Ein chinesischer Roboter löst eines der größten Rätsel der Automatisierung: Er stickt mit Faden und Nadel. Die Demonstration auf der Thailand Smart Delivery Expo markiert einen Durchbruch bei der Handhabung flexibler Materialien – und hat direkte Folgen für die deutsche Industrie.
BANGKOK – Es ist eine Demonstration, die die Grenzen der Robotik neu definiert: Auf der Thailand Smart Delivery Expo zeigte das chinesische Startup TARS Robotics einen humanoiden Roboter, der mit submillimetergenauer Präzision einen Faden einfädelt und ein Logo auf Stoff stickt. Die Vorführung, die am Freitag, dem 30. Januar 2026, endete, gilt als Quantensprung von der starren Industrieautomatisierung hin zu feinmotorischen, menschenähnlichen Fähigkeiten.
Jahrzehntelang waren Industrieroboter auf schnelle, repetitive Aufgaben mit starren Objekten wie Schweißen oder Palettieren spezialisiert. Die Handhabung weicher, verformbarer Materialien wie Stoff und Faden blieb ihnen jedoch verwehrt. Diese Materialien verhalten sich unvorhersehbar und erfordern eine ständige, feinfühlige Kraftkontrolle – vergleichbar mit dem menschlichen Tastsinn.
Der TARS-Prototyp beherrscht genau das. Während der dreitägigen Messe im Bangkok International Trade & Exhibition Centre (BITEC) zeigte er eine bimanuelle Koordination, die bisher biologischen Systemen vorbehalten war. Der Roboter führte den Faden durch das Nadelöhr und führte anschließend Stickstiche aus, wobei er die Spannung des Stoffes konstant hielt. Branchenbeobachter sprechen von der Lösung eines „Goldbach-Problems“ der Robotik.
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Vom Kunsthandwerk zur Industrieanwendung
Hinter der beeindruckenden Vorführung steckt mehr als ein Marketing-Gag. Es handelt sich um einen Machbarkeitsnachweis für breite industrielle Anwendungen, wie Dr. Chen Yilun, CEO von TARS Robotics, betonte. Die zugrundeliegende Technologie ist direkt übertragbar auf komplexe Montageaufgaben, etwa das Verlegen von Kabelbäumen in der Auto- und Luftfahrtindustrie.
Diese Arbeiten erfordern hohe Geschicklichkeit und werden bis heute überwiegend manuell ausgeführt. Die Präzision des TARS-Roboters eröffnet nun die Möglichkeit, diese arbeitsintensiven Prozesse zu automatisieren – ein potenzieller Kostentreiber für die deutsche Automobil- und Zulieferindustrie.
Die „Dreifaltigkeit“ aus Daten, KI und Physik
Der Erfolg basiert auf einer proprietären Architektur, die das Unternehmen als „Data-AI-Physics“-Trinität bezeichnet. Kern ist die AI World Engine (AWE) 2.0, ein Fundamentales Modell, das die Lücke zwischen digitaler Simulation und physischer Ausführung schließt.
Anders als traditionelle Roboter, die fest programmierten Bahnen folgen, nutzt die TARS-Einheit tiefes bestärkendes Lernen und Imitationslernen. Ein als „SenseHub“ bezeichnetes System erfasst Echtzeit-Daten aus der physischen Welt, um die KI zu trainieren. So kann der Roboter den Zustand des weichen Materials wahrnehmen und seine Bewegungen sofort anpassen.
„Der Schlüssel liegt darin, die ‚Sim-to-Real‘-Lücke zu minimieren“, erklärte Chefwissenschaftler Dr. Ding Wenchao. Durch einen hochpräzisen Physik-Engine, der das Verhalten flexibler Materialien genau modelliert, können die Roboter komplexe Fähigkeiten in der Simulation erlernen und mit hoher Erfolgsquote in die reale Welt übertragen. Dies erklärt den rasanten Aufstieg des erst im Februar 2025 gegründeten Unternehmens, das mit rund 242 Millionen Euro an Finanzierung ausgestattet ist.
Nische Feingefühl im globalen Wettlauf
Der Durchbruch erfolgt in einem hochdynamischen globalen Markt für humanoide Roboter. Während große Player wie Unitree Robotics auf dynamische Athletik (Laufen, Springen) und Fourier Intelligence auf Healthcare-Anwendungen setzen, hat sich TARS auf Dexterität und Feingefühl spezialisiert.
Während andere Roboter laufen lernen, bringt TARS seinen Maschinen das Nähen, Weben und Montieren bei. Dieser Fokus auf feinmotorische Fähigkeiten adressiert eine kritische Lücke im Automatisierungsportfolio und könnte für deutsche Mittelständler in der Textil-, Elektronik- oder Medizintechnikbranche besonders relevant werden.
Die Demonstration signalisiert, dass Hardware und Software einen Reifegrad erreicht haben, um mit der chaotischen, unstrukturierten Natur realer Aufgaben umzugehen. Die Frage nach der Zukunft von Facharbeit stellt sich neu. Kann Automatisierung traditionelles Handwerk bewahren, oder wird sie es ersetzen? Die Antwort darauf wird nicht nur in Asien, sondern auch in den Fabrikhallen Europas geschrieben werden.
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