Supermicro-Skandal: Taiwan verhaftet Mitarbeiter nach KI-Server-Schmuggel

Supermicro bestreitet Razzia in Taiwan, kooperiert aber bei Ermittlungen zu illegalen KI-Server-Exporten nach China. Aktie verliert.

Das Unternehmen betont, freiwillig mit einer länderübergreifenden Untersuchung zu mutmaßlich illegalen Exporten von Nvidia-KI-Servern nach China zu kooperieren.

Taiwan: Durchsuchungen und Festnahmen

Die taiwanesische Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen zur mutmaßlichen Umleitung von High-End-Hardware nach China verschärft. Am 29. Juni 2026 durchsuchten die Behörden neun Standorte und verhörten mehrere Personen. Ein Gericht ordnete daraufhin am 1. Juli die Untersuchungshaft für zwei Supermicro-Mitarbeiter sowie einen Geschäftsführer des Unternehmens Albatron an. Zwei weitere Supermicro-Angestellte kamen gegen Kaution frei, vier Beschäftigte wurden Berichten zufolge beurlaubt.

Im Zentrum des Verfahrens steht der Vorwurf, gefälschte Dokumente für den Versand von 50 KI-Servern nach China genutzt zu haben – möglicherweise über einen Zwischenstopp in Japan. Die Ermittler beschlagnahmten die Server sowie umgerechnet rund 260.000 Euro Bargeld. Den Beschuldigten drohen Anklagen wegen Untreue und Urkundenfälschung.

Supermicros Chief Risk Officer Matt Thauberger stellte am 2. Juli klar: Das Unternehmen habe den Ermittlern Zugang zu den Arbeitsplätzen der Mitarbeiter gewährt. Von einer Razzia in den Firmenbüros könne jedoch keine Rede sein.

Internationale Dimension und Vermögensbeschlagnahmung

Die Ermittlungen zum Schmuggel von Nvidia-Chips haben eine globale Reichweite. In Singapur beschlagnahmte die Polizei am 2. Juli eine Villa im Wert von rund 39 Millionen Euro – als Teil eines Betrugs- und Geldwäscheverfahrens im Zusammenhang mit dem Chip-Schmuggel. Vier Personen in Singapur wird vorgeworfen, Server betrügerisch erworben zu haben, die angeblich nach Malaysia verschifft wurden. Endziel: China.

Anzeige

Der Fall Supermicro zeigt drastisch, wie komplex die Identifizierung genehmigungspflichtiger Waren im internationalen Handel geworden ist. Um rechtliche Fallstricke zu vermeiden, bietet dieser kostenlose Ratgeber eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur korrekten Güterprüfung. Gratis-E-Book zur Dual-Use-Verordnung jetzt herunterladen

Die Führung von Supermicro betont, nicht Ziel der taiwanesischen Ermittlungen zu sein. In einem offenen Brief vom 1. Juli erklärte das Unternehmen, es unterstütze die Behörden bereits seit Mai 2026. Thauberger bekräftigte am heutigen Freitag, man stehe voll und ganz hinter den Exportkontrollen und kooperiere uneingeschränkt.

US-Verfahren und Börsenreaktion

Die aktuellen Entwicklungen in Asien fallen mit juristischen Auseinandersetzungen in den USA zusammen. Supermicro-Mitbegründer Wally Liaw wird in einem separaten Fall vorgeworfen, sich verschworen zu haben, um Exportkontrollen zu umgehen – angeblich ging es um Server im Wert von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro.

Die gebündelten juristischen Probleme haben Spuren an der Börse hinterlassen. Die Supermicro-Aktie verlor in den vergangenen Handelstagen rund acht Prozent, in der Spitze sogar fast 17 Prozent. Anleger reagierten verunsichert auf die Festnahmen und die Beschlagnahmung in Singapur.

Anzeige

Wenn interne Compliance-Lücken bei der Ausfuhrkontrolle zu strafrechtlichen Ermittlungen führen, drohen Unternehmen massive finanzielle Schäden und Reputationsverlust. Nutzen Sie diese praxiserprobten Checklisten, um Ihre Exportprozesse rechtssicher zu gestalten und Bußgelder zu vermeiden. Kostenlosen Exportkontrolle-Leitfaden sichern

Nvidia drängt auf bessere Kontrollen

Angesichts der sich ausweitenden Ermittlungen hat die Führung von Nvidia eigenen Angaben zufolge Partner aufgefordert, ihre internen Compliance-Systeme zu verbessern. Ziel sei die strikte Einhaltung internationaler Exportvorschriften. Parallel dazu erwägen die taiwanesischen Behörden, den unerlaubten Export von KI-Chips unter Strafe zu stellen – ein Schritt, der die Aufsicht in diesem sensiblen Sektor deutlich verschärfen würde.