Steuersoftware: Wolters Kluwer startet ADDISON Direkt ab Juli

Wolters Kluwer, IBM und EY präsentieren KI-Lösungen für Steuerberater. Der IRS gibt neue Leitlinien zum Einsatz künstlicher Intelligenz heraus.

Steuerberater und ihre Mandanten arbeiten künftig digitaler – und intelligenter.

Gleich mehrere Anbieter haben zum 1. Juli 2026 neue Plattformen und KI-Tools vorgestellt, die den Arbeitsalltag in Steuerkanzleien grundlegend verändern sollen. Wolters Kluwer etwa startete heute offiziell ADDISON Direkt, eine digitale Kollaborationsplattform für den sicheren Dokumentenaustausch und die elektronische Rechnungsstellung über das PEPPOL-Netzwerk.

Vom OneClick zum Direkt-Kontakt

ADDISON Direkt löst das bisherige System ADDISON OneClick ab. Die neue Plattform bündelt zahlreiche Verwaltungsaufgaben in einer digitalen Umgebung – von der Mandatsannahme bis zur automatisierten Kontenabstimmung. Dank KI-gestützter Dokumentenverarbeitung sollen manuelle Dateneingaben deutlich reduziert werden. Zwei-Faktor-Authentifizierung schützt die sensiblen Finanzdaten.

Parallel dazu hat Wolters Kluwer seine CCH Axcess Expert AI-Suite erweitert. Die KI-gestützte Erfassung von Belegen und die Automatisierung von K-1-Formularen (vergleichbar mit deutschen Steuerbescheinigungen) zeigen beeindruckende Effizienzgewinne: Die Erfassungszeit für K-1-Formulare sank um 60 bis 80 Prozent, die Gesamtproduktivität der Nutzer stieg um 30 bis 70 Prozent.

Spezialisierte KI-Agenten für Finanzteams

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Auch andere Branchengrößen ziehen nach. IBM und EY präsentierten gemeinsam EY.ai for tax, eine auf IBM watsonx und den IBM Granite-Modellen basierende Suite. Herzstück ist ein „Intelligent Tax Data Lake“, der Informationen aus 36 verschiedenen Quellen zusammenführt. Ein weiteres Tool extrahiert Daten aus Geschäftsdokumenten und korrigiert Fehler bei der Quellensteuerermittlung.

Lucanet wiederum launchte eine intelligente CFO-Solution-Plattform mit mehreren KI-Agenten. Diese übernehmen spezifische Aufgaben wie Monatsabschluss, Modellierung, Reporting und das Tracking von ESG-Emissionen. Während die Kernplattform weiterhin deterministische Finanzberechnungen durchführt, kommen die KI-Agenten für Reasoning und Interpretation zum Einsatz – bei über 6.500 Kunden.

Regulierung hält Schritt – aber Bedenken bleiben

Die zunehmende Automatisierung wirft Fragen auf. Das US-amerikanische Finanzamt IRS veröffentlichte daher am 24. Juni 2026 mit Alert 2026-19 formelle Leitlinien zum KI-Einsatz in der Steuerpraxis. Die Botschaft: Steuerberater müssen Sorgfaltspflichten wahren, Kompetenz sicherstellen und firmenweite Verfahren gegen unbefugte Offenlegung von Mandantendaten etablieren. Unangemessene Gebühren für KI-gestützte Arbeiten sind untersagt.

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KI in der Steuerkanzlei: 64 % der Berater nennen regulatorische Überlastung als größte Sorge. Die Checkliste in unserer Umstiegs-Anleitung zeigt, wie Sie mit IRS Alert 2026-19 konform bleiben. Checkliste per E-Mail sichern

Die Branche zeigt sich aufgeschlossen, aber vorsichtig. Laut dem Wolters Kluwer Advisory Barometer 2026 nutzen bereits 71 Prozent der spanischen Berater KI im täglichen Betrieb – ein Anstieg um 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch 64 Prozent der Befragten nannten die regulatorische Überlastung als größte Sorge.

Eine Thomson-Reuters-Umfrage aus dem Jahr 2026 ergab, dass 34 Prozent der Steuerkanzleien generative KI auf Organisationsebene eingeführt haben. Experten raten dennoch zur Vorsicht: Die Herkunft von KI-Inhalten und die Berechnungsmethoden müssten überprüft werden, bevor die Tools vollständig in Arbeitsabläufe integriert werden. Besonders vor sogenannten Halluzinationen – also erfundenen Fakten – wird gewarnt. Jede automatisierte Arbeit müsse nachvollziehbar und prüfbar bleiben.