In Deutschlands Großstädten gibt es erstmals mehr Einzelhandelskassen mit Geldauszahlung als klassische Bankautomaten. Das zeigt eine aktuelle Analyse – ein Wendepunkt für den Zugang zu Bargeld.
Die Deutsche Kreditbank (DKB) hat diesen fundamentalen Wandel mit einem neuen „Cash-Index“ erstmals quantifiziert. In den 30 größten deutschen Städten kommen auf 10.000 Einwohner durchschnittlich 3,4 Einzelhandelsstellen, an denen man Bargeld abheben kann. Herkömmliche Geldautomaten liegen bei nur noch 3,0 pro 10.000 Menschen. Der tägliche Einkauf wird so für viele zum Banktermin.
Vom Bankschalter zur Supermarktkasse
Der Trend ist eindeutig: Während Banken ihr Filialnetz ausdünnen und tausende Geldautomaten abbauen, springt der Einzelhandel in die Bresche. Ketten wie Rewe, Edeka, Lidl und dm haben ein neues, dezentrales Netz für die Bargeldversorgung geschaffen. Für Verbraucher ist der Vorteil offensichtlich: Sie sparen sich den extra Weg zum Automaten.
„Die Verfügbarkeit von Bargeld bleibt insgesamt stabil, aber die Art des Zugangs verändert sich grundlegend“, so das Fazit der Studie. Besonders ausgeprägt ist der Trend in Städten wie Chemnitz mit 4,64 Einzelhandelsstellen pro 10.000 Einwohnern. Schlusslicht ist Karlsruhe mit 2,65.
Warum Banken ihre Automaten abbauen
Hinter dem Rückzug der Banken stecken harte Zahlen. Die Anzahl aktiver Geldautomaten in Deutschland ist seit Jahren rückläufig – von rund 59.000 im Jahr 2018 auf unter 50.000 bis 2024. Allein zwischen 2020 und 2023 wurden etwa 5.000 Geräte abgebaut.
Der Grund sind explodierende Kosten. Wartung, Strom, Technik-Updates, Versicherung und Sicherheit machen den Betrieb immer unrentabler. Jede geschlossene Filiale zieht oft den Abbau der dazugehörigen Automaten nach sich. Verbraucherschützer warnen seit langem vor den Folgen, besonders in ländlichen Regionen.
Ein teurer Service für den Handel
Für den Einzelhandel ist der Cashback-Service ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist er ein wichtiger Kundenservice, der Loyalität fördert und Fußverkehr erhöht. Andererseits wird er zur Kostenfalle.
Händler zahlen den Banken eine Gebühr von 0,1 bis 0,2 Prozent des ausgezahlten Betrags. Hochgerechnet summieren sich diese Kosten enorm: In einem Jahr zahlten Händler bereits über 17 Millionen Euro für diese Transaktionen. Trotzdem will der Handelsverband HDE am Service festhalten – die Kundennachfrage ist einfach zu stark.
EU-Regeln werden Trend zementieren
Die Abkehr von bankeneigenen Automaten hin zum Einzelhandel markiert eine beispiellose Dezentralisierung einer Kernfinanzdienstleistung. Dieser Trend wird sich durch neue EU-Regeln noch verstärken.
Die EU arbeitet an Vorschriften, die den Barzugang gerade in ländlichen Regionen stärken sollen. Geplant ist, dass Händler künftig bis zu 150 Euro auszahlen können – ohne dass der Kunde einen Einkauf tätigen muss. Damit würdie Supermarktkasse offiziell zur kritischen Infrastruktur der nationalen Bargeldversorgung.
Wird Bargeldabheben künftig kostenpflichtig?
Die Zukunft wirft neue Fragen auf. Werden Händler eine Gebühr verlangen, sobald die EU die Kaufpflicht abschafft? Könnte der kostenlose Service dann zur neuen Einnahmequelle werden? Und wie wirkt sich die wachsende Verantwortung für Bargeld auf die Sicherheitskonzepte der Geschäfte aus?
Eines ist sicher: Die Nachfrage nach Bargeld bleibt robust. In absehbarer Zukunft wird Deutschlands Bargeldversorgung immer seltener von einer Bankwand, sondern von einer Supermarktkasse kommen. Die Revolution im Portemonnaie hat längst begonnen.





