Immer mehr NAND-Flash-Produktion wandert in KI-Rechenzentren – mit drastischen Folgen für Verbraucher.
SSD-Markt am Wendepunkt
Die Zeiten günstiger Solid-State-Drives sind vorerst vorbei. Branchenkenner sprechen von einer beispiellosen Verknappung auf dem Retail-Markt. Nelson Duann, Senior Vice President von Silicon Motion, bezeichnete den Markt für Endverbraucher-SSDs am 17. Juni als „praktisch nicht mehr existent“. Der Grund: NAND-Hersteller beliefern zunehmend KI-Rechenzentren, die bis 2027 voraussichtlich 70 bis 80 Prozent der gesamten NAND-Produktion verschlingen werden.
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Die Folgen sind dramatisch. Große OEMs wie HP, Dell oder Lenovo müssen ihre Komponenten inzwischen bei Modulherstellern einkaufen, statt direkt bei den Chip-Produzenten. Seit Ende 2025 haben sich die Preise für beliebte Hochleistungsmodelle teilweise verdoppelt oder verdreifacht.
Ein Beispiel: Eine 4TB NVMe-SSD, die im Dezember 2025 noch rund 300 Euro kostete, lag im April 2026 bei knapp 930 Euro. Micron verzeichnete im NAND-Sektor einen Umsatzsprung von 169 Prozent im Jahresvergleich – die Nachfrage übersteigt das Angebot massiv.
Neue Hardware trotz Krise
Dennoch bringen Hersteller weiter frische Produkte auf den Markt. Am 17. Juni präsentierte AGI die AI858 SSD mit PCIe 5.0. Das Laufwerk erreicht sequenzielle Lesegeschwindigkeiten von 14.000 MB/s und Schreibgeschwindigkeiten von 13.000 MB/s. Das 2TB-Modell kostet rund 480 Euro – ein stolzer Preis, der die angespannte Marktlage widerspiegelt.
Einen Tag später legte SanDisk nach: Die GX PRO 850P für die PlayStation 5 ist offiziell lizenziert und bietet bis zu 8TB Kapazität. Das Spitzenmodell schlägt mit etwa 2.750 Euro zu Buche – ein klares Signal für die Knappheit hochdichter NAND-Chips.
Kioxia liefert im Juni die Exceria G3 mit 4TB aus. Das PCIe-5.0-Laufwerk setzt auf QLC-NAND der achten Generation und erreicht Lesegeschwindigkeiten von 10.000 MB/s.
Kaufberatung in turbulenten Zeiten
Angesichts der Preisexplosion raten Experten zu strategischem Vorgehen. Während gebrauchte CPUs oder RAM in der Regel unbedenklich sind, warnen Fachleute eindringlich vor Second-Hand-SSDs oder Festplatten – Verschleiß und Ausfallrisiko seien zu hoch.
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Ein Lichtblick: Einige ältere Hochkapazitätsmodelle sind temporär günstiger zu haben. Eine 4TB NVMe-SSD wurde kürzlich für unter 370 Euro gesichtet – von Marktbeobachtern als möglicher „Ausweg aus der Speicherkrise“ bezeichnet. Auch die Samsung 990 Pro mit 2TB erreichte am 18. Juni mit rund 140 Euro ein Sechs-Monats-Tief.
Linux 7.2 bringt neue Speicherfunktionen
Auf der Softwareseite zeichnet sich derweil der Linux-Kernel 7.2 ab. Er soll unter anderem Hardware-Verschlüsselung per dm-inlinecrypt für UFS sowie neue sysfs-Attribute für NVMe-Controller mitbringen. Das Merge-Fenster schließt Ende Juni – professionelle Anwender dürfen sich auf feinere Verwaltungswerkzeuge freuen.

