Der US-Softwarekonzern Strategy Inc. hat für rund eine Milliarde Euro weitere 13.927 Bitcoin erworben. Das Unternehmen, einst als MicroStrategy bekannt, festigt damit seine Position als weltweit größter institutioneller Halter der Kryptowährung. Die Finanzierung erfolgte komplett über den Verkauf von Vorzugsaktien.
Mit diesem jüngsten Zukauf erhöht Strategy Inc. seinen Bestand auf insgesamt 780.897 Bitcoin. Das entspricht etwa 3,7 Prozent der maximal verfügbaren 21 Millionen Einheiten. Die Transaktion wurde zwischen dem 6. und 12. April zu einem Durchschnittspreis von rund 71.902 US-Dollar pro Bitcoin abgewickelt, wie aus einer Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.
Neue Bilanzierungsregeln als Treiber
Die massive Aufstockung der Unternehmensreserven ist kein Zufall. Sie wurde durch grundlegende Änderungen der Rechnungslegungsstandards und der Regulierung in den letzten zwei Jahren befeuert. Seit Anfang 2025 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA bestimmte Krypto-Vermögenswerte zum beizulegenden Zeitwert in ihrer Bilanz ausweisen.
Diese Regelung ersetzte das alte „Anschaffungskosten abzüglich Wertminderung“-Modell. Früher mussten Unternehmen Wertverluste sofort abschreiben, Gewinne durch Kurssteigerungen durften sie jedoch nicht erfassen. Die neue Transparenz hat die Bilanzierung von Bitcoin als Reservevermögen für Vorstände und Aufsichtsräte deutlich attraktiver gemacht.
Auch auf regulatorischer Ebene gab es Signale. Nach einer Exekutivanordnung im März 2025 richteten die USA einen strategischen Bitcoin-Reservefonds ein, der zunächst mit beschlagnahmten Vermögenswerten gefüllt wurde. Gesetzesinitiativen zielen darauf ab, bis zu fünf Prozent des Gesamtangebots für den Staat zu erwerben – ähnlich den Goldreserven. Diese staatliche Anerkennung wirkt als starkes Signal für die Privatwirtschaft.
Vom Nischen- zum Mainstream-Phänomen
Was in den USA begann, hat längst globale Dimensionen erreicht. Das „Bitcoin-Standard“-Modell für Firmenkassen breitet sich international aus. Das an der Tokioter Börse notierte Investmenthaus Metaplanet Inc. hat sich als führender nicht-amerikanischer Player etabliert. Das Unternehmen hält mittlerweile über 40.000 Bitcoin und strebt bis Jahresende die Marke von 100.000 Einheiten an.
Die Liste der großen Halter wird länger. Die Investmentfirma Twenty One Capital, hinter der Schwergewichte wie SoftBank und Tether stehen, hält etwa 43.514 Bitcoin und ist damit der zweitgrößte börsennotierte Halter weltweit. Der Trend ist kein reines Technologie-Phänomen mehr. Unternehmen aus den Bereichen Medizintechnik, Hospitality und Business Intelligence folgen dem Beispiel der Vorreiter.
Reifender Markt: Von der Haltung zur Finanzierung
Der Markt entwickelt sich weiter. Neben dem simplen Kauf entstehen immer ausgefeiltere Finanzinstrumente. Seit Anfang 2026 wächst der Markt für „digitalen Kredit“ rasant. Dabei handelt es sich um bitcoin-besicherte Wertpapiere, mit denen Unternehmen Erträge aus ihren Beständen generieren oder gezielt Kapital für weitere Käufe beschaffen können.
Die Nutzungsszenarien werden vielfältiger. Während einige Firmen wie Strategy Inc. unabhängig von der Kursvolatilität weiter akkumulieren, werden andere taktischer. Das Unternehmen MARA Holdings verkaufte im März Bitcoin im Wert von über einer Milliarde US-Dollar, um damit Unternehmensanleihen zurückzukaufen und seine Schuldenlast um 30 Prozent zu reduzieren. Bitcoin wird so zum liquiden Reserveinstrument für aktives Finanzmanagement.
Ausblick: Institutionen könnten die Hälfte aller Bitcoin halten
Die Zahl der börsennotierten Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz hat sich von Anfang 2025 bis heute nahezu verdoppelt – von etwa 90 auf über 160. Diese „kambrische Explosion“ wird auch durch die Zulassung von Bitcoin-ETFs befeuert, die institutionellen Investoren einen regulierten Zugang bieten.
Die Nachfrage der Institutionen übersteigt inzwischen das neue Angebot aus dem Mining um das Dreifache. Wenn der aktuelle Trend linear fortschreitet, könnten Institutionen im nächsten Jahrzehnt bis zur Hälfte aller Bitcoin halten. Der milliardenschwere Zukauf von Strategy Inc. markiert damit eine neue Phase: Die Ära der Bitcoin-Unternehmenskasse ist im Zeitalter der großvolumigen Kapitalallokation angekommen.





