Stargate UAE: KI-Rechenzentrum wird dezentrales Netzwerk statt Campus

Die Emirate verteilen ihr KI-Rechenzentrum auf mehrere geschützte Standorte. G42 führt das 30-Milliarden-Dollar-Projekt mit internationalen Partnern.

Wie aus Berichten vom 11. September 2026 hervorgeht, haben die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) die Planung ihres massiven KI-Rechenzentrumsprojekts grundlegend überarbeitet. Anstatt des ursprünglich vorgesehenen zentralen Campus auf einer Fläche von rund 26 Quadratkilometern in Abu Dhabi wird das Vorhaben nun als verteiltes Netzwerk realisiert. Diese strategische Neuausrichtung folgt auf eine Reihe von Sicherheitsvorfällen in der Region.

Sicherheitskonzept und physischer Schutz

Die Entscheidung für eine dezentrale Struktur des sogenannten UAE-US-AI-Campus ist eine direkte Reaktion auf militärische Bedrohungen. Das neue Konzept sieht vor, die Rechenkapazitäten über mehrere Standorte zu verteilen, um die Verwundbarkeit gegenüber gezielten Angriffen zu reduzieren. Zu den geplanten Schutzmaßnahmen gehören Luftabwehrsysteme sowie die Unterbringung von Anlagen in unterirdischen Komplexen oder innerhalb von Bergformationen.

Zusätzlich soll die Infrastruktur durch elektronische Störgeräte zur Abwehr von Drohnen und Raketen gesichert werden. Die bauliche Ausführung sieht die Verwendung von blast-resistentem Beton vor. Um die Betriebssicherheit auch im Krisenfall zu gewährleisten, werden die Standorte mit redundanten Systemen für die Stromversorgung und die Kühlung ausgestattet.

Zeitplan und Partnerschaften für Stargate UAE

Trotz der strukturellen Anpassungen schreitet die Umsetzung des Projekts unter dem Namen „Stargate UAE“ voran. Die erste Phase umfasst einen Ankercluster mit einer Kapazität von 1 Gigawatt (GW) und ein geschätztes Investitionsvolumen von etwa 30 Milliarden US-Dollar. Die ersten 200 Megawatt sollen nach aktuellem Planungsstand im dritten Quartal 2026 online gehen.

Die Federführung des Projekts liegt bei dem Unternehmen G42. Als technologische Partner sind OpenAI, Oracle, Nvidia, Cisco und SoftBank an der Realisierung beteiligt. Die Dimensionen des Gesamtprojekts sind erheblich: Eine Kapazität von 5 GW entspricht bei Volllast einer jährlichen Energiemenge von 43,8 Terawattstunden. Die bereits in Phase 1 angestrebten 200 Megawatt belaufen sich auf etwa 1,75 Terawattstunden.

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Hintergrund der Bedrohungslage

Die Sicherheitsbedenken der Planer stützen sich auf konkrete Ereignisse im Frühjahr 2026. Am 1. März trafen iranische Shahed-Drohnen zwei AWS-Rechenzentren in den Emiraten sowie eine Anlage in Bahrain. Dabei kam es zu Beeinträchtigungen verschiedener Cloud-Dienste. Ende März bezeichnete der Iran zudem 18 US-Technologiefirmen als legitime militärische Ziele und nannte im April explizit das Stargate-Projekt als potenzielles Ziel.

Finanzielle Auswirkungen und Versicherungsmarkt

Die enormen Werte, die in modernen KI-Rechenzentren konzentriert sind, stellen den Versicherungssektor vor neue Herausforderungen. Experten beziffern den versicherbaren Wert eines einzelnen Hyperscale-Campus auf 20 bis 30 Milliarden US-Dollar.

Laut Finanzanalysten wie Ethan Powell von Brookmont Capital treibt dies die Nachfrage nach Katastrophenanleihen (CAT-Bonds) voran. In den kommenden 12 bis 18 Monaten wird die Emission des ersten dedizierten CAT-Bonds für Rechenzentrumsrisiken erwartet.

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Das Swiss Re Institute prognostiziert, dass KI-Rechenzentren und erneuerbare Energien zwischen 2026 und 2030 kumulierte Gewerbeversicherungsprämien in Höhe von circa 200 Milliarden US-Dollar generieren könnten.

Davon entfallen allein rund 91 Milliarden US-Dollar auf den Bereich der Rechenzentren. Weltweit sollen die jährlichen Prämien in diesem Segment von aktuell 10,6 Milliarden US-Dollar auf 24,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 steigen.

Globale Entwicklung hochspezialisierter Infrastruktur

Parallel zu den Entwicklungen in den Emiraten investieren Unternehmen weltweit in spezialisierte Hardware-Umgebungen. So stellte 3 E Network Pläne für ein KI-Rechenzentrum im finnischen Mikkeli vor, das speziell auf die Architektur der Vera-Rubin-Generation von Nvidia ausgelegt ist. Die Anlage nutzt Direkt-zu-Chip-Flüssigkeitskühlung und ist für Racks mit einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen konzipiert.

Gleichzeitig bereiten Dienstleister wie Rackspace Technology und Hardware-Hersteller wie Dell dedizierte Infrastrukturen für regulierte Unternehmen und Behörden vor. Diese sogenannten Sovereign-AI-Lösungen kombinieren Blackwell-Prozessoren von Nvidia mit spezialisierten Software-Plattformen, um den steigenden Sicherheits- und Souveränitätsanforderungen im Bereich der künstlichen Intelligenz gerecht zu werden.