Standort-Hack: KI de-anonymisiert Millionen für nur 2,24 Dollar

Schweizer Forscher weisen nach, dass KI 18 von 43 Personen anhand anonymisierter Bewegungsdaten identifizierte – für 2,24 US-Dollar.

Eine aktuelle Untersuchung aus der Schweiz offenbart gravierende Sicherheitslücken beim Schutz privater Standortdaten. Forscher konnten belegen, dass künstliche Intelligenz (KI) in der Lage ist, Personen innerhalb kürzester Zeit und mit minimalem finanziellem Aufwand anhand ihrer GPS-Bewegungsprofile zu de-anonymisieren.

Ein neu entwickeltes Tool benötigte demnach lediglich 17 Minuten, um eine Zielperson eindeutig zu identifizieren. Die Kosten für diesen Vorgang beliefen sich auf nur 2,24 US-Dollar pro Person.

Hohe Identifizierungsrate bei geringen Kosten

Die Effektivität der eingesetzten Technologie wurde im Rahmen eines praktischen Tests überprüft. Dabei gelang es dem KI-gestützten Werkzeug, 18 von insgesamt 43 Testpersonen korrekt zu identifizieren. Dieser Befund unterstreicht, dass vermeintlich anonymisierte Standortdaten durch den Einsatz moderner Algorithmen mit einer hohen Trefferquote realen Identitäten zugeordnet werden können.

Besonders die wirtschaftliche Komponente der Ergebnisse sorgt in Fachkreisen für Besorgnis. Mit einem Preis von 2,24 US-Dollar pro Zielperson rückt die Möglichkeit einer massenhaften Überwachung oder gezielten Identifizierung in den Bereich des wirtschaftlich Machbaren für eine Vielzahl von Akteuren.

Da die Analyse zudem in weniger als einer Drittelstunde abgeschlossen war, zeigt die Studie, dass für solche Operationen keine umfangreichen zeitlichen oder personellen Ressourcen mehr erforderlich sind.

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Datenbroker als Lieferanten für Bewegungsprofile

Die für die Studie verwendeten Datensätze stammten nicht aus geschlossenen Systemen, sondern wurden über den regulären Datenmarkt bezogen. Datenbroker wie das Unternehmen Pickwell Limited lieferten hierfür Standortinformationen von rund 800.000 Smartphones. Solche Datenmengen entstehen im Alltag durch die Nutzung zahlreicher Apps, die im Hintergrund GPS-Koordinaten aufzeichnen und diese Informationen an spezialisierte Händler weitergeben.

Obwohl diese Daten beim Verkauf offiziell als anonym deklariert werden, zeigt die Untersuchung der Schweizer Forscher, dass die Anonymisierung durch die schiere Präzision der Bewegungsmuster ausgehebelt werden kann. Ein individuelles Bewegungsprofil – etwa der Weg zwischen Wohnort und Arbeitsplatz – fungiert demnach wie ein digitaler Fingerabdruck, den die KI-Anwendung zur Identifizierung nutzt.

Konsequenzen für den Datenschutz und die Smartphone-Sicherheit

Die Studienergebnisse rücken die Praktiken der Datenhandelsbranche sowie die Sicherheitsarchitektur mobiler Betriebssysteme in ein kritisches Licht. Branchenanalysten sehen in der Verfügbarkeit solcher Informationen ein erhebliches Risiko für die Privatsphäre der Verbraucher.

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Da die Kostenbarriere für die De-Anonymisierung fast vollständig weggefallen ist, könnten Bewegungsprofile künftig vermehrt für Zwecke genutzt werden, die weit über personalisierte Werbung hinausgehen.

Juristen und Experten für Datenschutz weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die bloße Entfernung von Identifikationsmerkmalen wie Namen oder E-Mail-Adressen bei Standortdaten keinen hinreichenden Schutz bietet.

Die Studie lege nahe, dass die technologische Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz die bisherigen Standards der Datensparsamkeit und Anonymisierung überholt habe. Nutzer sollten daher die Freigabe von Standortdiensten für Anwendungen restriktiver handhaben, um die Generierung solch detaillierter Datensätze bereits an der Quelle zu begrenzen.