SSD-Preise explodieren: Speicherkosten für KI treiben Kluft zu Festplatten auf Rekordniveau

Die Preisdifferenz zwischen SSDs und Festplatten erreicht ein Rekordniveau von über dem 16-fachen. KI-Nachfrage zwingt Unternehmen zu kostensparenden Hybrid-Architekturen.

Die Preisschere zwischen schnellen SSDs und herkömmlichen Festplatten klafft so weit auseinander wie nie zuvor. Neue Branchendaten zeigen: Enterprise-SSDs kosten für die gleiche Kapazität inzwischen über 16-mal mehr als Festplatten. Diese historische Diskrepanz, angetrieben durch den unersättlichen KI-Hunger nach Speicherchips, zwingt Unternehmen weltweit zum radikalen Umdenken.

KI-Boom sprengt alle Budgets

Die Zahlen sind dramatisch. Der Aufschlag für Enterprise-SSD-Kapazität gegenüber Nearline-Festplatten schnellte vom zweiten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026 von 6,2-fach auf 16,4-fach empor. Verantwortlich ist der explodierende Preis für NAND-Flash, den Grundbaustein von SSDs. Während Festplatten moderat um 35 Prozent teurer wurden, legte der Preis für eine 30-TB-Enterprise-SSD im gleichen Zeitraum um 257 Prozent zu. Eine Einheit, die vor einem Jahr bei rund 2.800 Euro lag, kostet heute fast 10.000 Euro.

„Das ist eine direkte Folge der globalen Knappheit“, erklärt ein Marktanalyst. Halbleiterhersteller konzentrieren ihre Produktion auf Hochpreissegmente wie High-Bandwidth Memory (HBM) und KI-taugliche SSDs für Cloud-Riesen. Für den Massenmarkt bleibt kaum etwas übrig. Vertragspreise für NAND-Flash könnten allein im Frühjahr 2026 um bis zu 38 Prozent pro Quartal steigen.

Festplatten feiern Comeback als Kostensenker

Trotz eigener Preissteigerungen von durchschnittlich 46 Prozent profitiert die Festplattentechnologie von der SSD-Explosion. Ihr Kostenvorteil pro Terabyte ist historisch groß. Damit festigen HDDs ihre Rolle als erste Wahl für Massenspeicherung, Archivierung und Backups, wo Kapazität wichtiger ist als Höchstgeschwindigkeit.

„Die Wirtschaftlichkeit von All-Flash-Systemen ist für viele Anwendungen nicht mehr haltbar“, so ein IT-Berater. Die Zeiten, in denen eine reine Flash-Strategie das Ziel war, sind vorbei.

Hybrid-Architekturen werden zur Pflicht

Für Rechenzentren und Unternehmen sind die finanziellen Konsequenzen massiv. Eine Analyse des Anbieters VDURA verglich ein Hybrid-System aus SSDs und HDDs mit einer reinen Flash-Lösung. Das Ergebnis: Die Gesamtkosten über drei Jahre lagen beim Hybrid-Modell bei nur 5,4 Millionen Euro – gegenüber satten 22,7 Millionen Euro für die All-Flash-Architektur.

Die Konsequenz? IT-Verantwortliche setzen zwingend auf gestaffelte, hybride Speichermodelle. SSDs übernehmen darin weiterhin Performance-kritische Aufgaben wie Caching oder aktive Datenbanken. Die Festplatte hingegen stellt die kostengünstige Massenkapazität für weniger frequently accessed data („kalte“ Daten) bereit. Angebote, die vor wenigen Monaten erstellt wurden, sind heute oft schon Makulatur.

Struktureller Wandel mit Langzeitfolgen

Experten sehen hier keinen vorübergehenden Engpass, sondern einen strukturellen Wandel. Der jahrelange Trend schrumpfender Preisunterschiede ist gestoppt. Die immense Nachfrage der KI-Industrie hat die globalen Lieferketten dauerhaft umgepolt. Entlastung ist nicht in Sicht: Die NAND-Knappheit wird voraussichtlich bis 2027 andauern.

Die Zukunft gehört der Arbeitsteilung. SSDs bleiben unangefochten bei Betriebssystemen, Gaming und Anwendungen, die maximale Geschwindigkeit benötigen. Festplatten sind hingegen das wirtschaftliche Rückgrat für die stetig wachsenden Datenberge. Für Unternehmen ist die Botschaft klar: Der hybride Ansatz ist keine Option mehr, sondern eine finanzielle Notwendigkeit. Wer jetzt nicht umplant, bezahlt einen hohen Preis.