Eine Serie von Schockanrufen und digitalen Betrugsversuchen hat in mehreren deutschen Regionen zu erheblichen finanziellen Verlusten geführt. Besonders betroffen sind die Landkreise Bautzen und Görlitz. Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten: Die Täter professionalisieren sich massiv durch den Einsatz künstlicher Intelligenz.
Perfide Masche in Ostsachsen
Die Polizei registrierte in Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda innerhalb kurzer Zeit mehr als 20 Fälle von Schockanrufen. Die Täter gaben sich als Kriminalpolizisten aus und behaupteten, eine ausländische Diebesbande sei festgenommen worden. Den Opfern suggerierten sie, ihr Name stehe auf einer Liste potenzieller Opfer – eine sofortige Sicherung der Vermögenswerte sei nötig.
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Viele Angerufene erkannten die Masche. Doch in mehreren Fällen kam es zu empfindlichen Verlusten. Eine 85-jährige Frau verlor 6.000 Euro. Ein Seniorenpaar im Raum Neukirch und Kamenz büßte 9.000 Euro ein, ein 56-Jähriger 20.000 Euro durch Kreditbetrug. Besonders schwer traf es eine 65-Jährige bei Bautzen: Sie verlor durch Anlagebetrug mit Kryptowährungen 79.000 Euro.
Dramatischer Anstieg der Schäden
Die aktuellen Vorfälle fügen sich in ein düsteres Gesamtbild. 2025 beliefen sich die Schäden durch Internetbetrug in Deutschland auf schätzungsweise 10,6 Milliarden Euro. Statistiken zufolge war bereits jeder vierte Bundesbürger betroffen. Weltweit liegt der wirtschaftliche Schaden durch Telefonbetrug mittlerweile bei über 400 Milliarden Euro.
Experten beobachten eine qualitative Veränderung der Angriffe. Die Häufigkeit von Phishing-Attacken stieg um das 14-Fache. Besonders besorgniserregend: Smishing – Betrug via SMS – verzeichnete eine Zunahme von 40 Prozent. Finanzinstitute warnen zudem vor zweistufigen Strategien, bei denen Phishing mit anschließendem Telefonterror kombiniert wird.
KI als Werkzeug der Täter
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist künstliche Intelligenz. Rund 82 Prozent der aktuellen Phishing-Angriffe gelten als KI-generiert. Technologien wie Voice Cloning und Deepfakes ermöglichen es Tätern, Stimmen von Angehörigen oder Autoritätspersonen täuschend echt zu imitieren. Das erhöht die Glaubwürdigkeit der Schockanrufe massiv.
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Die Tragweite zeigt sich auch auf internationaler Ebene. Google reichte eine Zivilklage gegen ein Netzwerk namens Outsider Enterprise ein. Dem chinesischen Kollektiv wird vorgeworfen, die KI Gemini missbraucht zu haben, um über 130 Phishing-Kits zu erstellen und rund 9.000 betrügerische Websites zu betreiben. Innerhalb von zwei Wochen sollen über dieses Netzwerk 2,5 Millionen SMS versendet worden sein. Der Gesamtschaden für etwa 100.000 Opfer wird auf 1,8 Milliarden Euro geschätzt.
Was Sie jetzt tun sollten
Angesichts der technologischen Überlegenheit der Angreifer raten Sicherheitsbehörden zu konsequenter Vorsicht. Bei verdächtigen Anrufen, in denen Geld oder sensible Daten gefordert werden: Sofort auflegen. Offizielle Stellen bitten niemals am Telefon um Bargeld oder Wertsachen.
Im Verdachtsfall empfiehlt die Polizei, den offiziellen Notruf selbst zu wählen – und keine Rückruffunktionen des Telefons zu nutzen. Nur so lässt sich die Identität des Anrufers prüfen.

