Südkorea-Exporte: Halbleiter schießen um 188 Prozent in die Höhe

Südkoreanische Ausfuhren steigen im Juni um 60,4 Prozent auf Rekordniveau, angetrieben durch Chip-Exporte und KI-Nachfrage.

Südkoreas Exporte steigen im Juni um 60,4 Prozent – angetrieben von Halbleitern und KI-Infrastruktur.

Die südkoreanische Exportwirtschaft hat einen historischen Meilenstein erreicht. In den ersten 20 Tagen des Juni 2026 stiegen die Ausfuhren im Jahresvergleich um 60,4 Prozent auf 61,99 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert für diesen Zeitraum. Treiber des Booms ist vor allem die Halbleiterindustrie, deren Lieferungen sich nahezu verdreifacht haben.

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Chip-Exporte dominieren das Handelsbild

Mit einem Plus von 188,4 Prozent legten die Halbleiterausfuhren auf 25,51 Milliarden US-Dollar zu. Das verändert die Handelsstruktur des Landes grundlegend: Inzwischen entfallen 41,2 Prozent aller südkoreanischen Exporte auf Chips. Zum Vergleich: Bei einem deutschen DAX-Konzern wie Infineon liegt der Anteil am Gesamtgeschäft deutlich niedriger – Südkorea setzt damit noch stärker auf eine Branche.

Der Juni-Rekord knüpft an einen starken Mai an, als die Gesamtexporte bei 87,75 Milliarden US-Dollar lagen – ein Plus von 53,2 Prozent. Die Chip-Ausfuhren beliefen sich damals auf 37,16 Milliarden US-Dollar, ebenfalls mehr als 42 Prozent der Monatssumme. Analysten sprechen vom zwölften Monat in Folge mit Exportwachstum.

Die Importe stiegen im gleichen Zeitraum um 23,2 Prozent auf 44,5 Milliarden US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Handelsüberschuss von rund 17,5 Milliarden US-Dollar für die ersten 20 Junitage.

Nachfrage aus China und den USA treibt Wachstum

Besonders dynamisch entwickeln sich die Exporte in die großen Technologiemärkte. Die Ausfuhren nach China legten um 86,9 Prozent auf 13,05 Milliarden US-Dollar zu, während die Lieferungen in die USA um 53,9 Prozent auf 11,4 Milliarden US-Dollar stiegen.

Den stärksten regionalen Zuwachs verzeichnete Taiwan mit einem Plus von 103,6 Prozent. Auch Vietnam (+75,5 Prozent) und die Europäische Union (+13,6 Prozent) fragten deutlich mehr südkoreanische Produkte nach.

Neben Halbleitern entwickeln sich Computerperipheriegeräte zum zweiten Standbein. Die Exporte in diesem Segment schnellten um 293,3 Prozent auf 3,07 Milliarden US-Dollar in die Höhe.

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KI-Infrastruktur als Treiber – und Verlierer an anderer Stelle

Der aktuelle Boom ist eng mit der globalen Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) verbunden, die vor allem von Samsung und SK Hynix produziert werden. Diese Speicherchips sind das Herzstück moderner KI-Infrastruktur. Berichten zufolge hat der US-Chipriese NVIDIA bereits mehr als 250.000 Grafikprozessoren nach Südkorea geliefert – ein klares Signal für die wachsende Bedeutung des Standorts im KI-Ökosystem.

Die Halbleiter-Rallye zeigt auch Auswirkungen auf andere Anlageklassen. Im ersten Quartal 2026 sank das Handelsvolumen mit Kryptowährungen in Südkorea um 28 Prozent auf 69 Milliarden US-Dollar. Marktbeobachter sehen darin eine Umschichtung: Anleger ziehen Kapital aus digitalen Währungen ab und setzen stattdessen auf KI-getriebene Chip-Aktien.

Trotz der Rekordzahlen bleibt der Aktienmarkt volatil. Ausländische Investoren hatten bis Ende Mai 2026 südkoreanische Aktien im Wert von 62 Milliarden US-Dollar verkauft. Der Leitindex KOSPI testet derzeit die Marke von 8.000 Punkten – ein Niveau, das ohne die anhaltende Chip-Nachfrage kaum denkbar wäre. Schätzungen zufolge erreichten die gesamten Chip-Exporte in den ersten vier Monaten 2026 rund 110,4 Milliarden US-Dollar.