Stimmstörungen: 58% erhöhtes Demenz-Risiko auch ohne Hörverlust

Eine Drexel-Analyse mit 833.417 Erwachsenen verbindet Stimmprobleme ohne Hörverlust mit höherem Demenzrisiko; die Ursache bleibt ungeklärt.

Eine Studie der Drexel University, veröffentlicht im Journal of Voice, wirft ein neues Licht auf einen bislang wenig beachteten Zusammenhang: Stimmstörungen ohne begleitenden Hörverlust gehen demnach mit einem um 58 Prozent erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigung und Demenz einher.

Die Untersuchung reiht sich in eine wachsende Zahl von Arbeiten ein, die Sinnes- und Kommunikationsfunktionen als frühe Warnsignale für den geistigen Abbau im Alter untersuchen.

Datenbasis und zentrale Befunde

Grundlage der Analyse sind Daten von mehr als 833.000 Erwachsenen ab 50 Jahren – konkret 833.417 Patienten aus Primärarztbesuchen. Die Forscher der Drexel University verglichen dabei verschiedene Konstellationen von Hör- und Stimmproblemen mit dem Auftreten kognitiver Beeinträchtigungen.

Die stärkste Assoziation zeigte sich bei Personen, die sowohl unter einer Stimmstörung als auch unter Hörverlust litten: Hier lag das Risiko etwa doppelt bis mehr als doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe. Isolierter Hörverlust allein war mit einem um 27 Prozent höheren Risiko für kognitiven Abbau verbunden und stellte damit den zweitstärksten Einzelfaktor dar.

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Eine Stimmstörung allein ging mit einem um 29 Prozent erhöhten Risiko gegenüber der Kontrollgruppe einher; gegenüber Personen mit reinem Hörverlust lag das Risiko bei einer Stimmstörung ohne Hörverlust um 26 Prozent höher.

Auffällig ist laut der Studie zudem der zeitliche Verlauf: Das höchste Risiko zeigt sich im ersten Jahr nach der Diagnose einer Stimmstörung.

Was unter Stimmstörungen verstanden wird

Als Stimmstörungen definiert die Studie Veränderungen von Ton, Klarheit, Volumen und Stimmumfang sowie Schmerzen beim Sprechen oder Singen. Solche Probleme sind laut den Studienautoren keineswegs selten: Jährlich melden rund 18 Millionen beziehungsweise 17,9 Millionen US-Erwachsene entsprechende Beschwerden.

Auch neurodegenerative Erkrankungen selbst können sich in der Stimme niederschlagen – die Forscher verweisen darauf, dass 75 bis 90 Prozent der Parkinson-Patienten im Verlauf ihrer Erkrankung Stimm- und Artikulationsstörungen entwickeln.

Trotz der Häufigkeit werden Stimmprobleme oft nicht ärztlich abgeklärt. Eine 2023 durchgeführte Umfrage unter 1.522 Befragten ergab, dass 20 Prozent von ihnen jemals eine Stimmstörung hatten, aber 40 Prozent derjenigen mit Stimmproblemen keine medizinische Hilfe in Anspruch nahmen.

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Einordnung und offene Fragen

Als Quellen der Studienergebnisse werden Dr. Robert Sataloff von der Drexel-Universitätsklinik sowie Emily Rhodes genannt. Die Autoren betonen zugleich die Grenzen ihrer Arbeit: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen Kausalitätsnachweis erbringen kann. Ob eine Stimmstörung tatsächlich Ursache oder lediglich frühes Begleitsymptom eines beginnenden kognitiven Abbaus ist, bleibt damit offen.

Die Forscher empfehlen deshalb Folgeuntersuchungen, die klären sollen, ob Stimmstörungen stärker mit kognitivem Abbau zusammenhängen als Hörverlust – und ob eine gezielte Behandlung von Stimmproblemen den geistigen Abbau möglicherweise verlangsamen kann.

Bis solche Studien vorliegen, liefert die Arbeit vor allem einen Hinweis darauf, dass Veränderungen der Stimme im höheren Lebensalter nicht allein als kosmetisches oder rein körperliches Phänomen abgetan werden sollten, sondern Anlass für eine breitere medizinische Abklärung sein können.