Eine neue Angriffswelle des russischen Hackerkollektivs Storm-2945 zielt auf Geschäftsreisende in Hotels, Flughäfen und Konferenzzentren ab. Die Täter kapern öffentliche WLAN-Netze, um Zugangsdaten zu stehlen – auch der Schutz durch Zwei-Faktor-Authentifizierung fällt offenbar zunehmend.
Microsoft Threat Intelligence hat am heutigen Donnerstag eine globale Sicherheitswarnung herausgegeben. Der Angriffskampagne mit dem Namen „CaptiveCrunch“ wird die russische Gruppe Storm-2945 zugeschrieben – bekannt auch als Midnight Blizzard, APT29 oder SVR. Seit Mai 2026 sind Angreifer demnach gezielt in der WLAN-Infrastruktur von Hotels, Konferenzzentren und Flughäfen aktiv. Für deutsche Unternehmen, deren Mitarbeiter regelmäßig international unterwegs sind, ist die Bedrohungslage damit akut.
Kapern der Anmeldeportale
Die Angreifer manipulieren DNS-Einstellungen und übernehmen sogenannte Captive Portals – jene Anmeldeseiten, die beim Verbinden mit öffentlichen Netzen erscheinen. Auf diesem Weg schleusen sie Phishing-Seiten ein und verteilen Schadsoftware. Das primäre Ziel: die Zugangsdaten für Microsoft-365-Konten von Firmenlaptops.
Besonders beunruhigend: Die Gruppe setzt nach Erkenntnissen der Sicherheitsforscher auf Künstliche Intelligenz, um ihre Methoden zu verfeiner. In mehreren Fällen gelang es den Angreifern, die Mehrfaktor-Authentifizierung zu umgehen. Zudem kommt spezielle Spionagesoftware namens CornFlake und ChocoShell zum Einsatz, um dauerhaft Zugriff auf die Geräte zu behalten. Auch „ClickFix“-Taktiken und Man-in-the-Middle-Angriffe zum Abfangen von Daten wurden beobachtet.
Weitere Warnungen aus der Branche
Die Warnung reiht sich ein in eine Serie von Sicherheitshinweisen. Der IT-Sicherheitsanbieter Bitdefender identifizierte kürzlich eine separate Phishing-Kampagne in mehr als zehn Ländern: Angreifer geben sich dort über WhatsApp als Hotelpersonal aus, um Gäste auszutricksen. Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) betont derweil, wie wichtig die Überprüfung offizieller Netzwerknamen und der Einsatz von Sicherheitswerkzeugen ist.
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Auch die Behörden reagieren. In China hat das Nationale Komitee für Cybersicherheits-Standardisierung am 7. August eine öffentliche Konsultation zu neuen Richtlinien für Netzwerkdaten-Risikobewertungen abgeschlossen. Die Frist war Ende Juli gestartet.
Neue Schwachstellen im KEV-Katalog
Die US-Behörde CISA hat zudem ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen (KEV) aktualisiert. Am 27. Juli wurde eine kritische Lücke im Arista VeloCloud Orchestrator (CVE-2026-16812) mit einem CVSS-Score von 10.0 aufgenommen – sie wird aktiv ausgenutzt. Auch eine Schwachstelle in FortiOS (CVE-2025-68686) wurde ergänzt; Bundesbehörden müssen die Patches bis zum 10. August installieren.
Branche rüstet auf
Einige Hotels modernisieren derweil ihre Netzwerkinfrastruktur. Das Lodge at Tiburon hat kürzlich seine Gäste-WLAN-Systeme mit Ruckus-Technologie des Anbieters Hotel Internet Services (HIS) aufgerüstet. Ziel sind stabilere Verbindungen für bandbreitenintensive Anwendungen wie Videokonferenzen sowie ein technischer Support rund um die Uhr.
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Schutzmaßnahmen für Reisende
Sicherheitsexperten empfehlen Geschäftsreisenden mehrere defensive Maßnahmen:
- VPN mit Killswitch nutzen: Ein Virtual Private Network verschlüsselt den gesamten Datenverkehr – die Killswitch-Funktion blockiert die Verbindung, falls das VPN abbricht.
- Mobilen Hotspot bevorzugen: Persönliche Hotspots oder Reise-eSIMs von Anbietern wie Airalo, Holafly oder Saily sind öffentlichen WLAN-Netzen vorzuziehen.
- Auto-Join deaktivieren: Die automatische Verbindung zu bekannten Netzwerken sollte auf allen Geräten abgeschaltet werden.
- Keine Downloads über Captive Portals: Dateien oder Software-Updates, die über Anmeldeseiten angeboten werden, niemals herunterladen.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren: 2FA sollte überall eingerichtet sein, und sämtliche Systemsoftware muss vor Reiseantritt aktualisiert werden.
Die Angriffswelle zeigt: Öffentliche WLAN-Netze sind für Spione ein gefundenes Fressen. Wer beruflich viel unterwegs ist, sollte seine digitale Absicherung dringend überdenken.

