Südkorea plant KI-Offensive: Datenschutz-Novelle bis September

Südkorea präsentiert ein umfassendes Maßnahmenpaket mit Milliardeninvestitionen, um zum weltweiten KI-Vorreiter aufzusteigen.

Die südkoreanische Regierung hat heute ein ressortübergreifendes Maßnahmenpaket vorgestellt, das den künstlichen Intelligenzsektor des Landes massiv voranbringen soll. Im Kern geht es um hochwertige Datensätze, schlankere Regeln und milliardenschwere Investitionen.

Daten als Treibstoff der KI-Revolution

Das vom Ministerium für Wissenschaft und ICT (MSIT) koordinierte Programm ruht auf vier Säulen: der Beschaffung hochwertiger Daten, dem Aufbau einer nationalen Daten-Pipeline, der Förderung vertrauensbasierter Datennutzung und der Stärkung eines privatwirtschaftlich getragenen Daten-Ökosystems.

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Geplant ist der Umbau der bestehenden KI-Plattform „AI Hub“ zu einer einheitlichen Trainingsplattform. Die Regierung will öffentliche Daten öffnen und branchenspezifische Datenräume für Industrie, Mobilität, Gesundheitswesen und Kultur schaffen. Ein neues Nationales Datengesetz soll bis September 2026 dem Parlament vorgelegt werden.

Regeln werden gelockert – aber ethisch abgesichert

Ein zentraler Hebel sind Gesetzesänderungen. Novellen des Datenschutzgesetzes (PIPA) sollen die Nutzung personenbezogener Daten für KI-Training im öffentlichen Interesse erlauben. Parallel wird das Urheberrecht überprüft, um Klarheit über die Nutzung geschützter Werke zu schaffen. Ein neuer Kabinettsrat für Datenfragen unter Leitung des Premierministers soll die Maßnahmen koordinieren.

Flankiert wird dies von einem Entwurf nationaler KI-Ethikgrundsätze, den das MSIT und das Korea Information Society Development Institute (KISDI) heute vorgelegt haben. Drei Kernwerte stehen im Zentrum: Menschenwürde, Gemeinwohl und technologische Vertrauenswürdigkeit. Sechs Leitprinzipien – von Autonomie über Privatsphäre bis hin zu Sicherheit und Transparenz – konkretisieren den Rahmen. Vizeminister Ryu Jemyoung betonte die Bedeutung dieser Standards für eine Führungsrolle in sicherer KI-Entwicklung. Die öffentliche Konsultation läuft vom 29. Mai bis 8. Juli 2026.

OpenAI investiert – Rebellions kooperiert mit Banken

Die Ankündigungen kommen nicht zufällig. Erst gestern stellte OpenAI in Seoul den „Korea Cyber Action Plan“ vor. Das Unternehmen liefert KI-gestützte Cybersicherheitsprogramme an Regierung und Unternehmen aus Energie, Finanzen und Telekommunikation. OpenAI-Strategiechef Jason Kwon bezeichnete Südkorea als „strategisch vitale Vollsortiment-Volkswirtschaft“ – die wöchentlichen Nutzerzahlen von ChatGPT Codex in der Region hätten sich seit Jahresbeginn verzehnfacht.

Auch heimische Player ziehen nach: Das KI-Chip-Startup Rebellions (aktuell mit 3,4 Billionen Won bewertet, umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro) ging gestern eine strategische Partnerschaft mit der KB Financial Group ein. Rebellions liefert Neural Processing Unit (NPU)-Infrastruktur für Finanz-KI-Dienste, während KB Finanzierung und Services bereitstellt.

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Strom-Engpass als Risikofaktor

Doch nicht alles läuft nach Plan. Eine heute veröffentlichte Studie des Nationalen Parlamentsforschungsdienstes (NARS) warnt vor Infrastruktur-Engpässen. Der Halbleitercluster in Yongin benötigt 15 bis 16 Gigawatt Strom – verfügbar sind derzeit aber nur 1,9 Gigawatt. Zwar plant der Stromversorger KEPCO ein 37 Milliarden Won schweres Übertragungsprojekt (etwa 25 Millionen Euro), das jedoch erst für 2036 vorgesehen ist. Verzögerungen beim Netzausbau könnten private Investitionen in Höhe von Hunderten Billionen Won gefährden.

Das dürfte auch in Deutschland aufmerksam verfolgt werden: Während die Bundesregierung ebenfalls um KI-Fortschritt ringt, zeigt das südkoreanische Beispiel, wie schnell regulatorische Fortschritte und Infrastruktur-Engpässe nebeneinanderstehen können.