Der Grund: Künstliche Intelligenz verschlingt Unmengen an Speicherchips. Branchenexperten sprechen bereits von einem „RAMageddon“ – und die Folgen sind auch für Verbraucher in Deutschland deutlich spürbar.
Preisexplosion bei DRAM-Chips
Die Zahlen sind atemberaubend. Im ersten Halbjahr 2026 sind die Preise für DRAM-Speicherbausteine regelrecht explodiert. Nach einer Steigerung von 172 Prozent im gesamten Jahr 2025 legten die Vertragspreise im ersten Quartal 2026 noch einmal um 90 bis 95 Prozent zu. Im zweiten Quartal folgte ein weiterer Anstieg von 58 bis 63 Prozent. Und die Analysten von Jefferies Equity Research erwarten keine Entspannung: Für das dritte Quartal prognosticieren sie einen Preissprung von 40 bis 50 Prozent, für das vierte Quartal weitere 30 bis 40 Prozent.
Die Ursache liegt im explosionsartig wachsenden Bedarf der KI-Industrie. Ein einzelner KI-Server benötigt zehn- bis zwanzigmal mehr Arbeitsspeicher als ein herkömmlicher Server. Die Rechenzentren der Welt werden bis Ende 2026 voraussichtlich rund 70 Prozent der gesamten Speicherproduktion absorbieren – 2022 waren es gerade einmal 20 bis 30 Prozent.
Apple und Microsoft geben Kosten an Kunden weiter
Die großen Tech-Konzerne können sich dem Preisdruck nicht entziehen. Apple hat am 25. Juni 2026 die Preise für seine Mac-, iPad- und Vision-Pro-Produktlinien erhöht. Konzernchef Tim Cook bezeichnete die aktuelle Preissituation als „extremes und seltenes Ereignis“ für die Branche. Die Anpassungen seien unvermeidbar gewesen.
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Auch Microsoft zieht nach: Ab dem 1. August 2026 werden die Xbox-Konsolen teurer. Grund seien die 2,5-fach gestiegenen Kosten für Speicher und Arbeitsspeicher. Apples Bruttomarge liegt zwar mit 38,7 Prozent im zweiten Quartal noch auf stabilem Niveau – doch die Speicherkosten sind heute viermal höher als noch vor neun Monaten.
Südkorea setzt auf Rekordinvestitionen
Die wohl drastischste Antwort auf die Krise kommt aus Südkorea. Samsung Electronics und SK Hynix haben sich mit der Regierung in Seoul zusammengetan, um die Produktionskapazitäten massiv auszubauen. Kernstück des Plans ist der Bau von vier neuen Fabriken mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet rund 516 Milliarden Euro. Ziel ist es, die südkoreanische DRAM-Produktion innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln.
Ein noch größeres Investitionscluster im Raum Yongin könnte langfristig ein Gesamtvolumen von rund zwei Billionen Euro erreichen. Doch Branchenkenner warnen: Neue Kapazitäten werden frühestens 2027 oder 2028 auf den Markt kommen. Der Bau und die Qualifizierung solcher Anlagen dauert Jahre.
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Um seine Finanzlage zu stärken, plant SK Hynix zudem einen Börsengang an der Nasdaq. Der milliardenschwere IPO im Wert von rund 29 Milliarden Euro soll am 10. Juli 2026 starten.
Apples heikler Drahtseilakt mit China
Die Krise zwingt Apple zu ungewöhnlichen Schritten. Der Konzern verhandelt offenbar mit den chinesischen Speicherherstellern CXMT und YMTC über die Lieferung von Chips für Geräte, die in China verkauft werden. Das Problem: Beide Firmen stehen auf der Sanktionsliste des US-Verteidigungsministeriums. Apple versucht nun, durch Lobbyarbeit bei der US-Regierung eine politisch heikle Lösung zu finden.
Gleichzeitig drosselt Apple die Produktion. Berichten zufolge wurden die Bestellungen für das iPhone 17 um 15 Prozent reduziert. Grund seien Marktsättigung und die erwartete Nachfrageverschiebung auf neuere Modelle im Laufe des Jahres.
Ausblick: Noch Jahre der Knappheit
Die Investitionen in neue Fertigungsanlagen steigen rasant. Laut dem Branchenverband SEMI werden die Ausgaben für Speicher-Fabriken 2026 auf 52 Milliarden Euro und 2027 auf 57 Milliarden Euro klettern. Doch selbst diese Milliarden könnten nicht ausreichen: Marktforscher gehen davon aus, dass das globale Speicherangebot bis 2027 nur 60 Prozent der Nachfrage decken wird.
Erst für 2028 wird eine Kapazitätssteigerung von 15 bis 20 Prozent erwartet. Doch Analysten warnen bereits vor der nächsten Gefahr: Sollte sich das Wachstum der KI-Investitionen abschwächen, droht gegen Ende des Jahrzehnts ein Überangebot – und damit der nächste Preissturz.

