Ziel ist eine souveräne IT-Infrastruktur speziell für die deutsche öffentliche Verwaltung.
Die am heutigen Mittwoch verkündete Partnerschaft setzt auf STACKIT, die Cloud-Marke von Schwarz Digits. Diese betreibt ihre Rechenzentren in Deutschland und Österreich – und ist damit unabhängig vom US-Cloud-Act, der amerikanischen Behörden Zugriff auf Daten gewähren könnte. Codesphere übernimmt die Verwaltung der Multi-Cloud-Laufzeitumgebung.
Millionen-Auftrag vom Bund
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Der Schritt ist kein Zufall. Bereits im April 2026 hatte GovTech Deutschland einen Rahmenvertrag mit dem IT-Dienstleister Bechtle geschlossen. Daraus erhielten Codesphere und sein Partner enclaive einen Auftrag über bis zu 30,8 Millionen Euro für die zentrale Laufzeitkomponente. Diese technische Basis soll kritische Regierungsprojekte wie die „Deutschlandplattform“ und „MEDI:CUS“ unterstützen.
Könnte das der Durchbruch für europäische Cloud-Lösungen sein? Die Zeichen stehen gut.
EU plant einheitliche Regeln für Cloud und KI
Die industrielle Partnerschaft fällt in eine Zeit massiver regulatorischer Veränderungen. Am 3. Juni 2026 präsentierte die EU-Kommission das Europäische Technologie-Souveränitätspaket – inklusive Chips Act 2.0 und dem Cloud and AI Development Act (CADA).
Der CADA-Vorschlag, der am 9. Juni weiter konkretisiert wurde, will digitale Souveränität in verbindliche Vergaberegeln für öffentliche Auftraggeber übersetzen. Das Gesetz sieht ein vierstufiges Sicherheitssystem für Cloud- und KI-Dienste vor:
- Stufe 1: Daten verbleiben in der Europäischen Union
- Stufe 2: Operative Unabhängigkeit von Drittstaaten
- Stufe 3: Vollständiges EU-Eigentum des Anbieters
- Stufe 4: Komplette Transparenz des Technologie-Stacks
Die Kommission strebt eine formelle Verabschiedung bis zum vierten Quartal 2027 an. Der Druck ist enorm: Der Marktanteil europäischer Cloud-Anbieter fiel von 26 Prozent im Jahr 2017 auf nur noch zehn Prozent im Jahr 2020. Die EU will die Rechenzentrums-Kapazitäten in den nächsten fünf bis sieben Jahren verdreifachen.
Open Source als strategisches Prinzip
Die EU-Strategie setzt zudem auf einen „Open Source First“-Grundsatz bei öffentlichen Ausschreibungen. Im Juni 2026 veröffentlichte die Kommission eine aktualisierte Open-Source-Strategie für Europa und stellt rund zwei Milliarden Euro über sieben Jahre für kritische Open-Source-Projekte bereit.
Branchenkenner wie Dries Buytaert bewerten diesen Schritt als wichtig, aber bescheiden. Zum Vergleich: Jährlich fließen schätzungsweise 264 Milliarden Euro in proprietäre Software aus den USA.
Nationale Regierungen gehen bereits eigene Wege. Frankreich hat seine Verwaltungsrechner auf Linux umgestellt. Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz setzt auf ArgonOS als Alternative zu proprietärer Auslandssoftware. Und in Großbritannien kündigte ein Konsortium um die Firma Cosine am 8. Juni 2026 mit „Lumen Sovereign“ das erste vollständig souveräne KI-Modell des Landes an – unterstützt durch ein 500-Millionen-Pfund-Programm, Auslieferung noch für Ende 2026.
Telekom und Palo Alto Networks ziehen nach
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Auch die Privatwirtschaft reagiert. Am 9. Juni 2026 gaben Palo Alto Networks und die Deutsche Telekom eine Partnerschaft bekannt: „Sovereign Cortex with T Security“ startet im dritten Quartal 2026. Die Telekom fungiert dabei als Treuhänder, um Datenhoheit für regulierte Branchen wie Gesundheitswesen und Finanzsektor zu gewährleisten.
Der Trend ist global. Am 8. Juni 2026 setzte das Nationale IT-Board Pakistans eine lokal entwickelte KI-Plattform im Parlament ein – sämtliche Datenverarbeitung bleibt auf lokalen Servern.
Hintergrund der Entwicklung: Der Hunger nach Rechenleistung wächst rasant. Branchendaten zufolge werden KI-bedingte Anforderungen 2026 rund 60 Prozent der Spitzenrechenkapazität verbrauchen, bis 2027 soll dieser Wert auf 86 Prozent steigen. Cloud- und KI-Souveränität sind damit längst zu einer Frage der Wirtschaftspolitik und nationalen Sicherheit geworden.

