Speicherchips: Umsatz springt auf 74,6 Mrd. Euro Rekordstand

Speicherchip-Umsatz erreicht im Juni 2026 mit 74,6 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. KI-Nachfrage treibt Preise und sorgt für anhaltende Unterversorgung.

Grund ist ein anhaltendes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, das die Preise weiter in die Höhe treibt. Gegenüber dem Vormonat stieg der Umsatz um 31,7 Prozent. Allein auf DRAM-Chips entfielen 48 Milliarden Euro, auf NAND-Speicher 25,8 Milliarden Euro.

Branchenbeobachter rechnen mit einer strukturellen Unterversorgung, die mindestens bis zum zweiten Quartal 2028 anhalten dürfte. Zwar treibt vor allem die Nachfrage nach KI-Komponenten den Markt an – doch der Engpass hat inzwischen auch ältere Speichergenerationen erfasst. Die Folge: deutliche Preisschwankungen bei DDR4- und DDR3-Modulen.

Ältere Speicherchips werden teurer als moderne

Das dritte Quartal 2026 beschert älteren Speichergenerationen einen massiven Preisschub. Die Vertragspreise für DDR4-8Gb-Chips stiegen im Vergleich zum Vorquartal um mehr als 50 Prozent. Grund dafür sind gedrosselte Produktionskapazitäten und eine unerwartet hohe Nachfrage aus dem Unternehmensspeichersektor. Enterprise-SSDs benötigen derzeit rund 1 GB DRAM-Cache pro 1 TB Speicher – das belastet die ohnehin knappe Versorgung zusätzlich.

Die Verknappung führt zu einem kuriosen Phänomen: Ältere Speicher sind pro Gigabit mitunter teurer als aktuelle Hardware. Im Juli 2026 lag der Spotpreis für DDR3-4Gb-Chips bei durchschnittlich 12,75 Euro – umgerechnet rund 3,19 Euro pro Gigabit. Zum Vergleich: DDR5-16Gb-Module kosteten 47,07 Euro, also etwa 2,94 Euro pro Gigabit. In Einzelfällen übertrafen sogar 16Gb-DDR4-Spotpreise die Kosten vergleichbarer DDR5-Module.

KI-Infrastruktur verschärft den Engpass

Hauptursache für den Lieferengpass ist die Konzentration der Fertigung auf High Bandwidth Memory (HBM) und DDR5 für KI-Rechenzentren. Marktforscher schätzen, dass 70 Prozent aller produzierten Chips derzeit in KI-Rechenzentren landen. Die großen Cloud-Anbieter investieren 2026 voraussichtlich 700 Milliarden Euro in ihre Infrastruktur – mit steigender Tendenz. Bis 2028 könnten es eine Billion Euro sein.

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Die Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron haben ihre Produktionslinien weitgehend von DDR4 auf HBM umgestellt. Für HBM wird 2026 ein Nachfragewachstum von 90 Prozent im Jahresvergleich erwartet. Zwar hat Micron in einem Werk in Virginia die DDR4-Produktion wieder angefahren, und Unternehmen wie Nanya und Winbond fertigen weiterhin ältere Speicher – doch ihre Kapazitäten reichen bei weitem nicht aus, um den weltweiten Bedarf zu decken.

Server und Verbraucher spüren die Folgen

Auch der Servermarkt verzeichnet massive Kostensteigerungen. Die Vertragspreise für Server-DRAM stiegen im zweiten Quartal 2026 um 53 bis 58 Prozent. Für das dritte Quartal erwarten Analysten einen moderateren Anstieg von 13 bis 18 Prozent. Grund dafür sind langfristige Lieferverträge zwischen Herstellern und großen US-Cloud-Anbietern.

Die steigenden Speicherkosten erreichen inzwischen die Verbraucher. Ein 64-GB-DDR5-Modul kostet derzeit rund 1.500 Euro – dreimal so viel wie vor einem Jahr. Hersteller wie Apple haben die Preise für MacBooks und iPads in den vergangenen Monaten um rund 20 Prozent angehoben. Auch SLC-NAND (Single-Level-Cell) hat sich seit Januar 2026 im Preis verdoppelt.

Ausblick: Unterversorgung bis 2028

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Die Prognosen der Branche zeichnen ein klares Bild: Der Speichermarkt wird mindestens zwei Jahre unterversorgt bleiben. Einige Analysten erwarten einen Preisgipfel und eine Normalisierung ab der zweiten Jahreshälfte 2027. Andere rechnen mit Engpässen bis 2028.

Die UBS prognostiziert für DDR-Vertragspreise einen weiteren Anstieg: 32 Prozent im dritten Quartal, gefolgt von 18 Prozent im vierten Quartal 2026. Angesichts der volatilen Lieferkette raten Experten Hardware-Entwicklern, die Beschaffungsresilienz zum zentralen Faktor bei der Produktentwicklung zu machen.