Die weltweite Speicherknappheit lässt die Preise für Computer und Unterhaltungselektronik deutlich steigen. Nach einem Rückgang der PC-Auslieferungen um vier Prozent im zweiten Quartal 2026 erwarten Branchenkenner für das Gesamtjahr einen zweistelligen Einbruch von bis zu 11,3 Prozent. Verbraucher müssen sich auf weiter steigende Preise einstellen – auch in Deutschland.
Preisexplosion bei Speicherbausteinen
Die Kosten für kritische Speicherkomponenten sind zuletzt rasant gestiegen. LPDDR5X-Chips verteuerten sich im zweiten Quartal 2026 um 89 Prozent. Auch die Vertragspreise für DRAM und NAND zogen im dritten Quartal weiter an: Im Juli stiegen die DRAM-Preise im Quartalsvergleich um 17 Prozent, Server-DRAM verteuerte sich monatlich um acht bis fünfzehn Prozent.
Die Hersteller profitieren kräftig von der angespannten Lage. Der taiwanische Speicherproduzent Winbond meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 70,3 Prozent. Der Konkurrent Adata verzeichnete Rekordergebnisse und kündigt weitere Preiserhöhungen an: DRAM soll um 20 bis 30 Prozent teurer werden, NAND sogar um 35 bis 40 Prozent.
Engpässe bis 2027 erwartet
Die Knappheit wird die Branche noch lange beschäftigen. Bereits Anfang August warnte der Steuerungschip-Hersteller Elan, dass CPU- und DRAM-Engpässe die PC-Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte 2026 belasten dürften. Auch die großen Zulieferer Samsung und SK Hynix zeigen sich pessimistisch – die Speicherkrise greift inzwischen auf Grafikkarten, SSDs und Laptops über.
Apple, Microsoft und Co. erhöhen die Preise
Die gestiegenen Produktionskosten geben die Hersteller inzwischen an die Kunden weiter. Apple verteuerte im Juni iPad, MacBook, Mac Studio und Vision Pro um umgerechnet 90 bis 1.200 Euro. Beim im März vorgestellten MacBook Neo, dessen Einstiegsmodell zunächst 599 Dollar kostete, notieren einige internationale Händler inzwischen bei umgerechnet rund 630 Euro.
Auch andere Anbieter ziehen nach: Microsoft erhöhte die Preise für seine Xbox-Konsolen je nach Speicherausführung um 90 bis 140 Euro, Samsung verteuerte seine neuesten Falt-Smartphones. Als Reaktion auf die hohen Speicherkosten hat Microsoft zudem Windows 11 für den Betrieb mit acht Gigabyte RAM optimiert und frühere höhere Empfehlungen für Gaming-Konfigurationen gestrichen.
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Um den Kauf neuer Geräte attraktiver zu machen, hat Apple am 6. August sein Inzahlungnahme-Programm aufgestockt. Die Anerkennungswerte stiegen für mehrere Produkte um bis zu 30 Prozent. Für ein MacBook Pro gibt es nun bis zu 790 Euro statt bisher 640, für ein Mac Studio sogar bis zu 1.200 Euro. Auch das iPhone 16 Pro Max wird mit bis zu 665 Euro vergütet.
KI-Boom verschärft die Krise
Ein entscheidender Faktor: Die Speicherhersteller bevorzugen zunehmend margenstarke KI-Rechenzentren gegenüber der Unterhaltungselektronik. SanDisk hat bereits 50 Prozent seiner Produktion für den Zeitraum Juli 2026 bis Juni 2027 an Langzeitvertragskunden vergeben – in den folgenden zwölf Monaten sollen es 66 Prozent sein. Das Unternehmen sichert sich damit Mindestabnahmemengen im Wert von umgerechnet rund 86 Milliarden Euro.
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Für hersteller von Verbrauchergeräten wird die Beschaffung dadurch zum Kraftakt. Berichten zufolge lehnte der chinesische Chip-Produzent CXMT Anfang August eine Anfrage von Apple nach günstigeren DRAM-Preisen für das kommende iPhone 18 ab. CXMT, das noch ältere DUV-Lithografie nutzt und dadurch mehr Wafer-Fläche benötigt, hält seine Preise auf dem Niveau der Marktführer Samsung und SK Hynix.
Milliardeninvestitionen gegen den Engpass
SK Hynix hat als Reaktion ein Investitionspaket von umgerechnet rund 35 Milliarden Euro für zwei neue Fertigungsstätten in Südkorea genehmigt. Doch die Werke werden frühestens Ende 2028 oder Mitte 2029 produzieren – der Bau beginnt erst 2027. Branchenexperten rechnen daher damit, dass die Speicherpreise für Verbraucher noch mehrere Jahre hoch bleiben. Die Hersteller sitzen dank vorauszahlungen und langfristiger Abnahmegarantien am längeren Hebel.

