Stripe und Fiserv starten die autonome Maschinenwirtschaft

Stripe und Fiserv lancieren neue Infrastruktur für KI-Agentenzahlungen und Echtzeit-Transfers, während etablierte Anbieter wie PayPal mit Rückschlägen kämpfen und Adyen gemischte Ergebnisse liefert.

Die globale Finanzinfrastruktur erlebt eine Zeitenwende. Innerhalb von 24 Stunden haben zwei Fintech-Schwergewichte Systeme vorgestellt, die Zahlungen zwischen KI-Agenten und Echtzeit-Abwicklungen für digitale Assets ermöglichen. Während neue Infrastruktur entsteht, kämpfen etablierte Player wie PayPal mit Rückschlägen.

KI-Agenten erhalten eigene digitale Geldbörsen

Am Freitag, den 13. Februar, startete Stripe ein Bezahlsystem, das speziell für KI-Agenten entwickelt wurde. Es erlaubt automatisierter Software, mit der Kryptowährung USD Coin (USDC) eigenständig digitale Dienstleistungen zu bezahlen – ohne menschliches Zutun.

Der Clou: Das System nutzt das „x402“-Protokoll, einen offenen Standard, der den lange ungenutzten HTTP-Statuscode „402 Payment Required“ wiederbelebt. Eine KI, die etwa Cloud-Rechenleistung bucht, kann so eine Zahlungsanforderung erhalten und sofort begleichen. „Damit löst Stripe ein zentrales Problem der KI-Branche“, kommentiert ein Marktbeobachter. „Autonome Agenten konnten bisher kein Bankkonto eröffnen.“ Die aktuelle Version ist auf USDC beschränkt, weitere Währungen sollen folgen.

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Fiserv bringt Banken in Echtzeit ins Digitalzeitalter

Bereits am Vortag, dem 12. Februar, zog der Finanzdienstleister Fiserv nach. Sein neues Plattform INDX ermöglicht Unternehmen, US-Dollar rund um die Uhr zu lagern und zu transferieren. Das umgeht die Limitierungen des traditionellen Bankensystems an Wochenenden und Feiertagen.

Ein entscheidender Sicherheitsvorteil: Gelder auf der Plattform sind über eine Partnerschaft mit StoneCastle Cash Management bis zu 100 Millionen Dollar durch die US-Einlagensicherung FDIC abgesichert. Das übertrifft die Standardgrenze von 250.000 Dollar bei weitem. Für institutionelle Händler und Stablecoin-Emittenten bietet dies eine sichere Brücke zwischen reguliertem Bankwesen und der Geschwindigkeit der Kryptomärkte.

Adyen wächst, aber enttäuscht die Börse

Im Schatten dieser Ankündigungen legte der niederländische Zahlungsabwickler Adyen am 12. Februar seine Zahlen für das zweite Halbjahr 2025 vor. Der Nettoumsatz stieg um 21% auf 1,27 Milliarden Euro. Dennoch geriet die Aktie unter Druck, da das bearbeitete Volumen von 745 Milliarden Euro hinter einigen Erwartungen zurückbleib.

Das Unternehmen betonte sein Wachstum im stationären Handel, wo die Volumina um 26% zulegten. Für 2026 prognostiziert Adyen ein Umsatzwachstum von 20 bis 22 Prozent.

PayPal zeigt die Schattenseiten des Wandels

Die Fortschritte von Stripe und Fiserv werfen ein Schlaglicht auf die wachsende Kluft im Sektor. Während neue Infrastruktur gebaut wird, haben etablierte Konsumenten-Apps mit Problemen zu kämpfen. Dies zeigte sich Anfang Februar bei PayPal.

Das Unternehmen verfehlte mit einem Quartalsumsatz von 8,68 Milliarden Dollar die Erwartungen der Analysten. Der Kurs stürzte ab. In der Folge kündigte PayPal einen Führungswechsel an: Ab dem 1. März 2026 wird Enrique Lores den bisherigen CEO Alex Chriss ersetzen.

2026: Das Jahr der autonomen Finanzen?

Experten deuten die zeitgleichen Starts als Startschuss für das Jahr der autonomen Finanzen. Die technischen Hürden für Maschinenzahlungen sind gesenkt. Nun könnte eine Welle neuer Anwendungen folgen, in denen KI-Agenten direkt verhandeln und bezahlen.

Eine KI als Reiseassistent könnte theoretisch sofort Flüge buchen und über Stripes System bezahlen. Die Abwicklung für die Fluglinie wiederum könnte über Fiservs INDX-Netzwerk in Echtzeit erfolgen. Die große Frage für das erste Quartal 2026 lautet: Sind traditionelle Unternehmen bereit, diese Werkzeuge zu integrieren? Oder bleibt die „Maschinenwirtschaft“ vorerst die Domäne von KI- und Krypto-Startups?