Ein 21-jähriger Floridianer soll mit manipulierten Videospielen auf der Plattform Steam Hunderttausende Euro in Kryptowährung gestohlen haben. Die US-Bundespolizei FBI nahm den Mann Mitte Juli fest.
Infizierte Spiele, gestohlene Vermögen
Zyaire Dontaevious Zamarion Wilkins sitzt seit dem 14. Juli 2026 in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet auf Verschwörung zum unbefugten Zugriff auf Computersysteme mit dem Ziel persönlicher Bereicherung. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf eine neue Masche der Cyberkriminalität: Schadsoftware, getarnt als harmlose Spiele-Updates.
Laut Ermittlern erstreckte sich die Betrugsserie von Mai 2024 bis Februar 2026. Rund 8.000 Computer wurden infiziert, mindestens 80 digitale Geldbörsen geknackt. Der Schaden liegt bei umgerechnet rund 200.000 Euro – Tendenz steigend.
Acht Spiele als Trojanische Pferde
Die Masche war raffiniert: Wilkins lud acht Spiele auf Steam hoch – darunter Titel wie BlockBlasters, Dashverse, Lunara und PirateFi. Zunächst waren die Programme sauber und bestanden die Sicherheitsprüfungen. Erst nachdem sich eine Spielerbasis gebildet hatte, lieferte der Entwickler Updates nach, die heimlich Schadsoftware installierten.
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Das Schadpaket bestand aus den Tools Vidar, HijackLoader und Fickle Stealer – gekauft für umgerechnet rund 9.200 Euro von einem Darknet-Händler namens Sibel.eth. Die Software durchforstete die Rechner nach gespeicherten Passwörtern und privaten Schlüsseln für Krypto-Wallets.
Allein das Spiel BlockBlasters verursachte Schäden von umgerechnet rund 140.000 Euro. Besonders perfide: Ein Twitch-Streamer verlor etwa 29.000 Euro, die für eine Krebs-Spendenaktion bestimmt waren. Ein weiteres Opfer büßte Geld ein, das für medizinische Behandlungen vorgesehen war.
Die Spur führte zu Uber-Eats-Lieferungen
Das FBI folgte dem Geld – und landete beim Essenslieferdienst. Die Ermittler verfolgten die Bitcoin-Transaktionen von den geknackten Wallets zur Plattform Bitrefill, die Kryptozahlungen in Gutscheine umwandelt. Wilkins hatte über 150 Bitrefill-Gutscheine genutzt – für Uber-Eats-Bestellungen.
Die Lieferungen gingen an seine Adresse in North Lauderdale und an die University of West Florida. Auch die Uni-E-Mail-Adresse des Verdächtigen tauchte in den Ermittlungsakten auf. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Zwei Komplizen wurden identifiziert, aber bislang nicht angeklagt.
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Steam im Visier von Cyberkriminellen
Der Fall ist kein Einzelfall. Die Sicherheitsforschung hat weitere Angriffswellen auf Steam-Nutzer dokumentiert. Im Steam Workshop etwa wurden manipulierte Hintergrundbilder für die Software Wallpaper Engine entdeckt, die Hintertüren und Passwortdiebe wie DarkKomet und Lumma installierten. Valve hat die Dateien inzwischen entfernt.
Experten warnen vor einer wachsenden Bedrohungslage. Neben infizierten Spieldateien setzen Betrüger auf gefälschte Inventar-Rechner für Spiele wie Fortnite oder Counter-Strike. Die Opfer geben dort ihre Zugangsdaten und Zwei-Faktor-Codes preis – und sind ihr Konto los.
In der Counter-Strike-Szene nutzen Kriminelle zudem manipulierte API-Schlüssel und geben sich als vertrauenswürdige Mittelsmänner aus, um wertvolle Skins zu stehlen. Sicherheitsexperten raten: Steam Guard aktivieren, keine Zugangsdaten auf Drittseiten eingeben und regelmäßig die API-Einstellungen des Kontos überprüfen.

