Die Preise für Arbeitsspeicher und SSDs schießen durch die Decke – mit weitreichenden Folgen für Verbraucher und Hersteller.
Erstmals seit Jahren sinkt der Anteil der PC-Gamer mit 32 Gigabyte RAM. Das zeigt die aktuelle Steam-Hardware-Umfrage vom Juni 2026. Der Marktanteil von 32-GB-Konfigurationen fiel um 0,08 Prozent auf 36,79 Prozent. Gleichzeitig legten 16-GB-Systeme um 0,43 Prozent auf 41,57 Prozent zu. Der Grund: steigende Komponentenpreise, die viele Spieler von teuren Upgrades abhalten.
Dramatische Preisprognosen für 2026
Die Lage am Speichermarkt dürfte sich weiter zuspitzen. Marktforscher von TrendForce erwarten für das dritte Quartal 2026 einen Preisanstieg bei DRAM zwischen 13 und 18 Prozent. NAND-Flash-Speicher könnte im selben Zeitraum um bis zu 15 Prozent teurer werden.
Noch düsterer fallen die Prognosen der Analysten von Jefferies aus. Sie rechnen mit einem Preissprung von 40 bis 50 Prozent im dritten Quartal – gefolgt von weiteren 30 bis 40 Prozent im Schlussquartal. Haupttreiber sind Cloud-Anbieter und KI-Rechenzentren, die durch Vorauszahlungen angeblich 50 bis 70 Prozent der weltweiten Speicherproduktion sichern.
Die Folgen für Endkunden sind massiv. Laut Gartner könnten PC-Preise 2026 insgesamt um 17 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen. Die kombinierten Kosten für RAM und SSD drohen bis Jahresende um 130 Prozent zu steigen.
Hersteller reagieren mit Preiserhöhungen und Alttechnik
Die Teuerung ist bereits im Handel angekommen. Das Lenovo ThinkBook 14 G9 mit 32 GB RAM kostet rund 1.150 Euro – ein Aufschlag von 25 Prozent gegenüber dem Vorgänger. Auch Apple, Microsoft, Dell und Samsung haben ihre Preise angepasst. Beim Apple MacBook Neo beträgt der Aufschlag umgerechnet etwa 90 Euro.
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Einige Hersteller setzen auf ältere Technik, um die Preise im Griff zu behalten. Minisforum bringt den Elite Mini NAB9S mit DDR4-Speicher auf den Markt – eine bewusste Abkehr vom teureren DDR5-Standard. Das Basismodell startet bei umgerechnet rund 370 Euro. DDR5-Preise liegen inzwischen beim Vier- bis Fünffachen des Niveaus von Juli 2025.
Trotz der Krise gibt es weiter High-End-Neuheiten. Lenovo präsentierte in China den Yoga AI Mini PC mit 64 GB RAM für lokale KI-Berechnungen. Der Preis: umgerechnet knapp 2.500 Euro.
Neue Empfehlungen für Studium und Beruf
Die Preisexplosion zwingt auch Bildungseinrichtungen zu angepassten Hardware-Empfehlungen. Die Computer-Science-Fakultät der Longwood University rät Studierenden nun zu mindestens 16 GB RAM und einem Intel i5 oder i7 der 12. Generation. Chromebooks und Ultrabooks werden für technische Studiengänge explizit abgeraten.
Allgemeine Studienratgeber für 2026 nennen 8 GB RAM als absolute Untergrenze für Windows 11. Für eine zukunftssichere Ausstattung empfehlen Experten jedoch 16 GB RAM und eine 512-GB-SSD. Kreativschaffende mit Video- und Fotobearbeitung sollten trotz der Kosten auf 32 GB setzen – der Arbeitsspeicher bleibt der entscheidende Engpass bei aufwendigen Workflows.
Ausblick: Besserung erst ab 2027
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Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Analysten rechnen damit, dass sich das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage frühestens 2027 oder 2028 normalisiert. Einige Prognosen gehen sogar davon aus, dass die Speicherkrise in abgeschwächter Form bis zum Ende des Jahrzehnts anhalten könnte.
Bis dahin raten Hardware-Experten zu Alternativen: Generalüberholte Geräte aus der Zeit vor der Knappheit oder Rechner mit aufrüstbaren RAM-Steckplätzen könnten die Kosten langfristig senken.
