Die Nachfrage nach KI-Speicherchips explodiert – und die Hersteller kommen nicht hinterher. Branchenführer warnen vor einer historischen DRAM-Knappheit, die bis 2030 andauern könnte. Den schlimmsten Engpass erwarten Experten im Jahr 2027.
Alarmierende Prognosen der Industrie
Die Zeichen stehen auf Sturm in der Speicherchip-Branche. ADATA-Vorstandschef Simon Chen rechnet mit einer mindestens zehnjährigen Knappheit. Neue Fabriken ließen sich nicht schnell genug bauen, um mit der KI-getriebenen Nachfrage Schritt zu halten, so Chen. Die Rede von einer KI-Blase sei verfrüht – frühestens 2030 könne man darüber sprechen.
Noch düsterer sieht es SK Hynix-CEO Kwak Noh-jung: Das Jahr 2027 könnte das schlimmste in der Geschichte der Speicherindustrie werden. Die interne Modellierung des südkoreanischen Chipriesen zeigt: Die Kundennachfrage wird das Angebot bis weit nach 2030 übersteigen. Auch Analysten der Deutschen Bank prognostizieren durchgehende Versorgungslücken bis Ende des Jahrzehnts. Den Höhepunkt des Defizits erwarten sie 2028 – umgerechnet fehlen dann monatlich 795.000 Wafer-Starts.
Preisexplosion bei Servern und PCs
Die Folgen sind bereits heute spürbar. Gartner verzeichnete Preissprünge von 50 bis 200 Prozent bei Speicherchips. Die PC-Preise zogen um 35 bis 45 Prozent an, Serverkosten schossen um über 125 Prozent in die Höhe.
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Ein Beispiel aus dem Server-Segment: Der Spotpreis für 64GB-RDIMM-Module kletterte zuletzt auf über 3.100 Euro – das sind rund 146 Prozent mehr als der Vertragspreis von 1.380 Euro Ende Juni. Für das dritte Quartal 2026 sagt ADATA weitere Preisanstiege voraus: 20 bis 30 Prozent bei DRAM, 35 bis 40 Prozent bei NAND-Flash. Andere Schätzungen fallen moderater aus und gehen von 13 bis 18 Prozent aus.
Der globale Speichermarkt wächst rasant. Nanya Tech-Senior-Vizepräsident Joseph Wu prognostiziert für 2026 einen Rekordumsatz von 800 Milliarden Euro – das wäre fast die Hälfte aller Halbleiter-Einnahmen. Harbor Capital hat die drei dominierenden Hersteller Micron, SK Hynix und Samsung bereits als neuen Investmentsektor „Memi“ ausgewiesen, mit einem geschätzten Wert von drei Billionen Euro.
High-Bandwidth-Speicher verdrängt Standardproduktion
Die technischen Anforderungen der KI-Chips verschärfen die Krise. High Bandwidth Memory (HBM) benötigt deutlich mehr Wafer-Kapazität als herkömmliches DRAM. Branchenberichten zufolge machte HBM 2025 bereits 18 Prozent der DRAM-Produktion aus – bis 2028 soll dieser Anteil auf 35 Prozent steigen.
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Bis Ende 2027 werden voraussichtlich 30 Prozent des gesamten DRAM-Wafer-Inputs für HBM verwendet, gegenüber 22 Prozent im Jahr 2026. Diese Priorisierung von HBM und Spezialformaten wie SOCAMM verknappt das Angebot an Standardkomponenten wie RDIMMs für traditionelle Unternehmensserver.
Autoindustrie und Verbraucher unter Druck
Die Speicherkrise hat längst den Automobilsektor erreicht. General Motors rechnet für 2026 mit Mehrkosten von 1,5 bis 2 Milliarden Euro durch steigende DRAM-Preise. Sowohl GM als auch Ford haben langfristige Lieferverträge mit Micron abgeschlossen.
Der Grund: Moderne Fahrzeuge benötigen immer mehr Speicher. Waren es 2023 durchschnittlich 90 Gigabyte RAM und NAND pro Auto, sollen es 2026 bereits 278 Gigabyte sein. Der chinesische Hersteller BYD hat die Preise für Fahrerassistenzsysteme bereits um 20 Prozent angehoben.
Während Unternehmens- und Automobilsektor ihren Speicherverbrauch ausweiten, drohen PC- und Smartphone-Märkte unter die Räder zu kommen. Analysten erwarten für 2026 einen Rückgang von bis zu neun Prozent – die steigenden Komponentenkosten treiben die Endverbraucherpreise nach oben.

