Die Zeiten günstiger Arbeitsspeicher sind vorbei. DDR5-RAM kostet inzwischen ein Vielfaches des Vorjahresniveaus – und Experten erwarten keine schnelle Besserung.
Trotz einzelner Rabattaktionen am vergangenen Wochenende zeichnet sich ein düsteres Bild für Verbraucher ab: Der Markt für DDR5-Speicher befindet sich in einer strukturellen Krise. Branchenkenner sprechen längst von einer neuen Normalität, die sich über Jahre hinziehen könnte.
Gezielte Rabatte täuschen über Gesamtlage hinweg
Am heutigen Sonntag senkte PNY den Preis seines 32GB-DDR5-5600-Kits um umgerechnet rund 65 Euro. Damit ist es aktuell das günstigste 32GB-Dual-Channel-Angebot am Markt. Einen Tag zuvor lockte Walmart mit einem iBuyPower-Komplett-PC – inklusive Ryzen 7 9800X3D und 32GB DDR5-5200 – und einem Rabatt von knapp 700 Euro.
Doch solche Einzelaktionen sind die Ausnahme. Die Preisentwicklung spricht eine andere Sprache: 32GB-DDR5-Kits, die im Sommer 2025 noch zwischen 75 und 85 Euro kosteten, liegen heute zwischen 400 und 560 Euro. Spitzenmodelle wie das Corsair Vengeance 32GB 7000MT/s erreichten am Samstag stolze 555 Euro.
„RAMageddon“: Hersteller warnen vor jahrelanger Teuerung
Auf der ISC 2026 in Hamburg zeichneten Lenovo-Verantwortliche ein düsteres Zukunftsbild. In einem intern als „RAMageddon“ bezeichneten Bericht prognostiziert der Konzern, dass DRAM- und NAND-Preise für mindestens vier bis fünf Jahre auf hohem Niveau verharren werden. Die Kosten könnten niemals wieder auf das Niveau von Anfang 2025 fallen, so die Einschätzung.
Die Analysten von Gartner rechnen mit einem Preisanstieg von bis zu 130 Prozent bis Ende 2026 gegenüber dem Vorjahr. Die Folge: PCs insgesamt könnten sich um rund 17 Prozent verteuern. Die globalen Absatzzahlen dürften um 11,3 Prozent einbrechen – sowohl Privatkunden als auch Unternehmen reagieren verhalten.
KI-Boom verschlingt Speicherproduktion
Der Haupttreiber der Krise ist der unstillbare Hunger der Künstlichen Intelligenz. Bereits 70 Prozent aller produzierten Speicherchips werden in KI-Infrastruktur verbaut, so aktuelle Schätzungen. Die Nachfrage der großen Rechenzentren übersteigt das Angebot bei Weitem.
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Micron meldete für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von umgerechnet 38,6 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Allein mit DRAM setzte der Konzern 29,2 Milliarden Euro um. 16 strategische Kundenverträge mit großen Cloud-Anbietern sind nicht kündbar und sichern Micron Vorauszahlungen in Höhe von 20,5 Milliarden Euro bis 2030.
„Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird sich nicht schließen, selbst wenn neue Fabriken 2028 ans Netz gehen“, so die Einschätzung aus dem Micron-Management. Auch SK hynix meldet, dass die Produktionskapazitäten bis Ende 2026 komplett ausgebucht sind.
Konsolen werden teurer – PS6 wohl erst 2028
Die steigenden Speicherkosten treffen auch die Spieleindustrie mit voller Wucht. Sony, Microsoft und Nintendo haben bereits Preiserhöhungen durchgesetzt. Die Xbox Series X kostet inzwischen umgerechnet 745 Euro, die PlayStation 5 Pro sogar 840 Euro. Branchengerüchten zufolge könnte sich der Launch der PlayStation 6 bis 2028 oder später verzögern – die hohen Speicherkosten machen eine wirtschaftliche Produktion derzeit nahezu unmöglich.
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DDR4 erlebt unerwartetes Comeback
Als Reaktion auf die DDR5-Preisexplosion besinnen sich einige Hersteller auf ältere Technologien. Goodram brachte Anfang Juni neue Modelle seiner Rival-DDR4-Serie auf den Markt – mit bis zu 32GB bei 3200 MT/s. Das Ziel: eine bezahlbare Alternative für preisbewusste Käufer. Denn Laptops unter 500 Euro werden zunehmend zur Seltenheit. Analysten prophezeien, dass der Markt für günstige Einsteiger-Notebooks bis 2028 praktisch verschwinden könnte.
Die nächste Speichergeneration DDR6 CAMM2 wird sich ebenfalls verspäten. Statt 2028 wird sie nun wohl erst um 2030 für den Endkundenmarkt verfügbar sein. Die Hersteller konzentrieren sich derzeit lieber auf margenstarke Enterprise-Kunden im KI-Boom.

