Der KI-Server-Spezialist Super Micro Computer hat am Dienstag seine Quartalszahlen vorgelegt und damit für gemischte Reaktionen gesorgt. Während der Umsatz mit 10,24 Milliarden US-Dollar unter den Erwartungen der Analysten blieb, übertraf der bereinigte Gewinn pro Aktie mit 0,84 Dollar die Prognosen deutlich. Der Konzern profitiert weiterhin vom ungebrochenen Boom der Künstlichen Intelligenz.
Rekordwachstum trotz Lieferverzögerungen
Der Umsatzsprung von 123 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zeigt: Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur ist ungebrochen. Dass die Erlöse dennoch unter der Konsensschätzung von rund 12,33 Milliarden Dollar lagen, begründete CEO Charles Liang mit Verzögerungen bei der Kundenbereitschaft und Lieferterminen – nicht etwa mit mangelnder Nachfrage.
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Die operative Wende gelang dem Unternehmen bei den Margen: Die Non-GAAP-Bruttomarge kletterte von 6,4 Prozent im zweiten Quartal auf 10,1 Prozent. Ein klares Signal für verbesserte Effizienz und eine günstigere Produktmischung. Allerdings forderte das aggressive Wachstum seinen Tribut: Der operative Cashflow war mit minus 6,6 Milliarden Dollar negativ, die Schuldenlast stieg auf rund 8,8 Milliarden Dollar.
Ausblick: Milliarden-Investitionen in neue Fabriken
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 hebt Super Micro die Umsatzprognose auf 38,9 bis 40,4 Milliarden Dollar an. Allein für das vierte Quartal rechnet der Konzern mit Erlösen zwischen 11 und 12,5 Milliarden Dollar. Um diese Ziele zu erreichen, baut das Unternehmen seine Produktionskapazitäten massiv aus – mit neuen Standorten im Silicon Valley, Malaysia, Taiwan sowie einem gemeinsamen Werk in Texas und Mexiko.
AMD und Astera Labs liefern Rekordzahlen
Die positive Dynamik im KI-Markt bestätigten auch die Zahlen von AMD und Astera Labs, die ebenfalls am Dienstag veröffentlicht wurden. AMD steigerte den Umsatz im ersten Quartal 2026 um 38 Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar. Treiber war das Rechenzentrumsgeschäft mit einem Plus von 57 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Besonders bemerkenswert: die angekündigte Zusammenarbeit mit Samsung bei HBM4-Speicher und die gemeinsame Entwicklung von KI-Erweiterungen für die x86-Architektur mit Intel.
Astera Labs, Spezialist für Konnektivitätslösungen in KI-Clustern, verdoppelte seinen Umsatz auf 308,4 Millionen Dollar – ein neuer Rekord. Das Unternehmen stellte den Scorpio X-Series 320-Lane Smart Fabric Switch vor, der Engpässe in Rechenzentren beseitigen soll. Das adressierbare Marktvolumen für solche Schaltkreise könnte bis 2030 auf 20 Milliarden Dollar steigen.
Speicherkrise erreicht den Massenmarkt
Die Kehrseite des KI-Booms zeigt sich im Consumer-Bereich. Apple strich am Montag und Dienstag mehrere Mac-Modelle aus dem Sortiment, darunter das günstige Einstiegsmodell Mac mini für 599 Dollar. Der Grund: globale Speicherknappheit und steigende Kosten durch die Nachfrage der KI-Rechenzentren. CEO Tim Cook räumte ein, dass die Nachfrage nach KI-fähiger Hardware die Erwartungen übertroffen habe und es Monate dauern werde, bis Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht seien.
Marktreaktion: Kurssprung trotz Umsatzverfehlung
Die Anleger reagierten positiv auf die Zahlen: Die Aktie von Super Micro stieg im nachbörslichen Handel um über 16 Prozent. Analysten werteten die Umsatzverfehlung als vorübergehendes logistisches Hindernis, nicht als Abkühlung des KI-Marktes. Die Lagerbestände von 11,1 Milliarden Dollar deuten darauf hin, dass das Unternehmen Komponenten für die nächste Hardware-Generation bevorratet – darunter Systeme mit NVIDIAs GB300 und AMDs MI350.
Ausblick: Der Engpass verlagert sich
Die Branche bereitet sich auf die Volumenauslieferung von Blackwell-Generation und nächster KI-Hardware vor. Super Micro rüstet sich für die Serienproduktion von NVIDIA GB300 NVL72 und HGX B300 Systemen sowie AMDs MI350 und MI355 Beschleunigern. Experten sehen den Engpass zunehmend nicht mehr bei den Grafikprozessoren, sondern bei der Netzwerk-„Fabric“ und der benötigten Strominfrastruktur.
Mit den neuen Fertigungsstätten in Malaysia und Taiwan, die noch in diesem Jahr in Betrieb gehen sollen, erwartet Super Micro kürzere Lieferzeiten und eine Entspannung beim Cashflow. Bleibender Risikofaktor: die steigenden Preise für DRAM- und NAND-Flash-Speicher, die die gesamte Branche belasten.

