Die globale Knappheit bei Speicherkomponenten entwickelt sich zunehmend zu einer Belastung für die Computerindustrie und erschwert die Preisgestaltung für Endverbraucher. Im Rahmen des Snapdragon Summit in Maui erklärte Kedar Kondap, Senior Vice President für Compute & Gaming bei Qualcomm, dass das Ende der aktuellen Versorgungsengpässe derzeit schwer vorhersehbar sei.
Die Preisentwicklung für Laptops hänge maßgeblich davon ab, zu welchem Zeitpunkt und zu welchen Konditionen die Erstausrüster (OEMs) ihre Speicherkontingente gesichert hätten.
Budget-Segment unter erheblichem Kostendruck
Besonders stark betroffen ist laut Kondap das Segment der preisgünstigen Laptops. In Märkten wie Indien, wo Speicherchips mittlerweile die teuerste Komponente der Geräte darstellen, haben Hersteller wie Apple und Dell ihre Preise bereits angehoben. Dies führt dazu, dass vermehrt Modelle erst ab einem Preis von 80.000 Rupien angeboten werden.
Um den steigenden Kosten entgegenzuwirken, erwäge die Industrie laut Kondap unter anderem einen technologischen Rückschritt von OLED- auf günstigere LCD-Displays.
Auch die Einführung neuer Budget-Laptops mit dem im Juni angekündigten Snapdragon-C-Prozessor steht unter Druck. Das ursprüngliche Preisziel von 300 US-Dollar für Geräte von Partnern wie HP, Acer, Asus und Lenovo sei aufgrund der Speicherkrise derzeit unsicher.
Dennoch stehe der Marktstart dieser Modelle in Indien unmittelbar bevor. Parallel dazu kündigte Qualcomm die Unterstützung von Linux und Ubuntu für Snapdragon-X2-Geräte zum Anfang des nächsten Jahres sowie neue „Googlebooks“ auf Basis von Android und dem Snapdragon X Elite an.
Massive Preissprünge bei Hardware und Komponenten
Die Auswirkungen der Krise spiegeln sich deutlich in den aktuellen Produktankündigungen wider. Microsoft aktualisierte das Surface Pro und den Surface Laptop mit dem neuen Snapdragon X2 Plus.
Die Preisentwicklung für Laptops hängt laut Qualcomm maßgeblich davon ab, wann und zu welchen Konditionen die Hersteller ihre Speicherkontingente gesichert haben — XMG rechnet Aufschläge von 100 bis 300 Euro weiter, Microsoft hebt die Einstiegspreise deutlich an. Wer jetzt Bestände und Verhandlungsspielräume kennt, kalkuliert ruhiger als der Markt. Kostenlosen Report zur Speicherknappheit anfordern
Während die Basiskonfigurationen nun über 16 GB statt bisher 8 GB Arbeitsspeicher verfügen, sind die Einstiegspreise deutlich gestiegen. Das Surface Pro wird für 1.149,99 US-Dollar angeboten, nach 799,99 US-Dollar im Vorjahr. Der Preis für den Surface Laptop stieg von 899,99 US-Dollar auf 1.199,99 US-Dollar.
Auch der deutsche Hersteller XMG kündigte umfassende Preisanpassungen an. Für die meisten Modelle werden Aufschläge zwischen 100 Euro und 150 Euro fällig, in Einzelfällen sogar bis zu 300 Euro.
Das Unternehmen begründete dies mit gestiegenen Einkaufskosten, die über RAM und SSDs hinaus mittlerweile auch Leiterplatten (PCBs), Prozessoren und Grafikkarten betreffen. Zudem belasteten höhere Frachtkosten aufgrund von Konflikten im Nahen Osten die Kalkulation.
Dramatische Marktdaten und knappe Bestände
Branchenanalysten zeichnen ein angespanntes Bild der Versorgungslage. Laut Daten von TrendForce erreichte der globale DRAM-Umsatz im zweiten Quartal 2026 fast 154,73 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 59,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht.
Die Vertragspreise für konventionellen DRAM stiegen im zweiten Quartal um bis zu 63 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 wird bei Enterprise-SSDs ein kumulierter Preisanstieg von 235 Prozent erwartet.
Die Lagerbestände bei führenden Herstellern wie Samsung und SK hynix sind laut Marktbeobachtern auf ein kritisches Niveau von teilweise weniger als einer Woche gesunken. Mike Pursley, Chief Trading Officer beim Distributor Smith, bezeichnete die Situation als die schwerste Speicherknappheit für die Elektronikindustrie seit 35 Jahren. Eine Normalisierung der Lieferketten wird erst für das Jahr 2028 prognostiziert.
Gartner erwartet, dass das Segment der Einstiegs-PCs unter 500 US-Dollar durch die Kosteninflation bis 2028 verschwinden könnte; UBS hat seine PC-Prognose für 2027 bereits von Wachstum auf Rückgang gedreht. Wer sein Sortiment und seine Ausschreibungen heute darauf ausrichtet, verliert weniger Marge an die Komponentenpreise. Leitfaden für Einkauf und Sortimentsplanung sichern
Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Absatzerwartungen. Während Marktforscher von IDC für das laufende Jahr einen Rückgang der weltweiten Smartphone-Auslieferungen um 16,7 Prozent erwarten, korrigierte die Bank UBS ihre Prognose für den PC-Markt im Jahr 2027 von Wachstum auf einen Rückgang.
Analysten von Gartner gehen davon aus, dass das Segment der Einstiegs-PCs unter 500 US-Dollar aufgrund der Kosteninflation bis zum Jahr 2028 vollständig verschwinden könnte.

