Präsident Lee Jae Myung hat am Montag ein gewaltiges Investitionspaket für den Aufbau eines neuen Halbleiter-Produktionszentrums in der südwestlichen Honam-Region vorgestellt. Das Gemeinschaftsprojekt von Staat und Privatwirtschaft umfasst umgerechnet rund 520 Milliarden Euro und wird von den Branchenriesen Samsung Electronics und SK hynix getragen. Ziel ist der Ausbau von Fertigungskapazitäten für KI-Chips und High-Bandwidth-Speicher (HBM), um die weltweit rasant steigende Nachfrage zu bedienen.
Vier neue Fabriken im Südwesten
Das Herzstück der Ankündigung: Vier große Chip-Fabriken sollen im Südwesten des Landes entstehen. Samsung Electronics und SK hynix planen jeweils zwei neue Werke. Samsung hat die Stadt Gwangju als bevorzugten Standort für seine nächste Großinvestition ins Auge gefasst. Neben den beiden Fabriken dort sind zusätzliche HBM-Verpackungsanlagen in Onyang und Cheonan vorgesehen.
SK hynix will ebenfalls zwei Fabriken in der Honam-Region errichten und zusätzlich 100 Billionen Won in eine NAND-Produktionsstätte in Cheongju investieren. Die Projekte sind Teil einer umfassenderen Initiative mit dem Titel „Drei Mega-Projekte für den großen Sprung nach vorn“, die darauf abzielt, die Industrie aus dem Großraum Seoul zu dezentralisieren. Die Fertigstellung der neuen Anlagen im Südwesten ist für die Jahre 2034 bis 2035 geplant.
Infrastruktur und KI-Rechenzentren im Milliarden-Maßstab
Um die erhöhte Chip-Produktion zu unterstützen, investieren die Regierung und private Partner – darunter SK Group, GS Group und Naver – weitere 550 Billionen Won in den Aufbau der KI-Infrastruktur. Geplant sind drei KI-Rechenzentren mit einer Gesamtkapazität von 8,4 Gigawatt. Das langfristige Ziel: bis 2035 auf 18,4 Gigawatt zu wachsen.
Weitere regionale Investitionen umfassen 81 Billionen Won für Chip-Verpackungscluster in der Provinz Chungcheong sowie 30 Billionen Won für neue Halbleitertechnologien. Hyundai Motor hat sich mit neun Billionen Won an einem speziellen KI-Roboter-Komplex beteiligt, der jährlich über 1.000 Roboter produzieren soll.
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Milliarden-Wetten auf den KI-Boom
Der massive Kapitalzufluss kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Analysten den globalen Halbleitermarkt für 2026 auf umgerechnet rund 1,4 Billionen Euro schätzen – ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahr. SK hynix, das im ersten Quartal 2026 einen Marktanteil von 58 Prozent bei HBM-Speichern hielt und Mitte Juni einen neuen Höchststand bei der Marktkapitalisierung erreichte, beschleunigt seine Investitionen im Inland. Bereits Anfang des Jahres hatte das Unternehmen 19 Billionen Won für eine neue Verpackungsfabrik in Cheongju zugesagt, die Ende 2027 den Betrieb aufnehmen soll. Zur Finanzierung weiterer Expansion erwägt SK hynitz einen Börsengang an der Nasdaq mit einem Volumen von rund 29 Milliarden Euro.
Auch Samsung Electronics stockt seine Investitionen auf. Laut lokalen Medienberichten ist ein langfristiges Gesamtinvestment von bis zu 1.000 Billionen Won geplant. Der Konzern setzt auf vertikale Fertigungsintegration, um seine Wettbewerbsfähigkeit im Speichersegment zu sichern. Bereits am 18. Juni hatte SK hynix einen technischen Meilenstein erreicht: Die Auslieferung von Mustern des HBM4E-Speichers – ein Zeichen für das rasante Entwicklungstempo bei KI-spezifischen Speichermodulen.
Wasser, Politik und offene Fragen
Der Plan, ein riesiges Industriezentrum außerhalb des Großraums Seoul zu errichten, hat Diskussionen über Ressourcenmanagement und politische Transparenz ausgelöst. Umweltminister Kim Sung-whan erklärte am Sonntag, dass sieben bestehende Staudämme in den Flusssystemen Yeongsan und Seomjin täglich über 3,3 Millionen Tonnen Wasser liefern könnten. Durch Anpassungen des Dammsystems ließen sich zusätzlich eine Million Tonnen Industriewasser pro Tag für den Chip-Standort Gwangju-Jeolla sichern.
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Die Strategie stößt jedoch auf politischen Gegenwind. Während die Regierungspartei und das Präsidialamt die Initiative als „kraftvolle nationale Strategie“ für die wirtschaftliche Sicherheit verteidigen, stellen Kritiker die Transparenz des Standortauswahlverfahrens infrage. Präsident Lee reagierte am Wochenende mit mehreren Beiträgen in den sozialen Medien und betonte, die Standortwahl basiere auf einem investitionsfreundlichen Umfeld und unternehmerischem Interesse – nicht auf staatlichem Druck.
Die Börse reagierte verhalten: Nach der Ankündigung fielen die Aktien von Samsung Electronics und SK hynix um mehr als fünf Prozent. SK-Group-Chef Chey Tae-won soll am Dienstag in Gwangju weitere Details zur Fertigungs-Roadmap in der Honam-Region vorstellen.

