Eine mögliche Mega-Fusion im Fintech-Sektor rückt näher: Der Zahlungsdienstleister Stripe soll Interesse an einer Übernahme des angeschlagenen Branchenpioniers PayPal bekundet haben. Erste Gespräche seien im Gange, bestätigen jedoch beide Unternehmen nicht. Der bloße Gerücht hat die PayPal-Aktie bereits um sieben Prozent steigen lassen.
Zwei Giganten mit gegensätzlichen Wegen
Hier treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite steht Stripe, das 159 Milliarden Euro schwere Tech-Juwel. Das 2010 gegründete Unternehmen ist der heimliche Champion des Online-Handels und baut seine Marktmacht mit modernster Infrastruktur stetig aus.
Auf der anderen Seite kämpft PayPal, der einstige Vorreiter. Der Pionier leidet unter dem Druck von Tech-Riesen wie Apple und Google sowie agilen Neulingen. Sein Börsenwert ist von den Höhenflügen 2021 deutlich eingebrochen und liegt nun bei etwa 40 Milliarden Euro. Die jüngsten Quartalszahlen enttäuschten die Märkte.
Attraktive Synergien und strategische Assets
Was macht die Kombination so interessant? Analysten sehen ein unschlagbares Duo. Stripe würde mit einem Schlag Zugang zu PayPals riesigem Netzwerk aus über 400 Millionen aktiven Konten erhalten – sowohl bei Verbrauchern als auch bei Händlern.
Besonders im Fokus könnte Braintree stehen, PayPals leistungsstarker Zahlungsabwickler für große Unternehmen. Zudem treiben beide die Einführung von Stablecoins voran. Eine Fusion könnte die Entwicklung digitaler Währungen für den Alltagsgebrauch massiv beschleunigen.
PayPal in der Transformationskrise
Die Übernahmegerüchte kommen zur denkbar ungünstigsten Zeit für PayPal. Das Unternehmen steckt mitten in einer Führungskrise. Der neue CEO Enrique Lores tritt erst am 1. März 2026 sein Amt an. Sein Vorgänger wurde nach enttäuschenden Prognosen entlassen.
Die technologische Modernisierung kommt nur langsam voran, während die Konkurrenz agiler wird. Stripe-Präsident John Collison kommentierte diese Schwierigkeiten dieser Tage indirekt: Die Wettbewerbslandschaft habe sich grundlegend verändert.
Hürden: Kartellrecht und Integration
Doch bis zu einem Deal ist es ein weiter Weg. Eine Fusion würde einen Giganten mit enormer Marktmacht schaffen. Kartellbehörden in den USA und Europa dürften genau hinschauen.
Hinzu kommt die enorme Herausforderung, zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen und komplexe Technologieplattformen zu vereinen. Aus ersten, explorativen Gesprächen muss noch lange kein verbindliches Angebot werden.
Die Finanzwelt bleibt in den kommenden Wochen in Alarmbereitschaft. Sollte es ernst werden, stünde die größte Fintech-Übernahme aller Zeiten bevor – und eine Neudefinition des digitalen Bezahlens.





