NVMe-SSDs kosten so viel wie nie zuvor. Hersteller schließen milliardenschwere Lieferverträge ab – und warnen vor steigenden Preisen für PCs und Smartphones.
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Milliarden-Deals sichern die Versorgung
Wie ernst die Lage ist, zeigt ein aktueller Vertrag: Der Speicherhersteller Biwin sicherte sich für 1,86 Milliarden Euro die 3D-NAND-Versorgung für die nächsten zwei Jahre. Der Deal, der am 30. Juni 2026 startet, verschlingt mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes von Biwin. Allein der Anteil für 2027 soll fast 15 Prozent des gesamten NAND-Marktes ausmachen – ein gewaltiger Sprung gegenüber 2025.
Auch andere Anbieter kämpfen mit den Engpässen. Dells COO Jeff Clarke erklärte Ende Mai, die Kostensteigerungen seien so rasant, dass Preisanpassungen fast täglich an die Kunden weitergegeben würden. Der Konzern bevorzugt daher Großkunden. Hewlett Packard Enterprise setzt auf langfristige Verträge, wie CEO Antonio Neri am 1. Juni bestätigte. Trotz der Lieferprobleme steigerte Dell seinen Umsatz im ersten Quartal um 88 Prozent auf 43,8 Milliarden Euro – angetrieben durch KI-optimierte Server.
Inflationstreiber Speichermangel
Die explodierenden Speicherkosten hinterlassen Spuren in der Gesamtwirtschaft. Im Mai 2026 lag die US-Inflation bei über vier Prozent. Software und Computerzubehör verteuerten sich im Jahresvergleich um 14,5 Prozent. Die Erzeugerpreise für elektronische Bauteile stiegen um 27 Prozent. Bloomberg Economics beziffert den reinen Inflationsbeitrag des Speichermangels auf 0,4 Prozentpunkte.
Die Preise für RAM haben sich in den letzten sechs Monaten verdreifacht – von 100 auf 300 Euro für bestimmte Komponenten. Im Jahresschnitt liegt das Plus bei 237 Prozent. Ein Ende ist nicht in Sicht: Analysten von Bloomberg Economics erwarten den Preishöhepunkt erst im Februar 2027. Auch die US-Notenbank Fed sieht im KI-getriebenen Chip-Boom einen zunehmend stabilen Inflationstreiber.
Strukturwandel in der Halbleiterproduktion
Experten sprechen von einem strukturellen Wandel, nicht von einer typischen Marktkorrektur. Die Hersteller konzentrieren sich auf margenstarke Enterprise-SSDs und High Bandwidth Memory (HBM) für KI-Anwendungen – zulasten der Standard-NAND-Produktion.
Die Entwicklung im Überblick:
– Micron hat rund ein Drittel seiner Mobil- und PC-Speicherkapazität auf Rechenzentrumsprodukte umgewidmet.
– Kioxia meldet: Die Enterprise-NAND-Versorgung ist für den Rest des Jahres 2026 komplett ausverkauft.
– SK Hynix könnte 2026 zum zweitgrößten Halbleiterhersteller der Welt aufsteigen und sogar TSMC überholen.
– Die führenden Speicherproduzenten erzielen Bruttomargen von over 80 Prozent – ein Rekord für die Branche.
Der Engpass wird anhalten: Neue Fabriken brauchen zwei bis drei Jahre Bauzeit. Branchenbeobachter wie Memphis Electronic rechnen nicht vor 2028 mit einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Vor allem, weil ältere Werke zunehmend auf KI-spezifische Technologien umgerüstet werden.
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Smartphones und PCs werden teurer
Die steigenden Speicherkosten verändern die Kalkulation der Hardware-Hersteller grundlegend. Nothing-CEO Carl Pei warnte Mitte Juni, dass Speicher inzwischen die teuerste Komponente in Smartphones sei – mitunter über 50 Prozent der Gesamtkosten. Allein die Entwicklung des Nothing Phone 4a habe sich durch die Speicherpreise verteuert.
Im PC-Markt zeigt HP, wohin die Reise geht: KI-fähige Rechner machten im zweiten Quartal 2026 bereits 44 Prozent der Auslieferungen aus – nach 35 Prozent im Vorquartal. 32 Gigabyte RAM werden zum neuen Standard für Unternehmensgeräte. Die Herstellungskosten steigen entsprechend.
Marktforscher von IDC und Counterpoint Research erwarten, dass Smartphones 2026 im Schnitt 14 Prozent teurer werden. Besonders betroffen: günstige Modelle. Deren Materialkosten sind um rund 25 Prozent gestiegen. Die Folge: Die weltweiten Smartphone-Auslieferungen könnten um 13 Prozent einbrechen. Für PC-Bastler empfehlen Experten derzeit SATA-SSDs als günstigere, wenn auch langsamere Alternative zu den immer teureren NVMe-M.2-Laufwerken.

