Die Zukunft der Krypto-Regulierung in den USA steht auf der Kippe. Bei einem Krisentreffen im Weißen Haus konnten sich Bankenvertreter und Krypto-Firmen zwar annähern, eine Einigung über Zinserträge auf Stablecoins blieb jedoch aus. Beide Seiten haben nun nur noch bis zum 1. März Zeit, einen Kompromiss zu finden.
Worum es bei dem Milliarden-Streit wirklich geht
Im Kern geht es um eine simple, aber folgenreiche Frage: Dürfen Krypto-Plattformen ihren Kunden Zinserträge – sogenannte „Yields“ – für das Halten von Stablecoins anbieten? Für die traditionellen Bankenverbände ist dies eine existenzielle Bedrohung. Sie fürchten einen massiven Abfluss von Kundeneinlagen hin zu den oft höher verzinsten Digitalwährungen, was kleinere Institute destabilisieren könnte.
Die Krypto-Branche, vertreten durch Konzerne wie Coinbase und Ripple, argumentiert hingegen mit Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Ein Verbot dieser Erträge würde ihrer Ansicht nach das Herzstück vieler Finanzprodukte im Krypto-Ökosystem ausschalten und die USA im internationalen Vergleich zurückwerfen. Ein bisheriges Gesetz von 2025 verbietet zwar Stablecoin-Emittenten direkte Zinszahlungen. Die Lücke, die es Drittplattformen erlaubt, Rewards anzubieten, soll nun geschlossen werden.
Ein konstruktiver Ton, aber kein Durchbruch
Das jüngste Treffen am Donnerstag verlief länger als geplant und in einer deutlich kooperativeren Atmosphäre als frühere Verhandlungen. Teilnehmer sprachen von einem „konstruktiven Arbeitsgespräch“. Unter Druck des Weißen Hauses diskutierten Top-Manager von Goldman Sachs, JPMorgan und Krypto-Firmen intensiv über Details.
Dennoch: Eine formale Vereinbarung gab es nicht. Ein diskutierter Kompromissvorschlag sieht vor, Belohnungen nur für bestimmte Transaktionen mit Stablecoins zu erlauben – nicht aber für das bloße Halten der Assets. Die Bankenvertreter beharren jedoch weiter auf einem weitgehenden Verbot. Die große Herausforderung bleibt, die Stabilitätsbedenken der Finanzbranche mit dem Innovationsdrang der Tech-Industrie in Einklang zu bringen.
Blockade im Senat und der Weg nach vorn
Diese Verhandlungen sind kein isoliertes Geplänkel. Sie blockieren ein zentrales Gesetzesvorhaben: den Digital Asset Market Clarity Act. Dieses Gesetz soll endlich klare Zuständigkeiten zwischen den US-Börsenaufsichten SEC und CFTC schaffen und wird im Senat zurückgehalten, solange der Stablecoin-Streit nicht beigelegt ist.
Die Branche sieht in dem Gesetz einen entscheidenden Schritt zur Reifung und Legitimierung des Krypto-Marktes in den USA. Coinbase hatte seine Unterstützung für den Entwurf sogar zurückgezogen, als Einschränkungen für Stablecoin-Erträge diskutiert wurden – ein Zeichen für die immense Bedeutung dieser Klausel.
Countdown bis zum 1. März
Die Uhr tickt. Bis zur Deadline Anfang März müssen beide Lager eine praktikable Lösung finden. Gelingt dies, könnte der Weg für das Marktstruktur-Gesetz frei werden und den USA dringend benötigte regulatorische Klarheit verschaffen.
Scheitern die Gespräche, droht weiterer Stillstand. Die US-Krypto-Branche bliebe im regulatorischen Niemandsland – ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber Ländern mit fortschrittlicheren Rechtsrahmen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob Tradition und Innovation einen gemeinsamen Nenner für die Zukunft des digitalen Finanzwesens finden.





