Der Kampf um die Vorherrschaft im digitalen Wohnzimmer eskaliert: Streaming-Dienste investieren 2026 erstmals über 100 Milliarden Euro in Inhalte – und erklären dem linearen Fernsehen mit exklusiven Sportrechten den Krieg. Für Verbraucher wird das teuer.
Ein neuer Marktbericht von Ampere Analysis prognostiziert, dass die weltweiten Ausgaben der Streaming-Anbieter für Inhalte in diesem Jahr um 6 Prozent auf rund 101 Milliarden US-Dollar steigen werden. Das entspricht bereits 40 Prozent aller globalen Inhalte-Investitionen. Der Treiber dieser Entwicklung ist eindeutig: der aggressive Einstieg in den lukrativen Live-Sport-Markt, der lange das Rückgrat des Pay-TV war.
FIFA World Cup wird zum Streaming-Produkt
Die Strategie verdichtet sich in diesen Januartagen. Am 12. Januar gab die FIFA eine wegweisende Partnerschaft bekannt: Das Unternehmen Stats Perform wird exklusiver Distributor für Live-Streaming- und Wettdaten aller großen FIFA-Turniere, einschließlich der 104 Spiele der erweiterten WM 2026. Der Deal schafft ein eigenständiges Live-Stream-Produkt speziell für Wettanbieter und zeigt, wie Streaming-Plattformen Sport nicht nur übertragen, sondern mit anderen Digitalbranchen verknüpfen, um neue Einnahmequellen zu erschließen.
Dieser Schritt folgt einem klaren Muster. Seit Januar streamt Paramount+ alle UFC-Kämpfe. Amazon Prime Video hat sich NBA-Rechte gesichert und baut sein Portfolio mit NFL und NHL aus. Auch europäische Sender wie TNT Sports und Sky haben mehrjährige Verträge für die LIV Golf League abgeschlossen. Die Botschaft ist klar: Der Sport wandert geschlossen in die Streaming-Welt.
„Streamflation“ treibt die Preise
Für die Verbraucher hat dieser milliardenschwere Inhalte-Wettlauf direkte finanzielle Folgen. US-Daten zeigen: Die Preise für Streaming-Abos stiegen im Dezember 2025 um fast 20 Prozent – und damit weit stärker als die allgemeine Inflation. Experten sprechen bereits von „Streamflation“.
Der durchschnittliche Haushalt balanciert heute mehrere Abos, deren Gesamtkosten inzwischen oft das alte Kabel-Paket übertreffen. Die Reaktion: Viele Nutzer rotieren zwischen Diensten oder weichen auf werbefinanzierte Tarife aus. Der Druck auf die Anbieter, einen konstant hohen Mehrwert zu liefern, wächst damit täglich.
Das Ende des linearen Fernsehens?
Der gezielte Angriff auf den Live-Sport ist eine existenzielle Bedrohung für das klassische TV-Geschäft. Sport-Events waren jahrzehntelang der Hauptgrund für teure Kabelverträge. Indem die Streaming-Dienste diese Rechte systematisch aufkaufen, durchtrennen sie eine der letzten Verbindungen zum linearen Programm.
Gleichzeitig beobachten Marktbeobachter einen Gegen-Trend. In einer Welt aus Klick-Köder-Inhalten sehnen sich Nutzer zunehmend nach vertrauenswürdigen, hochwertigen Erlebnissen – nach „intentionaler Mediennutzung“. Angesichts der Abo-Müdigkeit und steigender Preise werden Verbraucher ihr Budget wohl auf wenige Plattformen konzentrieren, die essenzielle Inhalte wie exklusiven Sport oder preisgekrönte Eigenproduktionen bieten.
Ausblick: Konsolidierung und teurere Pakete
Für 2026 zeichnet sich weitere Konsolidierung ab. Weitere Sportligen dürften dem FIFA-Beispiel folgen und Streaming-Technologie für globale Reichweite nutzen. Traditionelle Sender stehen unter Zugzwang: Sie müssen ihre digitale Transformation radikal beschleunigen oder riskieren, irrelevant zu werden.
Die Ära der individuellen Streaming-Pakete bleibt – doch zu einem höheren Preis. Die Branche wird vermehrt auf Bündelungen setzen, die Streaming, Gaming und andere digitale Dienste kombinieren. Die zentrale Frage für Netflix, Amazon, Disney & Co. lautet: Können ihre Milliardeneinsätze im Sport und bei Eigenproduktionen ein nachhaltiges, profitables Modell schaffen, für das Verbraucher langfristig bereit sind zu zahlen? Die ersten Antworten liefert dieses Jahr.





