Spinnaker 2: Gehirnähnlicher KI-Chip verbraucht unter 0,25 Watt

Forschungsteam präsentiert gehirnähnlichen KI-Beschleuniger mit unter 0,25 Watt Leistung. Fertigung erfolgt bei Globalfoundries in Dresden.

Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden sowie der Universitäten Manchester und Leeds haben mit dem Spinnaker 2 ein neuartiges, gehirnähnliches Computersystem präsentiert. Der neuromorphe KI-Beschleuniger zeichnet sich durch eine extrem niedrige Leistungsaufnahme aus und markiert einen Fortschritt in der Entwicklung effizienter Hardware für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit zwischen den Forschungseinrichtungen und nutzt fortschrittliche Fertigungstechnologien am Standort Dresden.

Architektur nach biologischem Vorbild

Der Spinnaker 2 folgt dem Ansatz des neuromorphen Computings, bei dem die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns technisch nachempfunden wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Computerarchitekturen ist dieser Chip darauf ausgelegt, Informationen in einer Weise zu verarbeiten, die der Signalübertragung zwischen Neuronen ähnelt. Dieser Aufbau ermöglicht eine hocheffiziente Beschleunigung von KI-Algorithmen, insbesondere in Bereichen, in denen schnelle Reaktionszeiten und minimaler Energieverbrauch entscheidend sind.

Ein zentrales Merkmal der Neuentwicklung ist die Energieeffizienz. Nach Angaben der beteiligten Forschungsgruppen liegt die Leistungsaufnahme des Systems bei weniger als 0,25 Watt. Damit eignet sich der Chip besonders für mobile Endgeräte, Sensornetzwerke oder autonome Systeme, bei denen die verfügbare Energie begrenzt ist und eine lokale Datenverarbeitung ohne Cloud-Anbindung angestrebt wird.

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Produktion am Standort Dresden

Die Fertigung des Spinnaker 2 erfolgt beim Halbleiterhersteller Globalfoundries in Dresden. Dabei kommt die sogenannte 22FDX-Technologie zum Einsatz. Dieses spezielle Fertigungsverfahren auf Basis von FD-SOI-Wafern (Fully Depleted Silicon-on-Insulator) ist darauf optimiert, eine hohe Rechenleistung bei gleichzeitig sehr geringem Stromverbrauch zu gewährleisten. Die Wahl des Produktionsstandortes unterstreicht die Bedeutung des sächsischen Halbleiter-Clusters für die europäische Mikroelektronik-Forschung.

Durch die Nutzung der 22FDX-Plattform gelingt es, die theoretischen Konzepte der neuromorphen Informatik in eine industriell fertigbare Hardware-Lösung zu überführen. Dies gilt als wichtiger Schritt, um die Kluft zwischen akademischer Grundlagenforschung und marktfähigen Technologieprodukten im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu schließen.

Einbettung in die internationale Forschungslandschaft

Die Entwicklung des Spinnaker 2 ist kein isoliertes Projekt, sondern eng mit mehreren hochrangigen Forschungsinitiativen verknüpft. So ist der Beschleuniger Teil des europäischen Human Brain Project, das zum Ziel hat, die Funktionsweise des Gehirns durch Computersimulationen besser zu verstehen und diese Erkenntnisse für die Informationstechnik nutzbar zu machen.

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Darüber hinaus besteht eine enge Kooperation mit spezialisierten Forschungszentren in Dresden. Hierzu zählen das Exzellenzcluster Ceti (Centre for Tactile Internet with Human-in-the-Loop), das an Technologien für die Mensch-Maschine-Interaktion in Echtzeit arbeitet, sowie Scads.AI (Center for Scalable Data Analytics and Artificial Intelligence). Diese Einbindung stellt sicher, dass die neue Hardware direkt in aktuellen Forschungsszenarien, etwa bei der Analyse großer Datenmengen oder der Steuerung komplexer Robotik-Systeme, erprobt werden kann.

Mit der Vorstellung des Spinnaker 2 demonstrieren die beteiligten Universitäten und Industriepartner die Machbarkeit von spezialisierten KI-Prozessoren, die den Anforderungen an künftige intelligente Systeme in Bezug auf Effizienz und Skalierbarkeit gerecht werden. Das Projekt verdeutlicht zudem die erfolgreiche grenzüberschreitende akademische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Großbritannien im Bereich der Hochtechnologie.