Zeitgleich sicherte sich das Unternehmen mit einem 7-Milliarden-Euro-Finanzierungspaket die nötigen Mittel, um einen Auftragsbestand von rund 39 Milliarden Euro abzuarbeiten.
Neue Architektur für „agentische KI“
Die vorgestellten Systeme basieren auf dem Arm AGI CPU, einem Prozessor, der bereits im März 2026 auf den Markt kam. Mit bis zu 136 Neoverse-V3-Kernen, 12 DDR5-Kanälen und PCIe-Gen6-Anschluss bei einer thermischen Verlustleistung von 300 Watt sind die Maschinen speziell für „agentische KI“ und Inferenz-Workloads ausgelegt – also für KI-Systeme, die eigenständig handeln und Entscheidungen treffen können.
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Supermicros Portfolio umfasst mehrere spezialisierte Konfigurationen. Die ORW-Systeme für Cloud-Umgebungen können bis zu 336 AGI-CPUs pro Rack aufnehmen. Erste Muster sollen im ersten Quartal 2027 ausgeliefert werden, die Serienproduktion folgt im zweiten Quartal. Das ORV3-Modell unterstützt immerhin 168 CPUs pro Rack. Für den Edge-Bereich ist der ARS-212HE-FNR vorgesehen, dessen Muster bereits im vierten Quartal 2026 erwartet werden. Für Unternehmen zeigte Supermicro den 2U-Server ARS-222H-NR und das 5U-Modell ARS-522GP-NR, das Platz für bis zu acht Beschleuniger bietet.
Laut Arm-Vertretern könnten die neuen Konfigurationen die doppelte Leistung pro Rack im Vergleich zu herkömmlichen x86-Systemen liefern. Das wäre ein deutlicher Sprung – und eine Kampfansage an Intel und AMD.
Milliarden-Finanzierung für Rekord-Auftragsbestand
Am 9. Juni 2026 stellte Supermicro Details zu einem 7-Milliarden-Euro-Finanzierungspaket vor. Es besteht aus 1,25 Milliarden Euro in Stammaktien und 3,75 Milliarden Euro in Hinterlegungsscheinen für wandelbare Vorzugsaktien, die bis zum 1. Juni 2029 automatisch umgewandelt werden. Hinzu kommt ein 2-Milliarden-Euro-ATM-Programm (At-the-Market), das frühestens im dritten Quartal 2026 starten soll.
Der Schritt ist notwendig: Ende März 2026 verfügte Supermicro über rund 1,3 Milliarden Euro an Barmitteln – bei einem Auftragsbestand von rund 39 Milliarden Euro von über 20 Kunden. Zum Vergleich: Der Jahresumsatz des Unternehmens liegt bei etwa 28 Milliarden Euro. Der Auftragsrückstand übersteigt also die jährlichen Einnahmen deutlich.
Branchenanalysten warnen allerdings: Die Finanzierung könnte zu einer Verwässerung von etwa einem Drittel des Unternehmenswerts führen. Die Anleger reagierten prompt: Nach der Ankündigung fiel die Supermicro-Aktie im nachbörslichen Handel um rund acht bis neun Prozent auf 40,63 Euro. Die Transaktion wird von J.P. Morgan, Goldman Sachs und Citigroup begleitet.
Harte Konkurrenz und hausgemachte Probleme
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Die Ankündigungen fallen in eine Zeit intensiven Wettbewerbs im KI-Hardware-Sektor. Auch auf der Computex 2026 präsentierten andere Schwergewichte ihre Neuheiten. AMD hob seinen EPYC-9965-Prozessor hervor und beansprucht eine überlegene Rack-Durchsatzleistung. Nvidia stellte den Arm-basierten RTX-Spark-Prozessor für Premium-Laptops vor. Und ASRock Rack zeigte Server mit Nvidias Vera-CPU, die für agentische Workloads angeblich 50 Prozent schneller sein soll.
Doch Supermicros aggressive Expansion findet vor einem schwierigen Hintergrund statt. Das Unternehmen stand 2025 kurz vor der Dekotierung an der Börse, nachdem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY 2024 ihr Mandat niedergelegt hatte. Zudem gibt es rechtliche Altlasten: ein Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC aus dem Jahr 2020 sowie Anklagen gegen einen Mitgründer und einen ehemaligen Manager im März 2026.
Bleibt die Frage: Kann Supermicro den riesigen Auftragsbestand tatsächlich abarbeiten? Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Verträge stornierbar sind. Und die operative Bilanz gibt Anlass zur Sorge: Für das Quartal bis März 2026 meldete das Unternehmen einen negativen operativen Cashflow von 6,6 Milliarden Euro. Das ist ein gewaltiger Batzen – und zeigt, wie dringend das frische Geld gebraucht wird.

