SpyLoan-Apps: Globale Jagd auf digitale Kredit-Schädlinge

Internationale Regulierer gehen mit Sperrungen und Warnungen gegen digitale Kreditgeber vor, die Nutzer mit persönlichen Daten erpressen. Google verschärft in Indien die Zulassungsregeln.

Eine internationale Welle von Sperrungen und Warnungen trifft räuberische Kredit-Apps. Von Nigeria bis zu den Philippinen gehen Behörden gegen digitale Kreditgeber vor, die mit persönlichen Daten erpressen.

Nigeria schaltet 45 Kredit-Apps ab

Die schärfste Maßnahme kommt aus Nigeria. Die Wettbewerbs- und Verbraucherschutzkommission FCCPC hat 45 digitale Kreditplattformen gesperrt. Sie hatten eine Frist zur Registrierung verstreichen lassen. Zu den betroffenen Apps gehören laut Behördenangaben vom 9. Januar Namen wie WeCredit und Cash Door App.

Die Begründung: Die Anbieter setzten auf verbotene Methoden. Dazu zählen demütigende Inkasso-Praktiken und der unerlaubte Zugriff auf Kontaktlisten und Fotos der Kreditnehmer. Die FCCPC unter Leitung von Tunji Bello hat über 500 weitere Unternehmen im Visier. Bei Verstößen drohen nun Geldstrafen von umgerechnet rund 185.000 Euro und die Löschung aus den App-Stores.

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Philippinen warnen vor 22 illegalen Plattformen

Fast zeitgleich schlug die Börsenaufsicht SEC auf den Philippinen Alarm. Sie warnte am 2. Januar vor 22 nicht registrierten Kredit-Apps im Google Play Store, darunter PesoMate und ULend. Diese Apps operierten ohne notwendige Lizenz und umgingen ein Moratorium für neue Anbieter.

Die Vorwürfe ähneln denen in Nigeria: Die Apps sammelten exzessive Nutzerdaten, um damit die Rückzahlung zu erzwingen – ein klarer Verstoß gegen den Data Privacy Act. Die SEC droht den Betreibern mit dauerhaften Untersagungen und strafrechtlicher Verfolgung. Verbrauchern rät die Behörde, die Registrierung jeder App auf der SEC-Website zu prüfen.

Google verschärft Regeln für Indien

Der technologische Druck wächst. Google reagiert auf den regulatorischen Druck und passt seine Richtlinien an. Ab dem 28. Januar müssen alle Kredit-Apps in Indien auf der offiziellen Liste der zugelassenen Anbieter der Regierung stehen.

Apps, die keine Genehmigung der indischen Zentralbank RBI vorweisen können, werden aus dem Play Store entfernt. Diese Änderung unterstützt die neuen Digital-Banking-Richtlinien der RBI. Sie verlangen seit dem 1. Januar strengere Zustimmungsprotokolle der Kunden und höhere Cybersicherheitsstandards.

Das Geschäft mit der „SpyLoan“-Malware

Hinter den Maßnahmen steckt ein gefährlicher Trend: die sogenannte „SpyLoan“-Malware. Dabei handelt es sich um bösartige Apps, die sich als seriöse Finanztools tarnen. Sicherheitsfirmen wie McAfee berichten, dass diese Apps zu ausgeklügelten Datendiebstahl-Werkzeugen mutiert sind.

Die Apps fordern übergriffige Berechtigungen – Zugriff auf Anruflisten, SMS und Standortdaten. Diese sind für eine Kreditvergabe unnötig. Einmal installiert, leitet die Malware die sensiblen Informationen an Server der Betreiber weiter. Die Daten werden dann für Erpressung genutzt. Die Opfer werden unter Druck gesetzt: Wenn sie nicht zahlen, sollen bloßstellende Nachrichten an Arbeitgeber oder Familie gehen.

Die Apps umgehen oft die Sicherheitsprüfungen der App-Stores, indem sie zunächst legal erscheinen. Ihre schädliche Funktionalität aktivieren sie später durch Updates vom Server aus. Millionen Nutzer in Südostasien, Afrika und Lateinamerika sind betroffen.

Das Ende der „Move fast“-Ära?

Die abgestimmten Aktionen markieren eine Zeitenwende. Regulierer verfolgen nun eine aggressivere, länderübergreifende Strategie. Sie warten nicht mehr auf Beschwerden, sondern überprüfen aktiv die Compliance in den App-Stores.

Für die Fintech-Branche ist die Botschaft klar: Die Einhaltung lokaler Datenschutz- und Verbraucherschutzgesetze ist jetzt Voraussetzung für den Marktzugang. Die Ära des „Bewege dich schnell und zerbrich Dinge“ im digitalen Kreditgeschäft geht zu Ende. Sie wird abgelöst durch ein Regime, in dem Transparenz und Datenschutz verbindlich mit der Betriebserlaubnis verknüpft sind.

Experten erwarten, dass die Wettbewerbs- und Digitalmarkt-Standards der Europäischen Union die globalen App-Store-Richtlinien 2026 weiter beeinflussen werden. Während Google und Apple diesen komplexen regulatorischen Landschaften navigieren, müssen sich seriöse Fintech-Entwickler auf strengere Prüfverfahren einstellen. Für Kreditnehmer in Schwellenländern gilt derzeit nur ein Rat: extreme Vorsicht walten lassen und nur bei ausdrücklich von nationalen Behörden genehmigten Anbietern Kredite aufnehmen.

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