Super Micro: Razzia wegen illegaler Nvidia-Chip-Exporte nach China

Taiwanische Behörden durchsuchen Super Micro wegen Verdachts auf verbotene Chip-Lieferungen an China. Die Aktie verliert stark.

Taiwanesische Staatsanwälte haben die Büros von Super Micro durchsucht – der Verdacht: illegale Chip-Lieferungen nach China.

Die Razzia am 29. Juni traf zwölf Standorte, darunter die Taiwan-Zentrale von Super Micro, den Telekommunikationsanbieter Chief Telecom sowie den Hardware-Hersteller Albatron Technology. Auch sechs Privatwohnungen wurden durchsucht. Im Fokus der Ermittlungen: der mutmaßliche Export verbotener Nvidia-KI-Chips nach China.

Die Nachricht ließ die Aktie von Super Micro um über acht Prozent einbrechen. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der das Unternehmen in den vergangenen Wochen bereits rund 37 Prozent an Börsenwert gekostet hat.

Ausweitung der Ermittlungen

Die Aktion vom Montag ist bereits die zweite große Phase eines Verfahrens, das im Frühjahr öffentlich wurde. Bereits im Mai hatten die Behörden drei Verdächtige mit den Nachnamen Yu, Wang und Chen festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Exportdokumente gefälscht und Server über Umwege in Japan und Hongkong nach China geschleust zu haben.

Bei der ersten Durchsuchungswelle Ende Mai stellten die Ermittler rund 50 Server sicher. Die Geräte enthielten hochwertige Nvidia-KI-Komponenten und hatten einen geschätzten Wert von rund 22 Millionen Euro. Zwar ist das nur ein Bruchteil des erwarteten Quartalsumsatzes von Super Micro – doch der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Einhaltung der Exportkontrollen auf.

US-Justiz ermittelt ebenfalls

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Parallel zu den taiwanesischen Ermittlungen läuft ein Verfahren in den USA. Bereits im März 2024 hatte das US-Justizministerium Super-Micro-Mitgründer Wally Liaw angeklagt – wegen Verschwörung zum illegalen Export von Servern im Wert von umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro. Der Prozess soll im November beginnen.

Super Micro selbst ist in Taiwan bislang nicht als Unternehmen angeklagt. Der Konzern betont, mit den Behörden zu kooperieren. Auch Nvidia-Chef Jensen Huang hat sich zu dem Fall geäußert: Sein Unternehmen werde keine Unterstützung für Chips leisten, die über nicht autorisierte Kanäle beschafft wurden.

Strengere Gesetze in Planung

Die Verschärfung der Ermittlungen fällt in eine Zeit, in der Taiwan über strengere Regeln für Technologietransfers nachdenkt. Die Regierung prüft derzeit, den Export von KI-Chips nach China unter Strafe zu stellen – ein Schritt, der die heimische Gesetzgebung näher an die US-Exportkontrollen heranführen soll.

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Sechs Personen wurden nach der jüngsten Razzia zur Vernehmung gebracht. Die Staatsanwaltschaft wertet nun beschlagnahmte Dokumente und digitale Daten aus. Das volle Ausmaß des mutmaßlichen Schmuggelnetzwerks ist noch unklar.

Super Micro hatte zuletzt trotz eines erfolgreichen dritten Quartals die Jahresprognose nach unten korrigiert. Der Umsatz soll nun zwischen 38,9 und 40,4 Milliarden Euro liegen. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen eine Kapitalerhöhung über rund 6,5 Milliarden Euro an – ein weiterer Belastungsfaktor für den Aktienkurs.