In Österreich tritt am heutigen 1. Oktober 2026 ein neues Peer-to-Peer-Energienutzungsmodell (P2P) in Kraft. Betreiber von Photovoltaikanlagen erhalten damit die Möglichkeit, ihren überschüssigen Strom direkt an Nachbarn, Familienmitglieder oder Betriebe weiterzugeben.
Das Modell erlaubt es erstmals, Strom nicht nur zu verschenken oder zu teilen, sondern auch mit einer expliziten Gewinnabsicht zu verkaufen. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Smart Meter sowie ein klar definierter Vertrag, in dem der Preis oder die Schenkung festgelegt sind.
Rechtliche Vereinfachung gegenüber Energiegemeinschaften
Ein wesentlicher Unterschied zu den bereits bestehenden Energiegemeinschaften liegt in der rechtlichen Handhabung. Für das P2P-Stromteilen ist laut rechtlichen Einordnungen der Energierechtsexpertin Hafize Stöhr keine Gründung eines Vereins oder einer Genossenschaft erforderlich.
Ein einfacher zivilrechtlicher Vertrag zwischen den Beteiligten reicht aus. Als Unterstützung für die Erstellung solcher Verträge wird eine Vorlage auf dem Portal energiegemeinschaften.gv.at bereitgestellt.
Die technische Abwicklung erfolgt weiterhin über das öffentliche Stromnetz, wobei die Abrechnung in Intervallen von 15 Minuten durchgeführt wird. Bestehende Lieferverträge mit Energieversorgern bleiben von der Teilnahme am P2P-Modell unberührt.
Als Teilnehmer sind Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen zugelassen. Die beteiligten Erzeugungsanlagen dürfen eine Größe von maximal 6 MW aufweisen. Für Anlagen ab einer Leistung von 100 kW gelten zudem sogenannte „Lieferantenpflichten light“.
Kostenvorteile und räumliche Nähe
Die praktische Umsetzung der Stromteilung zwischen den Teilnehmern ist für den 5. Oktober 2026 vorgesehen. Eine grundlegende Bedingung ist dabei zunächst, dass sich alle beteiligten Parteien im Gebiet desselben Netzbetreibers befinden müssen.
Seit dem 1. Oktober 2026 dürfen PV-Betreiber in Österreich ihren Überschuss erstmals mit Gewinnabsicht an Nachbarn und Betriebe verkaufen — ein einfacher zivilrechtlicher Vertrag genügt, eine Vereinsgründung ist nicht nötig. Wer alle Beteiligten an denselben Transformator anschließt, spart laut Land Salzburg bis zu 57 Prozent Netzkosten. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Smart Meter, Vertrag und Netznähe richtig aufsetzen. P2P-Leitfaden jetzt kostenlos anfordern
Markus Schwarz, Referent für Energiegemeinschaften beim Land Salzburg, verwies in diesem Zusammenhang auf signifikante Einsparungen bei den Netzkosten. Demnach betrage die Ersparnis 57 Prozent, wenn alle Teilnehmer an denselben Transformator angeschlossen sind. Bei einem gemeinsamen Anschluss an ein Umspannwerk liege die Ersparnis bei 28 Prozent.
Zusätzliche finanzielle Anreize sind für den Jahreswechsel geplant. Eine Verordnung zur Reduktion der Netzentgelte bei räumlicher Nähe soll zum 1. Jänner 2027 in Kraft treten. Ab April 2027 ist zudem vorgesehen, dass das P2P-Stromteilen auch über verschiedene Netzgebiete hinweg möglich wird.
Eine weitere technische Neuerung wird für den 1. April 2028 erwartet: Ab diesem Zeitpunkt müssen Kunden in der Lage sein, ihre Teilnahmefaktoren mehrmals täglich anzupassen.
Plattformlösungen für Groß- und Privatkunden
Die ENERGIEALLIANZ Austria begleitet den Start des neuen Modells mit der Einführung der Peer-to-Peer-Stromsharing-Plattform EMMA-Strom. Die rechtliche Basis hierfür bildet das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), das ebenfalls mit heutigem Datum in Kraft tritt.
In der ersten Phase konzentriert sich das Angebot auf Großkunden, Unternehmen, Landwirte und öffentliche Einrichtungen. Für diese Gruppen entfallen im Rahmen einer Sonderaktion vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 die Plattformnutzungsentgelte.
Viele PV-Betreiber zögern, weil die Rechtslage beim Stromverkauf an Nachbarn unklar wirkt — dabei reicht seit dem 1. Oktober 2026 ein einfacher zivilrechtlicher Vertrag, in dem Preis oder Schenkung festgehalten sind. Unser kostenloser Leitfaden führt Sie in drei Schritten durch Vertragsvorlage, Smart-Meter-Voraussetzungen und die Frage, ob Ihre Anlage unter die 6-MW-Grenze fällt. In 3 Schritten zum P2P-Vertrag
Ab März 2027 soll der Schwerpunkt der Plattform auf Privatkunden ausgeweitet werden. Dies betrifft dann auch Kunden der Energieversorger Wien Energie, EVN und Burgenland Energie. Auch hier gilt, dass die ursprünglichen Stromlieferverträge bestehen bleiben.
Der österreichweite, netzübergreifende Austausch über die Plattform ist für den 5. April 2027 geplant. Interessenten können sich für weitere Informationen und Voranmeldungen an das Portal emma-strom.at wenden.

