl nach einem Cyberangriff auf das Einzelhandelsunternehmen Marks & Spencer impersonierten Akteure einen von 50.000 Mitarbeitern, um von Dritten das Zurücksetzen von Passwörtern zu fordern.
Angesichts der Zunahme von Identitätsdiebstahl und Betrug im geschäftlichen Umfeld ist eine fundierte Aufklärung über aktuelle Gefahrenquellen unerlässlich. Dieses Gratis-E-Book liefert Unternehmern und IT-Verantwortlichen das nötige Wissen, um Sicherheitslücken proaktiv zu schließen und neue Bedrohungen abzuwenden. Kostenloses E-Book zur Cyber-Security hier sichern
Umgehung traditioneller Authentifizierungsverfahren
Sicherheitsanalysten beobachten, dass betrügerische E-Mails immer schwieriger zu erkennen sind. Täter nutzen vermehrt vertrauenswürdige Websites sowie bestehende Zugriffsrechte aus, anstatt Passwörter zu stehlen. Dazu zählen gefälschte Anmelde- und Downloadseiten über offizielle Domains von Plattformen für künstliche Intelligenz.
Zudem setzen Angreifer auf Methoden, die klassische Passwörter vollständig umgehen. Hierzu gehören Authentifizierungs-Phishing, Gerätecode-Anmeldungen bei Kollaborationswerkzeugen wie Microsoft Teams sowie der Missbrauch von OAuth-Zustimmungen, um bestehende Sitzungen und Berechtigungen von KI-Agenten zu übernehmen. Rund 90 Prozent dieser Aktivitäten spielen sich während regulärer Arbeitszeiten ab.

