SS7-Lücken: BR deckt massive Sicherheitsmängel bei Telekom und O2 auf

Eine BR-Recherche zeigt Datenabflüsse bei deutschen Mobilfunkanbietern. Technische Korrekturen sind angekündigt, die SS7-Ablösung folgt später.

Das über 50 Jahre alte Mobilfunk-Protokoll SS7 (Signaling System No. 7) stellt weiterhin ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Mobilfunknutzer weltweit dar. Experten warnen aktuell davor, dass die technologischen Schwachstellen des im Jahr 1975 eingeführten Standards massives Ausspionieren von Mobiltelefonen ermöglichen.

Da das Protokoll noch immer von über 1.200 Betreibern in 4.500 Netzwerken genutzt wird, bleibt die Angriffsfläche für das Abfangen von Anrufen, Kurznachrichten sowie die Standortverfolgung bestehen.

Recherche deckt Datenlecks bei deutschen Netzbetreibern auf

Eine aktuelle Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR) verdeutlicht die Brisanz der Thematik in Deutschland. Im Rahmen von über 70 Testanrufen wurde belegt, dass Sicherheitslücken in den Netzen großer Betreiber sensible Gerätedaten preisgeben.

Den Ergebnissen zufolge übermittelten die Deutsche Telekom sowie Telefónica (O2) die individuellen IMEI-Nummern von Endgeräten. Zudem gaben die Telekom und Vodafone Details zu Smartphone-Modellen sowie den verwendeten Versionen des Betriebssystems weiter.

Besonders kritisch wird bewertet, dass diese Datenübertragung bereits vor der Annahme eines Gesprächs erfolgt. Zu den Betroffenen der Untersuchung zählt unter anderem der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stufte die durch die Recherche aufgedeckten Schwachstellen als sicherheitsrelevant ein.

Anzeige

Angesichts solch tiefgreifender Sicherheitslücken in den Mobilfunknetzen ist ein zusätzlicher Schutz des eigenen Geräts unerlässlich. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber zeigt Ihnen 5 einfache Maßnahmen, mit denen Sie Ihr Android-Smartphone effektiv gegen Spionage und Hacker absichern. 5 Schutzmaßnahmen für Android-Smartphones jetzt kostenlos sichern

In Reaktion auf die Ergebnisse kündigten die betroffenen Netzbetreiber bereits technische Änderungen an, um den unberechtigten Datenabfluss zu unterbinden. Auch der Branchenverband GSMA wurde aktiv und informierte über 1.000 Mitglieder über die identifizierten Sicherheitslücken.

Historische Schwachstellen und hohe Angriffsfrequenz

Die Risiken des SS7-Protokolls sind in der Branche seit Langem bekannt. Bereits im Jahr 2013 wurde öffentlich, dass der US-Geheimdienst NSA Schwachstellen in diesem System genutzt haben soll, um die Kommunikation der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel abzuhören.

Im darauffolgenden Jahr wies der Sicherheitsforscher Karsten Nohl detailliert auf grundlegende Mängel im Protokoll hin. Praktische Folgen dieser Unsicherheiten zeigten sich unter anderem im Jahr 2017, als Unbefugte Schwachstellen ausnutzten, um Kundenkonten beim Anbieter O2 zu leeren.

Trotz dieser bekannten Vorfälle bleibt die Bedrohungslage hoch. Branchenbeobachter registrieren jährlich rund 2,5 Millionen Tracking-Versuche, die über die Schwachstellen des SS7-Protokolls durchgeführt werden. Die Technologie dient ursprünglich dem Zweck, die Kommunikation zwischen verschiedenen Mobilfunknetzen zu koordinieren, bietet jedoch aufgrund fehlender moderner Sicherheitsmechanismen kaum Schutz gegen gezielte Manipulationsversuche.

Anzeige

Wer sich mit dem Risiko von Datenmissbrauch befasst, sollte auch die Sicherheit des installierten Betriebssystems nicht vernachlässigen. Experten erklären in diesem kostenlosen Report, wie Sie durch die richtigen Updates Sicherheitslücken schließen und Datenverlust auf Ihrem Smartphone dauerhaft verhindern. Kostenlosen Android-Update-Report herunterladen

Langfristige Ablösung durch Abschaltung alter Standards

Eine endgültige Lösung der Problematik wird vor allem durch die schrittweise Deaktivierung veralteter Netzstandards angestrebt. Da SS7 eng mit älteren Mobilfunkgenerationen verknüpft ist, setzen die Betreiber auf den Rückzug aus der 2G-Technologie. Die Deutsche Telekom plant, ihr 2G-Netz bis zum Sommer 2028 abzuschalten.

Vodafone folgt diesem Schritt mit einer geplanten Abschaltung bis zum Ende des Jahres 2030. Bis zu diesem vollständigen Technologiewechsel bleibt der Schutz der Kommunikation jedoch auf die individuellen Nachbesserungen der Netzbetreiber angewiesen.