Stablecoins: Globale Regulierungs-Offensive erreicht Höhepunkt

Die USA erwägen ein Verbot von Zinszahlungen auf Stablecoins, während in Europa und Großbritannien entscheidende Fristen für Krypto-Unternehmen laufen. Die Branche wird in ein bankähnliches Regulierungskorsett gezwungen.

Die USA wollen Zinszahlungen auf Stablecoins verbieten – während in Europa und Großbritannien entscheidende Fristen für Krypto-Unternehmen laufen. Die weltweite Regulierungswelle zwingt die digitale Asset-Branche in ein bankähnliches Korsett.

Die Debatte in den USA dreht sich um einen Vorschlag des Weißen Hauses, der jegliche vergütungsähnlichen Zahlungen für das Halten von Zahlungs-Stablecoins untersagen würde. Ein internes Papier mit dem Titel „Grundsätze zum Verbot von Rendite und Zinsen“ kursiert. Dahinter steckt der Druck der traditionellen Banken, die um Einlagen und Wettbewerbsnachteile fürchten. Die Gespräche sind eine direkte Folge des GENIUS Act von 2025, des ersten US-Bundesrahmens für Stablecoin-Hersteller. Dieser ließ die umstrittene Frage nach möglichen Renditen jedoch offen. Das Weiße Haus drängt nun auf einen Kompromiss bis zum 1. März.

In Europa steht eine entscheidende Deadline bevor. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat klargestellt, dass eine Übergangsfrist am 2. März 2026 endet. Danach benötigen Krypto-Dienstleister, die mit Stablecoins (im EU-Jargon: „Electronic Money Tokens“) Zahlungsdienste anbieten, neben ihrer MiCA-Lizenz auch eine Genehmigung nach der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Unternehmen ohne vollständigen Antrag oder mit schlechten Erfolgsaussichten müssen diese Dienstleistungen einstellen. Diese doppelte Regulierung stellt viele Firmen vor massive betriebliche Herausforderungen.

Großbritannien geht seinen eigenen Weg. Eine aktuelle Analyse der Ende 2025 verabschiedeten Cryptoasset Regulations bringt Klarheit. Die Ausgabe qualifizierter Stablecoins untersteht nun der Finanzaufsichtsbehörde FCA. Ein entscheidender Punkt: Ein Unternehmen gilt erst als Emittent, wenn es alle drei Kernfunktionen – Angebot, Rücknahme und Werterhalt – selbst steuert. Das neue Lizenzregime tritt im Oktober 2027 in Kraft und betrifft auch ausländische Firmen mit britischen Kunden.

Globale Tendenz: Banken-Regeln für Stablecoins

Die parallelen Entwicklungen zeigen eine klare internationale Übereinstimmung. Systemrelevante Stablecoins sollen künftig wie traditionelle Zahlungssysteme oder E-Geld-Institute reguliert werden. Kernelemente sind eine 1:1-Deckung mit liquiden Vermögenswerten, klare Rückgaberechte für Verbraucher und eine direkte Aufsicht über die Emittenten. Die G20-nahe Financial Stability Board (FSB) hat die Beseitigung von regulatorischen Schlupflöchern und Wettbewerbsverzerrungen für 2026 ganz oben auf die Agenda gesetzt.

Ausblick: Das Jahr der Umsetzung

Die kommenden Wochen sind entscheidend. Wird das US-Verbot von Stablecoin-Renditen Realität? Welche europäischen Firmen überstehen die Doppel-Lizenzierung? Die Phase der regulatorischen Unklarheit ist vorbei, die Ära der Umsetzung und Durchsetzung bricht an. Für die Branche bedeutet das zwar Planungssicherheit, aber auch hohe Compliance-Kosten. Die Frage ist nicht mehr, ob Stablecoins reguliert werden, sondern wie sie in das globale Finanzsystem integriert werden. 2026 wird das Jahr, in dem sie unter Stabilitäts- und Verbraucherschutzstandards gestellt werden, die denen des Bankensystems gleichen.