Die Fähigkeit, aus einem kontinuierlichen Strom von Lauten einzelne Wörter herauszufiltern, galt lange Zeit als eine vorwiegend menschliche Kompetenz.
Eine Untersuchung der Eötvös Loránd University (ELTE) in Budapest, die am 29. September 2026 im Fachjournal Science erschien, liefert nun neue Einblicke in die kognitiven Grundlagen der Sprachverarbeitung: Erstmals wurde ein sogenannter Konsonanten-Bias bei einer anderen Spezies als dem Menschen nachgewiesen.
Hunde orientieren sich demnach bei der Erkennung von Wortgrenzen maßgeblich an Konsonantenmustern. Dieser Effekt konnte zuvor bei keiner anderen Tierart festgestellt werden – nicht einmal bei nicht-menschlichen Primaten.
Synchrone Hirnaktivität bei konsonantenbasierten Wörtern
Für die Studie untersuchte ein Forschungsteam um Boglárka Morvai und Dorottya Rácz mittels Elektroenzephalografie (EEG) die Hirnströme von 20 Menschen und 20 Hunden.
Den Probanden beider Gruppen wurden unsegmentierte, bedeutungslose Silbenströme vorgespielt, die auf wiederkehrenden Dreisilbenmustern basierten. Diese Muster waren entweder durch Konsonanten oder durch Vokale strukturiert; zusätzlich diente eine zufällig gemischte Aufnahme als Kontrollstrom.
Die Messungen zeigten, dass sich die Hirnströme der Hunde deutlich mit dem Wortrhythmus synchronisierten, sobald Konsonanten die Struktur der Wörter vorgaben. Eine messbare Veränderung der Hirnaktivität trat bei den Tieren rund 400 Millisekunden nach Beginn eines solchen Wortes auf. Beim Menschen zeigte sich ein prinzipiell gleiches Reaktionsmuster auf die konsonantenbasierten Sequenzen.
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Unabhängig von früher Haltung im Menschenhaushalt
Bemerkenswert ist das Ergebnis mit Blick auf die Herkunft der untersuchten Tiere. Von den 20 Hunden kamen vermutlich 11 Tiere vor der zwölften Lebenswoche in ein sprachreiches menschliches Umfeld, während 9 Tiere erst später vermittelt wurden. Ein Teil der Tiere hatte die ersten drei Lebensmonate auf der Straße oder im Tierheim verbracht und somit vergleichsweise wenig Kontakt zu menschlicher Sprache.
Dennoch wiesen auch diese ehemaligen Streuner und Tierheimhunde einen ähnlich ausgeprägten Konsonanten-Bias auf. Der ungarische Forscher Attila Andics formulierte dazu die These, dass die evolutionäre Domestikation des Hundes zu dieser menschenähnlichen Sprachverarbeitung geführt haben könnte, anstatt bloßer individueller Lernerfahrung in den ersten Lebenswochen. Für das Auftreten dieser Präferenz sei zudem keine voll ausgeprägte, menschenähnliche Sprachfähigkeit erforderlich.
Spezifische Unterschiede zwischen Mensch und Hund
Trotz der Parallelen deckte die Untersuchung deutliche neurobiologische Unterschiede bei der Verarbeitung akustischer Signale auf. Während Menschen auch vokaldefinierte Wortmuster – wenn auch schwächer als konsonantenbasierte – signifikant stärker als den Kontrollstrom verfolgten, war dies bei Hunden nicht der Fall: Bei vokaldefinierten Wörtern zeigten die Tiere keine signifikant stärkere Reaktion als bei der Kontrollaufnahme.
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Darüber hinaus synchronisierten sich beim Menschen die neuronalen Signale auch mit einzelnen Sprachlauten. Hundegehirne hingegen verarbeiteten Silben als kleinste akustische Analyseeinheit. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass fundamentale Mechanismen der akustischen Mustererkennung über Artgrenzen hinweg geteilt werden, die tiefere Segmentierung von Einzellauten jedoch spezifisch für das menschliche Gehirn bleibt.

