Das hat drastische Folgen: DRAM- und NAND-Preise explodieren, Lieferzeiten für Server-Komponenten liegen bei über 40 Wochen. Und eine Entspannung ist nicht in Sicht.
Preisexplosion ohne Beispiel
Die Zahlen sind atemberaubend. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Vertragspreise für DRAM-Speicher um bis zu 95 Prozent, im zweiten Quartal legten sie noch einmal um 63 Prozent zu. Ein einzelner DDR4-8Gb-Chip kostete im Mai bereits 20 Euro – ein Vielfaches des Vorjahresniveaus.
Die Analysten von Jefferies rechnen mit einem weiteren Anstieg von 40 bis 50 Prozent im dritten Quartal. Bis Jahresende, so die Prognose des Marktforschungsinstituts Gartner, werden DRAM-Speicher insgesamt 125 Prozent teurer sein als zu Jahresbeginn. Bei NAND-Flash fällt der Anstieg mit erwarteten 234 Prozent noch extremer aus.
Der taiwanesische Hersteller Powerchip meldete für das zweite Quartal eine Bruttomarge von 28 Prozent – ein Sprung um 18 Prozentpunkte. Das Unternehmen stellt klar: Die Produktion ist bis 2027 komplett ausverkauft.
IBM erlebt historischen Kurseinbruch
Während Speicherhersteller Rekordgewinne einfahren, leiden andere Tech-Konzerne massiv unter der Knappheit. Der Hardware-Produzent Inventec warnte am 16. Juli, die Engpässe bei Speicher und Prozessoren hätten einen kritischen Punkt erreicht. Die Lieferzeiten lägen nun bei über 40 Wochen – das gefährde Server-Auslieferungen bis weit ins dritte Quartal.
Besonders hart traf es IBM. Am 15. Juli stürzte die Aktie um 25,21 Prozent ab – der größte Tagesverlust seit 1968. Rund 67 Milliarden Euro Marktwert wurden vernichtet. Grund: Der Umsatz im zweiten Quartal lag mit 17,2 Milliarden Euro unter den Erwartungen. Großkunden hatten ihre Ausgaben von Software auf teure Server und Speicher umgeschichtet.
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SK Hynix kassiert Milliarden an der Börse
Der südkoreanische Speicherriese SK Hynix nutzt die Gunst der Stunde. Am 15. Juli platzierte das Unternehmen eine Nasdaq-Notierung und nahm 26,5 Milliarden Euro ein. Das Geld fließt in ein Investitionsprogramm von rund 713 Milliarden Euro. SK Hynix kontrolliert schätzungsweise 58 Prozent des weltweiten Umsatzes mit High Bandwidth Memory (HBM) – dem Speicher, der in KI-Systemen zum Einsatz kommt. Die gesamte Jahresproduktion 2026 ist bereits verkauft.
Verbraucher spüren die „Chipflation“
Die Folgen der Speicherkrise erreichen längst den Endkunden. LG Electronics stellte sein Laptop-Geschäft in Brasilien komplett ein – die Speicherkosten seien nicht mehr zu stemmen. Samsungs High-End-Notebook Galaxy Book6 Pro kostet inzwischen rund 2.270 Euro. Marktforscher erwarten, dass die weltweiten Laptop-Verkäufe 2026 um 13,6 Prozent einbrechen werden.
Auch die Autoindustrie bekommt die Knappheit zu spüren. Die DRAM-Spotpreise schnellten zwischen September 2025 und Januar 2026 um rund 450 Prozent nach oben. Ford und General Motors haben ihre Einkaufsbudgets für 2026 um hunderte Millionen Euro aufgestockt, um die benötigten Komponenten zu sichern. Volkswagen und Stellantis haben bislang keine Produktionsänderungen gemeldet.
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Keine Entspannung in Sicht
Führende Branchenvertreter gehen davon aus, dass die aktuellen Preisniveaus von Dauer sein könnten. Lenovo-Manager signalisierten, dass Speicherpreise wohl nie wieder auf das frühere historische Tief fallen werden. Micron-CEO Sanjay Mehrotra rechnet mit anhaltenden Engpässen über 2027 hinaus – neue Produktionskapazitäten kämen frühestens Ende 2027 oder 2028 online.
Einige Unternehmen reagieren mit aggressiven Finanzstrategien. CoreWeave, das kürzlich einen 21-Milliarden-Euro-Vertrag mit Meta bis 2032 abschloss, setzt auf langfristige Verträge und finanzielle Absicherungsgeschäfte, um die steigenden Speicherkosten in den Griff zu bekommen.
Die Analysten von Jefferies erwarten zwar für 2028 einen Preisrückgang von 15 bis 20 Prozent. Doch die unmittelbare Zukunft bleibt geprägt von dem, was TrendForce als „neue Normalität“ bezeichnet: anhaltende Engpässe bei HBM und DRAM.

